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Online-Journal für systemische Entwicklungen

psychosozial 2014

Heft 1

Borkenhagen, Ada & Elmar Brähler (2014): Editorial: Intersexualitäten. In: psychosozial 37 (1): 5-6.

Plett, Konstanze (2014): W, M, X – schon alles? Zu der neuen Vorschrift im Personenstandsgesetz und der Stellungnahme des Deutschen Ethikrats zu Intersexualität. In: psychosozial 37 (1): 7-15.

abstract: Seit November 2013 gibt es eine neue Vorschrift im Personenstandsgesetz, der zufolge Kinder, deren Geschlecht nicht eindeutig weiblich oder eindeutig männlich ist, ohne Geschlechtsangabe im Geburtenregister eingetragen werden müssen. Damit ist einer der vielen Aspekte, die der Deutsche Ethikrat in seiner Stellungnahme »Intersexualität« vom Februar 2012 behandelt hat, gesetzlich geregelt worden. In diesem Beitrag wird zum einen die neue Regelung im Hinblick auf ihre Umsetzung und offengebliebene Fragen näher betrachtet, zum anderen wird die nächste, aus Sicht vieler Verbände noch dringendere rechtspolitische Aufgabe – die Zulässigkeit von Genitaloperationen an Minderjährigen – anhand der Stellungnahme des Ethikrats näher untersucht.

Kleinert, Evelyn (2014): Die Stellungnahme des Deutschen Ethikrates zum Thema Intersexualität und ihr Echo bei Betroffenenverbänden und in der Politik. In: psychosozial 37 (1): 17-26.

abstract: Nachdem die Bundesregierung von der UN dazu aufgefordert wurde, die Menschenrechte von Menschen mit Intersexualität zu schützen, erging der Auftrag an den Deutschen Ethikrat, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Basierend auf einer Online-Befragung von 199 Betroffenen, wissenschaftlichen Stellungnahmen, einer öffentlichen Anhörung und einem Online-Diskurs entwickelte der Deutsche Ethikrat eine Stellungnahme, in der unter anderem eine bessere Ausbildung des medizinischen Personals, die Einrichtung interdisziplinärer Kompetenzzentren, die Einführung einer dritten Kategorie im Personenstand sowie der Schutz der körperlichen und seelischen Unversehrtheit von intersexuell geborenen Kindern gefordert werden. Auch eine unkomplizierte Übernahme der Kosten für Medikamente durch die Krankenkassen sowie Entschädigungszahlungen für Betroffene, die unter bereits stattgefundenen medizinischen Behandlungen zu leiden haben, werden empfohlen.

Zehnder, Kathrin (2014): Die Stellungnahmen des Deutschen Ethikrats und der Schweizerischen Nationalen Ethikkommission im Bereich Humanmedizin in kritischer Perspektive. In: psychosozial 37 (1): 27-42.

abstract: Sowohl der Deutsche Ethikrat, als auch die Schweizerische Nationale Ethikkommission im Bereich Humanmedizin haben im Jahr 2012 eine umfassende Stellungnahme zur »Problematik« der Intersexualität verfasst. Beide Kommissionen geben nebst ethischen, rechtlichen und medizinischen Überlegungen zahlreiche Empfehlungen zum künftigen Umgang mit Menschen mit Geschlechtsvarianten ab. Im vorliegenden Artikel werden die beiden Stellungnahmen einerseits hinsichtlich ihrer Inhalte bezüglich der Legitimität medizinischer Eingriffe analysiert. Umstritten und schwierig sind nach Meinung der Autorin das Abwägen des Kindeswohls, die Rolle der Eltern und die Unterscheidung von geschlechtsvereindeutigenden und geschlechtsbestimmenden Eingriffen. Im Weiteren werden die Empfehlungen zur praktischen Umsetzung und zu kurzfristigen Neuerungen einer kritischen Würdigung unterzogen. Schließlich soll die aktuelle Debatte um zwei Perspektiven erweitert werden, die in der Diskussion um Geschlechtsvarianten häufig ungehört bleiben, jedoch als Ergänzungen und Hilfestellung zum praktischen Umgang mit DSD/Geschlechtsvarianten hilfreich sind.

Streuli, Jürg C., Markus Bauer, Rita Gobet, Birgit Köhler, Karin Plattner, Daniela Truffer, Knut Werner-Rosen & Brigitte Wyniger (2014): »Reden wir wirklich vom Gleichen?« Qualitative Expertenbefragung zu multi-, inter- und transdisziplinären Ansätzen im professionellen Umgang mit Störungen und Variationen der biologischen Geschlechtsentwicklung. In: psychosozial 37 (1): 43-54.

