
Die Kenntnis und Einordnung gruppendynamischer Phänomene gehört heute für professionelle Berater, die als Supervisoren, Organisationsberater oder Coaches mit Organisationen bzw. Teams arbeiten, zu den Selbstverständlichkeiten, die bei den zu bearbeitenden Klärungs- oder Veränderungsprozessen zu berücksichtigen sind. Das gilt unabhängig von den grundlegenden methodischen Orientierungen der Berater. Auch in systemischen Weiterbildungen in Organisationsberatung wird das Wissen um Gruppendynamik hoch bewertet.
Allerdings ist die politisch hochbedeutsame Geschichte der Gruppendynamik in Deutschland kaum bekannt bzw. aus dem kollektiven Bewusstsein weitgehend verschwunden. Die Geschichte sozialpsychologischer und psychotherapeutischer Entwicklungen seit dem 2. Weltkrieg ist generell ein immer noch recht wenig beackertes Feld. Zumal, wenn es nicht nur um die – selbstverständlich positive – Selbstdarstellung bedeutsamer Akteure geht, sondern um die kritische Hinterfragung solcher Entwicklungen und die Eröffnung neuer Perspektiven auf die eigene Profession. Oliver Königs voluminöses Werk „Experimente in Demokratie“ zeigt auf großartige Weise, wie man eine solche Geschichte auf spannende und analytisch brillante Weise darstellen kann. Auf über 350 Seiten hat er die Entwicklung der gruppendynamischen Bewegung in der BRD (und übrigens auch in der DDR) detailreich nachvollzogen.
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