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Online-Journal für systemische Entwicklungen

Zitat des Tages: Kurt Buchinger

„Je entwickelter das Expertentum mit seinem Wissen und seinem Methodenrepertoire, desto mehr weicht die Expertise des Wissens einer hochentwickelten Expertise des Nicht-Wissens. Das hat allerdings wenig zu tun mit einer Haltung, die davon ausgeht, daß man sich den Erwerb des vorliegenden Wissens deshalb ersparen kann, weil man ohnehin seine eigene, nie restlos abgesicherte Entscheidung aufgrund der eigenen nie restlos abgesicherten Wahrnehmung treffen muß. Expertise des Nicht-Wissens bedeutet im Gegenteil, daß es sinnvoll ist, möglichst viel Wissen und viele gut fundierte Methoden aus den unterschiedlichsten Disziplinen und Schulen zu beherrschen, im übergeordneten Wissen, daß es sich dabei bloß um Konstruktionen und Hypothesen handelt, die helfen sollen, die eigenen Hypothesen möglichst fundiert zu bilden und sich die eigenen Vorgehensweisen zurechtzulegen im Bewußtsein der vollen Eigenverantwortung. Mit Expertise des Nicht—Wissens bezeichnen wir die entwickelte Fähigkeit, die eigenen Schritte durch eine unbekannt bleibende Landschaft zu tun — unter Zuhilfenahme aller möglichen Landkarten als Orientierungshilfe, aber immer auf eigenes Risiko.“

(Aus Kurt Buchinger & Herbert Schober (2006): Das Odysseus-Prinzip. Leadership revisited. Stuttgart (Klett-Cotta), S. 48f.)

Ein Kommentar

  1. Dem ist NICHTS hinzuzufügen …