abstract: Basierend auf Expert_inneninterviews haben wir die Bedeutung von multi-, inter-, und transdisziplinären Zusammenarbeiten untersucht. Während Multidisziplinarität als Addition von Wissen von Fachpersonen und Disziplinen betrachtet werden kann, lässt Interdisziplinarität die Grenzen zwischen den Disziplinen verschwinden und kreiert damit Raum für neue Ideen sowie eine Sensibilität für Probleme, die bisher nicht gesehen und erkannt worden sind. Transdisziplinarität lässt darüber hinaus die Grenzen zwischen Fachpersonen und Betroffenen verschwinden. Es wird deutlich, dass es nicht ausreicht, wenn sich Fachpersonen aus unterschiedlichen Disziplinen mit dem Etikett des »multidisziplinären Teams« zusammensetzen, um anhand der zusammengetragenen biologischen und psychosozialen Fakten den Eltern und/oder den Patient_innen eine Empfehlung zu geben. Die Vielschichtigkeit und Prozesshaftigkeit von DSD erfordert von den Fachpersonen erstens die Fähigkeit sich multi-, inter- und transdisziplinär mit den verschiedenen Fragestellungen auseinanderzusetzen und zweitens die jeweilige Zusammensetzung der Teams der jeweiligen Fragestellung und den Bedürfnissen der Eltern und des heranwachsenden Menschen über die Zeit anzupassen.

Sabisch, Katja (2014): Geschlechtliche Uneindeutigkeit, soziale Ungleichheit? Zum Alltagserleben von intersexuellen Kindern. In: psychosozial 37 (1): 55-60.

abstract: Invasive und irreversible chirurgische Eingriffe an intersexuellen Kindern werden oftmals soziologisch begründet: Säuglingen sollte frühzeitig ein Geschlecht zugewiesen werden, um spätere Diskriminierung zu vermeiden. Die ärztliche und elterliche Annahme, dass geschlechtliche Uneindeutigkeit mit sozialer Ungleichheit einhergeht, ist jedoch keinesfalls belegt. Der Beitrag zeigt anhand von narrativen Interviews mit drei Müttern von offen intersexuell lebenden Kindern, dass ein doing inter im Alltag möglich ist und nicht mit sozialer Exklusion einhergeht.

Schweizer, Katinka (2014): Geschlechtsidentität bei Intersexualität. Psychoanalytische Perspektiven. In: psychosozial 37 (1): 63-74.

abstract: Dieser Beitrag widmet sich dem Konzept der Geschlechtsidentität. Er hinterfragt ein dichotomes Geschlechtermodell und zeigt dessen Grenzen auf, insbesondere in Hinblick auf das subjektive Wesen des individuellen Geschlechtserlebens, wie es sich bei Menschen mit Intersexualität (Divergenzen der Geschlechtsentwicklung) zeigt. Beispiele aus der Hamburger Studie zur Intersexualität unterstreichen die Vielfalt des subjektiven Geschlechtsidentitätserlebens. Darauf aufbauend ist ein zentrales Anliegen des Textes, anhand verschiedener Grundannahmen aufzuzeigen, dass die psychoanalytische Theorie für das Verständnis des Geschlechtsidentitätserlebens bei Intersexualität besonders geeignet erscheint. Die Autorin sieht eine wichtige Aufgabe nicht nur in der Anwendung, sondern auch in der Fortschreibung der psychoanalytischen Theorie unter stärkerer Berücksichtigung von Intersexualität und anderen geschlechtlichen Realitäten und Varianten, die jenseits und neben den vertrauten Kategorien von Frau und Mann existieren.

Schönbucher, Verena, Julia Ohms, David Garcia Núñez, Katinka Schweizer & Hertha Richter-Appelt (2014): Heterosexuelle Normalität oder sexuelle Lebensqualität? Behandlungsziele im Wandel. In: psychosozial 37 (1): 75-86.

abstract: Der Artikel hinterfragt kritisch die in der Medizin verbreitete Vorstellung, dass Personen mit Intersexualität nur dann eine befriedigende Sexualität leben können, wenn ihre Geschlechtsorgane chirurgisch möglichst dem weiblichen oder männlichen Geschlecht angepasst werden, sodass »heterosexueller« Geschlechtsverkehr möglich wird. Ergebnisse der Hamburger Studie zu Intersexualität bestätigen den bisherigen Forschungsstand, dass die sexuelle Lebensqualität von Personen mit Intersexualität deutlich geringer ist als diejenige von Menschen mit eindeutigem Geschlecht. Somit ist das Ziel der Medizin, Personen mit Intersexualität mittels geschlechtsangleichender Operationen eine möglichst »normale« psychosexuelle Entwicklung zu ermöglichen, bisher nicht erreicht worden. Die Autorinnen und Autoren plädieren dafür, den heterosexistischen Diskurs in der medizinischen Behandlung von Personen mit Intersexualität zu überdenken und vielmehr die sexuelle Lebensqualität der betroffenen Menschen ins Zentrum zu rücken. Dies umfasst weit mehr als »heterosexuelles« Funktionieren und steht in einem Zusammenhang mit psychosozialen Faktoren wie beispielsweise positiven Bindungserfahrungen in der Kindheit oder einer tragenden Partnerschaft.

