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Bundesverdienstkreuz für Jürgen Kriz

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Ordensverleihung – Herr Professor Dr. Jürgen Kriz erhält das Bundesverdienstkreuz (Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland). Foto: Swaantje Hehmann

Jürgen Kriz ist mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für seinen Einsatz für die Förderung und die wissenschaftliche Anerkennung der Humanistischen Psychotherapie in Deutschland sowie die konsequente Umsetzung humanistischer Werte ausgezeichnet worden. Die Übergabe durch Oberbürgermeister Wolfgang Griesert fand am Dienstag, 29. September, im Rahmen einer Feierstunde im Osnabrücker Rathaus statt (Foto: Jürgen Kriz mit seiner Frau Gila und Wolfgang Griesert).

In der Pressemitteilung der Universität Osnabrück heißt es: „1944 in Ehrhorn geboren, studierte Kriz Psychologie, Philosophie und Pädagogik sowie Astronomie und Astrophysik an den Universitäten Hamburg und Wien, an der er 1969 auch promoviert wurde. 1974 bis 1999 hatte er den Lehrstuhl für Empirische Sozialforschung, Statistik und Wissenschaftstheorie an der Universität Osnabrück inne. 1980 wechselte er zum Fachbereich Psychologie, in dem er bis 1999 überlappend mit der Methoden-Professur die Professur Psychotherapie und Klinische Psychologie übernahm.

Bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2010 lehrte Kriz an der Universität Osnabrück, hatte aber auch zahlreiche Gastprofessuren in Wien, Zürich, Berlin, Riga, Moskau und den USA inne. Schon seit vielen Jahren engagiert er sich für die Umsetzung der Wissenschaft im sozialen Bereich. Die Entwicklung, Erprobung und Evaluation von Patientenschulungsprogrammen hat er in Kooperation mit dem Christlichen Kinderhospital Osnabrück maßgeblich vorangetrieben. Zudem hat er sich dort für eine familienzentrierte psychologische Begleitbetreuung von chronisch kranken Kindern und Jugendlichen eingesetzt. Auch an der Gründung der Telefonseelsorge in Osnabrück vor 30 Jahren war Kriz federführend beteiligt.

National sowie international ist er ein geschätzter Lehrender, Forscher und Gutachter und gilt als einer der führenden psychotherapeutischen Experten. Aufgrund seiner herausragenden Leistungen wurde er schon mit zahlreichen Ernennungen und Auszeichnungen geehrt, u.a. dem Viktor-Frankl-Preis, dem Preis der Dr. Margrit Egnér-Stiftung, dem Ehrenpreis der Gesellschaft für personenzentrierte Psychotherapie und Beratung e.V., und dem Wissenschaftspreis der Arbeitsgemeinschaft Humanistische Psychotherapie (AGHPT).

,Es ist für mich eine Ehre, das Bundesverdienstkreuz für mein Bemühen um eine menschengerechtere Wissenschaft, Psychotherapie und Gesellschaft erhalten zu haben. Ich freue mich sehr, dass damit indirekt auch der große Einsatz sehr vieler Menschen für die Humanistische Psychotherapie in Deutschland anerkannt und gewürdigt wird’, so Prof. Kriz über seine Auszeichnung.“

Arist von Schlippe hat in seiner Laudatio zur Preisverleihung betont: „Jürgen Kriz hat sich seit Beginn seiner akademischen Tätigkeit damit auseinandergesetzt, dass gerade in einer von Messdaten beherrschten Welt die Aufgabe der Wissenschaft darin besteht, mit Wissen verantwortlich umzugehen, also nicht allein auf die Sicherheit statistischer Signifikanzen zu vertrauen. „Wo bleibt die Verantwortung des Menschen in einer von Messdaten beherrschten Lebenswelt?“ war der Titel seines Vortrags anlässlich der Verleihung des Margrit Egner-Preises, eines der höchsten Schweizer Psychotherapiepreise, der ihm vor beinahe einem Jahr in Zürich verliehen wurde.

Wir leben in einer von Sinnzusammenhängen durchsetzten seelischen und sozialen Welt. Es ist eine einzigartige menschliche Fähigkeit, auf komplexe Weise Sinn zu erzeugen. Dieses Thema hat Jürgen Kriz immer beschäftigt – die Kategorie Sinn gilt ja für psychische wie für soziale Systeme gleichermaßen. Um diese zu verstehen, braucht es eine weit gestellte Optik, eine, die die Psychologie nicht allein aus ihren naturwissenschaftlichen Wurzeln heraus leisten kann.

So war es für ihn eine besondere Herausforderung, den wissenschaftlichen Blick offenzuhalten – in der Psychologie im Allgemeinen und in der Psychotherapie im Besonderen. Sein konkretes Anliegen war es, die Perspektiven der Humanistischen und der systemischen Psychotherapieformen zusammenzuführen und zugleich ihre Besonderheit zu betonen. Es sind zwei Verfahren, denen hier – anders als in anderen Ländern – lange Zeit die Marginalisierung drohte. Sein Engagement ging weit über das Akademische Feld und weit über sein aktives Berufsleben hinaus. Ich erinnere mich gut an eine Situation, deutlich mehr als 20 Jahre her, als er sagte: „Ich habe mich entschieden, mich einzumischen! Das, was hier in der Psychotherapie passiert, kann nicht so bleiben!“ Und genau das hat er getan. Er hat dafür gesorgt, dass die Psychotherapielandschaft in Deutschland heute von Artenvielfalt geprägt ist. Und wir alle wissen, dass Artenvielfalt die Voraussetzung für ein stabiles ökologisches Gleichgewicht ist.“

systemagazin gratuliert ganz herzlich zu dieser Auszeichnung!

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