Goldschmidt, Susanne, Katja Linde, Dorothee Alfermann & Elmar Brähler (2014): Das Geschlechtsrollenselbstkonzept von Erwachsenen. Eine Überprüfung der deutschsprachigen Version des Personal Attributes Questionnaire (PAQ). In: psychosozial 37 (1): 89-108.

abstract: Die deutschsprachige Version der Maskulinitäts- und Femininitätsskala des Personal Attributes Questionnaire (PAQ) von Runge et al. (1981) wurde an einer repräsentativen Stichprobe der deutschen Bevölkerung (N = 2428) überprüft. Eine konfirmatorische Faktoranalyse konnte die zweifaktorielle Struktur der Skalen für beide Geschlechter bestätigen. Nicht erwartungsgemäß fand sich eine Interkorrelation der Skalen von r = 0,48, sodass ein Modell korrelierender Faktoren angemessen ist. Wie erwartet fanden sich Geschlechterunterschiede, indem Männer in M+ höhere und in F+ niedrigere Werte als Frauen erreichten, sodass getrennt für Männer und Frauen bevölkerungsrepräsentative Normwerte angegeben werden. Zur weiteren Validierung wurden Maße zu Indikatoren der psychischen Gesundheit (Angst, Depression, Selbstwertgefühl, Resilienz) und der Lebenszufriedenheit erhoben. Erwartungsgemäß fanden sich hohe positive Zusammenhänge der M+ Skala zum Selbstwertgefühl und zur Resilienz sowie negative Korrelationen zu Angst und Depression. Die Korrelationen fielen für die F+ Skala etwas niedriger aus. Die Korrelationen von PAQ und Lebenszufriedenheit fielen niedriger aus als erwartet.

Mensen, Ulrike (2014): Das depressive Subjekt als Stütze des neoliberalen Systems. Die soziale Funktion einer individualisierten Dysfunktion. In: psychosozial 37 (1): 109-125.

abstract: Ausgehend vom stetigen Anstieg der Depressionsdiagnosen in Deutschland untersucht die Autorin den gesellschaftlichen westeuropäischen Kontext in dem dieses Krankheitsbild vermehrt hervorgebracht bzw. identifiziert wird. Zunächst wird die neoliberale Entwicklung seit den 1990er Jahren umrissen, um dann die wechselseitige Konstitution zwischen den spätmodernen Phänomenen der Beschleunigung, Flexibilisierung und Prekarisierung und dem depressiven Subjekt herauszuarbeiten. Die Spätmoderne, von stetiger und rasanter Veränderung geprägt, bietet kaum Zeit und Möglichkeit für bleibende Objektbesetzungen wie feste Beziehungen, Arbeitsplätze und Wohnorte, erschwert die psychische Entwicklung und fördert den Rückzug auf das Selbst. Die Depression bildet somit gewissermaßen die Kehrseite des sogenannten Leistungssubjekts, das sich durch ein schillerndes, unabhängiges, dem Imperativ zur Selbstverwirklichung folgendes Selbst auszeichnet. Anders gesagt: Trauer, Erschöpfung und Melancholie sind der sichtbare »Abfall« einer sozial erwünschten narzisstischen Akzentuierung. Zuletzt wird diskutiert, inwiefern die Häufung der Depressionsdiagnose keine Schwächung, sondern eine Stärkung des neoliberalen Systems darstellen könnte, indem der soziale Nutzen der individualisierten Pathologie aufgezeigt wird.

Müller, Christoph (2014): Rezension – Sebastian Winter (2013): Geschlechter- und Sexualitätsentwürfe in der SS-Zeitung Das Schwarze Korps. Eine psychoanalytisch-sozialpsychologische Studie. Gießen (psychosozial-Verlag). In: psychosozial 37 (1): 141-142.

Hierdeis, Helwart (2014): Rezension – Michael Mary (2013): Ab auf die Couch! Wie Psychotherapeuten immer mehr Krankheiten erfinden und immer weniger Hilfe leisten. München (Karl Blessing Verlag). In: psychosozial 37 (1): 142-145.

Fischbeck, Sabine (2014): Rezension – Katrin Rockenbauch, Olaf Martin, Ute Kraus, Christina Schröder, Elmar Brähler & Yves Stöbel-Richter (Hrsg.) (2011): Kommunikation in der Medizin. Übungen zum Arzt-Patienten-Gespräch (DVD). Gießen (psychosozial-Verlag). In: psychosozial 37 (1): 145-146.

Hierdeis, Helwart (2014): Rezension – Brigitte Boothe und Anita Riecher-Rössler (Hrsg.) (2013): Frauen in Psychotherapie. Grundlagen – Störungsbilder – Behandlungskonzepte. Unter Mitarbeit von Lina Arboleda. Mit einem Geleitwort von Wolfgang Mertens. Stuttgart (Schattauer). In: psychosozial 37 (1): 146-149.

Heft 2

Barricelli, Michele, Lena Deuble, Carlos Kölbl, Lisa Konrad & Jürgen Straub (2014): Editorial: Vielfalt, Identität, Erzählung. Geschichtsbewusstsein und Geschichtskultur in der Wanderungsgesellschaft. In: psychosozial 37 (2): 5-9.

Ullrich, Marc & Martin Lücke (2014): Transkultureller Geschichtsunterricht. Neues Leitbild für die Konzeption historischer Lehr- und Lernprozesse? In: psychosozial 37 (2): 11-22.

abstract: Der Beitrag beschäftigt sich mit dem Potenzial des Konzeptes der Transkulturalität für die Geschichtsdidaktik. Ausgangspunkt ist eine Analyse des bisherigen Umgangs mit interkulturellen Ansätzen bei der theoretischen Modellierung und pragmatischen Umsetzung historischer Lernprozesse. Dabei geraten auf theoretischer Ebene – aufbauend auf die Arbeiten von Bettina Alavi – vor allem Ausführungen von Andreas Körber in den Blick, im Anschluss wird ein Anwendungsbeispiel von Gisbert Gemein diskutiert. Transkulturalität wird anschließend in Auseinandersetzung mit Arbeiten von Fernando Ortiz (transculturación) und Wolfgang Welsch als ein Ansatz interpretiert, der Kulturkontakte ohne dominante Differenzfokussierung beschreibbar macht und stattdessen auf kulturelle Übergangsprozesse fokussiert. Dem machtvollen Herrschaftscharakter solcher Übergangsprozesse wird durch den Einbezug einer diversitätssensiblen und intersektionalen Zugangsweise Rechnung getragen. Im Beitrag wird argumentiert, dass sich historisches Lernen mit Gewinn an ein transkulturelles Kulturverständnis anlehnen kann, indem insbesondere kulturelle Verflechtungsprozesse als konstitutiv für historische Entwicklungen angesehen werden. Teil einer transkulturellen historischen Orientierungskompetenz wäre es dann ebenso, die Lernenden dafür zu sensibilisieren, Identitäten mehrdimensional und zeitlich veränderbar zu denken.

Deuble, Lena, Lisa Konrad & Carlos Kölbl (2014): Das Prinzip Interkulturelles Frühstück. Empirische Erkundungen im Geschichtsunterricht. In: psychosozial 37 (2): 23-40.

abstract: Interkulturalität wird spätestens seit dem einschlägigen Beschluss der Kultusministerkonferenz aus dem Jahr 1996, interkulturelles Lernen als Querschnittsaufgabe wahrzunehmen, auch in schulischen Kontexten als wichtige Herausforderung begriffen. Eine Antwort auf diese Herausforderung stellt das im erziehungswissenschaftlichen Diskurs massiv kritisierte »interkulturelle Frühstück« dar. Dabei ist nicht allein an ein Frühstück im eigentlichen Sinne zu denken, vielmehr kann von einem »Prinzip Interkulturelles Frühstück« gesprochen werden. Empirisch fundierte Ausführungen zu diesem Prinzip fehlen indes weitgehend. Vor diesem Hintergrund werden in der vorliegenden Arbeit zunächst die Konstituenten des fraglichen Prinzips herausgestellt. Sodann werden in einem exemplarischen Feld interkulturellen Lernens in der Schule, dem Geschichtsunterricht, empirische Erkundungen zur Bedeutung des Prinzips Interkulturelles Frühstück unternommen. Dabei zeigt sich, dass dieses Prinzip bei den an der Studie beteiligten Geschichtslehrkräften Ausgestaltungen erfährt, die von Ablehnung über Abwandlung und Realisierung bis hin zu einem kreativen Unterlaufen reichen. Bei den beteiligten Schüler_innen werden dagegen unterschiedliche Motive der Bejahung des Prinzips rekonstruiert, Kritik oder Ablehnung konnten in dem Material nicht gefunden werden. Der Text schließt mit einer Diskussion der empirischen Befunde, der Skizze von Forschungsdesideraten und schulpraktischer Konsequenzen.

Oswalt, Vadim (2014): Vielfältiges Geschichtslernen in transnationalen historischen Projekten: Konzeptionen und empirische Befunde. In: psychosozial 37 (2): 41-49.

abstract: Transnationale Jugendbegegnungen in Verbindung mit historischer Projektarbeit stehen unter einem hohen normativen Erwartungsdruck: Jugendliche sollen durch die gemeinsame Aufarbeitung der Vergangenheit Perspektivenerweiterungen oder sogar »transkulturelle Empathie« entwickeln und so Gestaltungsperspektiven für eine gemeinsame Zukunft öffnen. Wie aber gestaltet sich die Praxis dieses komplexen Handlungsfelds zwischen Alltagsbegegnung und historischer Projektarbeit, das durch den Konventionenbestand der beteiligen Gruppen wesentlich geprägt wird? Wie gehen die Projekte mit der Diversität nationaler historischer Narrative um, wofür die interkulturelle Pädagogik keine Konzepte anbietet? Und was lässt sich schließlich darüber sagen, welche Erfahrungen Schüler in diesen hochgradig emotionalisierenden und von Ambiguität gekennzeichneten Austauschprozessen machen, in denen Geschichte oftmals zum Ernstfall wird? Der Beitrag bezieht sich auf transnationale Austauschprojekte mit Schülerinnen und Schülern aus Deutschland, Ostmitteleuropa und Israel, die von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft in Berlin gefördert wurden.

Polak, Karen & Veronika Nahm (2014): Mit historischen Biografien Konflikte hervorrufen und im Dialog bearbeiten. Überlegungen aus der Praxis zum interkulturellen historischen Lernen. In: psychosozial 37 (2): 51-60.

abstract: Ausgehend von ihren Beobachtungen bei einer internationalen Jugendkonferenz beschreiben die Autorinnen das interkulturelle Lernen mit historischen Biografien. Sie beobachteten, dass sich die Jugendlichen häufig für Biografien interessierten, bei denen sie Gemeinsamkeiten zu ihrer eigenen Identität vermuteten. Diese Beobachtung stellt hohe Ansprüche an die Vorauswahl der Biografien. Als theoretische Referenz dient ihnen das »Arena-Modell« von Ido Abram. Analog zu diesem Modell ist für sie ein geschützter Rahmen eine Grundvoraussetzung für das interkulturelle Lernen.

Utler, Astrid (2014): Differenzerfahrungen in gemischtkulturellen Gruppen. John Berrys Akkulturationsmodell revisited: Grundzüge einer empirisch fundierten Theorie. In: psychosozial 37 (2): 63-73.

abstract: In diesem Artikel stehen die Interaktionen in gemischtkulturellen Gruppen und die hierbei gemachten Differenzerfahrungen im Vordergrund. Dabei findet keine einseitige Beschränkung auf ethnisch-kulturelle Differenzen statt, sondern es wird untersucht, inwieweit Jugendliche im gemeinsamen Zusammenleben überhaupt Differenzen – jeglicher Art, persönlich wie kulturell – erleben und wie sie diese gemeinsam aushandeln. Die Analysen der interpretativ angelegten Studie lassen den Schluss zu, dass potenziell jedes Verhalten Differenzerlebnisse mit Fremdheitscharakter hervorrufen kann, sobald es in Ausmaß, situativem Einsatz und Qualität den Orientierungsrahmen der jeweiligen Gruppe kontinuierlich überschreitet. Diese Differenzerlebnisse führen in den Gruppen zu Verfremdungsprozessen, die sich durch eine Dynamik aus Teilhabeerwartung und -angeboten aber auch durch ausgrenzende Handlungen auszeichnen. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse wird Berrys (2001) Modell der Akkulturationsstrategien ausdifferenziert und erweitert.

Utler, Astrid (2014): Gewaltgeschichten in Verletzungsverhältnissen. Gegenwärtige Vergangenheit, historisches Bewusstsein und interkulturelle Bildung in Migrationsgesellschaften. Ein Essay in vier Fragmenten. In: psychosozial 37 (2): 75-94.

abstract: Menschen sind verletzliche und verletzungsmächtige Lebewesen. Sie leben in Verletzungsverhältnissen. Diese können historisch und gesellschaftlich, kulturell und sozial allerdings erheblich variieren. Der Beitrag erörtert Aspekte einer psychologischen Anthropologie des vulnerablen Menschen und differenziert verschiedene Formen der Gewalt. Im Anschluss an diese grundlagentheoretischen Ausführungen wird deren Bedeutung für die pädagogische Praxis thematisiert, insbesondere in Migrationsgesellschaften. In solchen Gesellschaften sind vielfältige kollektive und individuelle Gewalterfahrungen ›versammelt‹, die den oft kaum wahrgenommenen Nährboden für die soziale Praxis bilden. Diese Tatsache stärker zur Kenntnis zu nehmen und in Bildungsbemühungen einzubeziehen, die um das Geschichtsbewusstsein gerade auch von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen kreisen, wird als wichtige Aufgabe einer interkulturellen Psychologie und Pädagogik betrachtet. Die Abhandlung wird mit Überlegungen zu einem komplexen Begriff der Geschichte beendet. Diese Schlussnotizen lassen es als empirisch falsch, psychologisch naiv und politisch fahrlässig erscheinen, von einem Ende der Geschichte oder von der Bedeutungslosigkeit der Vergangenheit und des Geschichtsbewusstseins in postmodernen Zeiten zu sprechen. Ein Grund dafür ist, dass die Geschichte anhaltende Verletzungsverhältnisse hervorbringt, die zu ignorieren ein wissenschaftliches Versäumnis sowie ein Zeichen praktischer Verantwortungslosigkeit wären.

Klüners, Martin (2014): Die Dialektik von Natur und Geschichte. Einige psychoanalytische Antworten auf klassische Fragen der Geschichtsphilosophie. In: psychosozial 37 (2): 97-108.

abstract: Was macht den Menschen aus, seine »Natur« oder seine Geschichte? Seitdem er sich nicht mehr in eine gottgegebene Ordnung eingebettet weiß, denkt der Mensch über kaum eine andere Frage mit derartiger Inbrunst nach. Die Geschichtsphilosophie definiert ihn als vornehmlich historisches Wesen und fragt folglich nach Sinn und Ziel der Geschichte. Die Anthropologie hingegen sucht nach dem Unveränderlichen, immer Gleichbleibenden im Menschen. Dabei scheint die Geschichtsphilosophie an einem unvollständigen Menschenbild, die Anthropologie an ihrem unhistorischen Charakter zu scheitern. Gibt es keinen Ausweg, noch eine Möglichkeit der Vermittlung? Doch, denn die Psychoanalyse betrachtet nicht nur die Natur des Menschen als fundamental geschichtlich, sie begreift den Menschen gleichsam als von seinem Unbewussten, seiner Triebnatur geleitet. Diese implizite Dialektik von Natur und Geschichte könnte dem Menschen helfen, sein Wesen und seine Geschichte realistischer als bisher zu bestimmen.

Damman, Gerhard (2014): Beeinflussung durch Nichtbeeinflussung im Marketing und in der Werbung für Psychopharmaka. Medizinsoziologische und ethnografische Perspektiven auf die Interaktion von Ärzten und pharmazeutischen Firmen. In: psychosozial 37 (2): 109-126.

abstract: Diese wirtschaftssoziologisch ausgerichtete Untersuchung beschreibt, wie mittels der Methode der Ethnografie subtile Kommunikations- und Beeinflussungsprozesse in der Interaktion von Ärzten und Pharmaindustrie beschrieben werden können. Es wird in einer Zusammenfassung der relevanten Literatur darauf eingegangen, dass Psychopharmaka als Produkte der Werbung besonders kontrovers gesehen werden. Es wird die Hypothese verfolgt, dass die Pharmaindustrie diesem schwierigen Gebiet dadurch begegnet, dass sie direkte Formen der Beeinflussung, wie sie sonst in der Werbung üblich sind, zunehmend vermeidet und stattdessen auf eine Form der Beeinflussung durch »Nichtbeeinflussung« ausweicht. Mithilfe der aus der Ethnografie stammenden Methoden der teilnehmenden Beobachtung und der »dichten Beschreibung« werden verschiedene Marketing- und Werbestrategien in der Schweiz untersucht und analysiert (Kontakt mit Pharmareferenten, Analyse eines Standes der Industrie bei einem Kongress, diverse Zusendungen). Im Mittelpunkt steht die tiefenhermeneutische Analyse aus der Perspektive des Arztes selbst, der beeinflusst werden soll.

Es zeigt sich, dass die Hypothese gestützt werden konnte. Dabei ist besonders interessant, dass die beteiligten Akteure (Ärzte, Pharmareferenten) sich dieser Strategien teilweise selbst bewusst sind, dabei jedoch mitspielen, sodass eine Form der »Brechung« in der Interaktion geschieht.

Goldmann, Stefan (2014): »Ein Fall von hypnotischer Heilung« in Sigmund Freuds Privatpraxis. In: psychosozial 37 (2): 127-139.

abstract: Freuds erste psychotherapeutische Falldarstellung, deren Bedeutung für Freuds Praxis und Theorieentwicklung skizziert wird, ist 1892/93 in der Zeitschrift für Hypnotismus erschienen. Handelt der »Fall einer hypnotischen Heilung nebst Bemerkungen über die Entstehung hysterischer Symptome durch den ›Gegenwillen‹« von einer Freud sehr nahestehenden Patientin, die an Stillhemmungen litt, so sucht der Autor erstmals durch eine hermeneutische Analyse ihre Identität aufzudecken. Er kommt zu dem Ergebnis, dass sich hinter der stilisierten Patientin wahrscheinlich Freuds Ehefrau Martha Bernays verbirgt, die auf Anraten ihrer Hausärzte im Dezember 1889 und im Februar 1891 sich einer hypnotischen Suggestionsbehandlung unterzog.

Oppermann, Matthias (2014): Rezension – Beate Steiner & Ulrich Bahrke (Hrsg.) (2013): Der „innere Richter“ im Einzelnen und in der Kultur. Klinische, soziokulturelle und literaturwissenschaftliche Perspektiven. Léon Wurmser zum 80. Geburtstag. Gießen (psychosozial-Verlag). In: psychosozial 37 (2): 141-144.

Heft 3

Buchholz, Michael B. (2014): Editorial: Metaphernanalyse. In: psychosozial 37 (3): 5-8.

abstract: Die Beschäftigung mit der Metaphernanalyse lehrt verschiedene Punkte: zum einen ist die Metaphorik viel durchdringender, als der Alltagsverstand annimmt. Zum anderen aber zeigt die Metapherntheorie eine durchgehende Kontinuität von früher Entwicklung bis in die Bereiche abstrakten Denkens und könnte so die Annahme von der frühkindlichen Determination auf eine ganz andere Weise bestätigen, als Psychoanalytiker das gewohnt sind. Offensichtlich kommt in der »Projektion einer Oberfläche« die frühe, körperlich-sinnliche Erfahrung zur Darstellung – aber, und das ist das Neue, dieses »Frühe« muss keineswegs abgewertet werden. Es ist keine frühe Störung, es ist nichts Infantiles, man kann das Erwachsene nicht darauf reduzieren – nein, neu ist einfach die erstaunliche Kontinuität, die durch den Körper gleichsam garantiert wird. Zu werten gibt es gar nichts, schon gar nicht abzuwerten. Das ist eine Lektion, die in der Psychoanalyse manchmal durchaus entlastend zur Kenntnis genommen werden könnte. Wir brauchen keinen »Adulto-Morphismus«, keine Letztausrichtung am Adulten, an der erwachsenen Form, weil die Kontinuität mit dem Frühen, Kleinen und Empfindlichen das ist, was wir in der Therapeutik wieder beleben wollen. Dann können wir manchmal auch leichter das sprechende Kind vernehmen, wenn wir erwachsene Reden, wenn wir Erwachsene reden hören.

Ulmen, Huberta & Johannes Wirth (2014): Zur Entwicklung metaphorischen Denkens. In: psychosozial 37 (3): 9-25.

abstract: Metaphern werden als kognitive Konzepte der Erfahrungsorganisation vorgestellt. Als entscheidende Merkmale der Metapher werden ihr Ursprung in körperlichen Erfahrungen, ihre Perspektivität und ihr »Als-ob«-Charakter herausgearbeitet. Bei der Untersuchung der Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten, die wesentlich für das metaphorische Denken sind, wird gezeigt, dass Kinder schon vor dem Spracherwerb beginnen, bedeutungsvolle Muster in sensomotorischen Erfahrungen zu erkennen und als Bildschemata zu repräsentieren, die später metaphorisch übertragen werden können. Ab dem neunten Lebensmonat verfügen Säuglinge dann über die Motive und kognitiven Fähigkeiten, mit ihren Bezugspersonen in triadische Kommunikation zu treten und so neben dem Körper die sozialen Bezugspersonen als einen wesentlichen Referenzpunkt der Orientierung zu nutzen. Damit machen sie die Erfahrung, dass es Perspektiven auf der Welt gibt. Sie beginnen, sprachliche Symbole und ihre Perspektivität zu lernen. Im symbolischen Spiel und nicht in der Sprache zeigt sich dann als erstes die Fähigkeit, das Erleben mithilfe von »Als-ob«-Konstruktionen zu verarbeiten. Metaphern und symbolisches Spiel dienen damit auch der Bewältigung des Unbewältigbaren.

Jacobs, Arthur M. (2014): Metaphern beim Lesen in Gehirn und Geist. In: psychosozial 37 (3): 27-38.

abstract: Der Autor, Neurowissenschaftler und Psycholinguist, berichtet über einige neuere Befunde zu Metaphern aus neurowissenschaftlicher Perspektive. Sie münden in die Einsicht, dass die traditionell so selbstverständlich gehandhabte Unterscheidung zwischen dem literalisiert-wörtlichen Verständnis der Sprache und ihrer metaphorischen Bildhaftigkeit bei gleichzeitiger Höherschätzung des »Wörtlichen« so nicht aufrechterhalten werden kann. Diese Unterscheidung ist weit unschärfer als allgemein angenommen. Daraus werden einige Folgerungen abgeleitet, die für die Psychoanalyse von Bedeutung sind.

King, Sarah & Doris Eckstein (2014): Metaphern im Therapiegespräch. Die sprachliche Akkommodation variiert mit der Stimmung. In: psychosozial 37 (3): 38-49.

abstract: Metaphern beeinflussen Wahrnehmung, Denken, Fühlen, Erleben und Handeln. Veränderung der Metaphern ist folglich ein möglicher Ansatzpunkt für die Psychotherapie. Aus einer Fallstudie mit einer Borderline-Patientin ging hervor, dass der Gebrauch von Metaphern durch den Therapeuten die Interaktion erschwerte, wenn die Metaphern von der Patientin wörtlich interpretiert wurden. Eine Häufung solcher wörtlicher Interpretationen wurde beobachtet in Situationen, in denen die Patientin eine depressive Verstimmung aufwies. In dieser experimentellen Nachfolgestudie wurde die Vermutung überprüft, dass traurig gestimmte gesunde Personen Metaphern des Gesprächspartners häufiger wörtlich verwenden als fröhlich gestimmte Personen. Insgesamt 31 Personen nahmen am Experiment teil. Nach einer Stimmungsinduktion, die zu trauriger oder fröhlicher Stimmung führte, nahmen sie an einem Gespräch teil, in dem ihnen mehrere Metaphern präsentiert wurden. Nur sehr wenige Personen griffen die wörtliche Bedeutung der vom Gesprächsleiter eingebrachten Metaphern auf, das heißt, sie glichen sich dem Gesprächsleiter an, und dies unabhängig von der Stimmung. Eine detailliertere Analyse des Metapherngebrauchs zeigte aber, dass fröhlich gestimmte Personen öfter als traurig gestimmte Personen den Quellbereich einer Metapher aufgriffen, also metaphorisch sprachen. Die Angleichung erfolgte also bei fröhlicher Stimmung häufiger auf semantischer und struktureller Ebene. Diese Befunde sprechen für eine stimmungsabhängige Verarbeitung von Sprache – wenn auch nicht auf der Ebene der Rezeption, sondern der Produktion.

Levold, Tom (2014): »Welches Problem führt Sie zu mir?« Über die metaphorische Struktur von Problembeschreibungen. In: psychosozial 37 (3): 51-64.

abstract: Eine zentrale Voraussetzung für das Gelingen einer Psychotherapie ist ein geteiltes Verständnis der zu bearbeitenden Probleme. Einleitend wird dem im Mainstream der gegenwärtigen medikalisierten Psychotherapie vorherrschenden Diagnostik-Verständnis ein hermeneutisches, auf Sinnfragen bezogenes Prozessverständnis entgegengesetzt, das die impliziten metaphorischen Strukturen von Problemerleben und ‑erzählung in den Vordergrund rückt. Anhand von acht Beispielen (Metaphern der physischen Krafteinwirkung, organismische Metaphern, Gewichts-, Balance-, Kampf-, Container-, Wege-Metaphern und visuelle Metaphern) werden die jeweils unterliegenden Interaktionsstrukturen zwischen dem »problembesitzenden« System, dem Problem und den implizierten Hilfe- bzw. Lösungsprozessen erläutert. Im Anschluss werden einige Konsequenzen für die therapeutische und beraterische Praxis vorgestellt.

Hamburger, Andreas (2014): Kinometaphern. Eine psychoanalytische Perspektive. In: psychosozial 37 (3): 65-92.

abstract: Der Beitrag entwickelt den Begriff der Filmmetapher aufbauend auf der sprachlichen und bildlichen Metapher und in Abgrenzung von rhetorischen, semiologischen und kognitiven Theorien. Psychoanalytische und insbesondere entwicklungspsychoanalytische Befunde und Theorien helfen, einen spezifischen Begriff der Filmmetapher mit Bezug auf die primären zeitlichen Abstimmungsprozesse im Mutter-Kind-Dialog zu entwickeln. Eine solche Theorie der Filmmetapher dient als Arbeitskonzept einer psychoanalytischen Filminterpretation.

Oberschmidt, Jürgen (2014): »Empfindungen sind sprachlos«. Eine Annäherung an das Reden über Musik. In: psychosozial 37 (3): 93-111.

abstract: Das Verhältnis der Sprache zu den Künsten ist ein viel diskutiertes Thema in Ästhetik und Philosophie. Dabei wird die Frage nach dem angemessenen sprachlichen Umgang mit dem Ästhetischen in jüngster Zeit verstärkt fokussiert. Einerseits steht die Sprache in einem Spannungsverhältnis zur sinnlich-ästhetischen Erfahrung, die sich nicht in normierten Begriffen fixieren lässt. Andererseits regt gerade Musik unmittelbar zum kommunikativen Austausch an, mit Sprache kann Musik erschlossen und eine ästhetische Erfahrung vertieft werden. Will man sich nun dieser Not und Lust, über Musik zu sprechen, nähern, spielt die Metapher eine prominente Rolle: Versperren Metaphern als Trugbilder den Blick auf die Wirklichkeit oder öffnen sie Perspektiven auf neue und bisher unbekannte Welten? Dienen sie gar der Artikulation neuer kognitiver Gehalte? In diesem Beitrag soll gezeigt werden, wie Metaphern dazu beitragen, sich eigener Empfindungen zu vergewissern, um als Brücke zwischen Innen und Außen das Denken mit den Sinnen zu verbinden.

Holm-Hadulla, Rainer (2014): Kreativität und Selbstzerstörung. Die Pop-Ikone Jim Morrison. In: psychosozial 37 (3): 115-130.

abstract: Es wird dargestellt, wie Jim Morrison versuchte, traumatische Erfahrungen und melancholische Verstimmungen kreativ zu transformieren. Dabei geht es in dieser Arbeit nicht um die Erklärung des Genies, sondern um das Verständnis seines Scheiterns. In Morrisons autobiografischen Texten werden eine fragile depressive Position und bruchstückhafte Mentalisierungen sichtbar. Narzisstische Inszenierungen sowie Alkohol- und Drogenexzesse traten an die Stelle der schöpferischen Arbeit, was in einen Teufelskreis mündete, der zur Zerstörung seiner Kreativität und seiner selbst führte. In seinem wichtigsten Song, The End, erscheint der ödipale Konflikt als Reparaturversuch einer tieferen Vernichtungsangst. Jim Morrison erscheint als Verkörperung des impulsiven und melancholischen Genies. Sein mythisches Vorbild ist eher die Kronos-Saturn-Gestalt als die Ödipus-Figur.

Modena, Emilio (2014): Alfred Lorenzer – Hermeneutik und dialektischer Materialismus. Ein Buchessay zu Alfred Lorenzer. Zur Aktualität seines interdisziplinären Ansatzes. In: psychosozial 37 (3): 131-138.

Hierdeis, Helwart (2014): Rezension – Josef Christian Aigner (2013): Vorsicht Sexualität! Sexualität in Psychotherapie, Beratung und Pädagogik – eine integrative Perspektive. Stuttgart (Kohlhammer). In: psychosozial 37 (3): 139-141.

Hierdeis, Helwart (2014): Rezension – Hans-Geert Metzger (2013): Fragmentierte Vaterschaften. Über die Liebe und die Aggression der Väter. Frankfurt a.M. (Brandes & Apsel). In: psychosozial 37 (3): 141-143.

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Ein Kommentar

  1. psychosozial sagt:

    […] Bislang sind drei Hefte in diesem Jahr erschienen. Heft 135 befasst sich mit dem Schwerpunktthema Intersexualitäten und liefert interessante Beiträge zum Umgang mit “Variationen der biologischen Geschlechtsentwicklung”, Heft 136 ist dem Thema Vielfalt, Identität, Erzählung gewidmet und untersucht Geschichtsberwusstsein und Geschichtskultur in der Wanderungsgesellschaft. Das aktuelle Heft 137, von Michael B. Buchholz herausgegeben, ist der Metaphernanalyse gewidmet. Alle bibliografischen Angaben und Zusammenfassungen finden sich hier… […]