systemagazin

Online-Journal für systemische Entwicklungen

Diagnosen in Systemischer Theorie und Praxis

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Liebe LeserInnen und Leser des systemagazin,

heute möchte ich Sie auf einen ganz besonderen Kongress aufmerksam machen, der zur besten Jahreszeit vom 25.-27. Mai 2017 in der Heidelberger Stadthalle stattfinden wird. Dieser Kongress wird als Kooperationsprojekt von Tom Levold (systemagazin), Hans Lieb, Wilhelm Rotthaus, Bernhard Trenkle und der Carl-Auer Akademie (Matthias Ohler) durchgeführt und beschäftigt sich mit der Frage: „Was ist der Fall? Und was steckt dahinter? – Diagnosen in Systemischer Theorie und Praxis“. Wir wollen offen, schulen- und berufsübergreifend dieses Thema als ein Schlüsselthema systemischer Identität diskutieren, das von großer Bedeutung für die Zukunft des gesamten systemischen Ansatzes ist. Wir greifen damit Fragen auf, die im systemischen Feld nach einer langen Debattenlethargie seit einiger Zeit wieder intensiv diskutiert werden – im systemagazin und anderswo. Frühentschlossene können sich bis zum 31. März 2016 zu einem äußerst günstigen Sonderpreis von nur 295,00 € dafür anmelden. Danach erst werden wir die ersten Flyer drucken und das ganze KollegInnen-Feld informieren.
 
Mit einer Vorabanmeldung zahlen Sie weniger und bekommen dafür eine bessere Tagung. Warum? Je früher wir die Anmeldungen haben, desto besser können wir planen und – entscheidend –: Je mehr Anmeldungen wir zu einem frühen Zeitpunkt haben, desto eher können wir prominente ExpertInnen aus den unterschiedlichsten Bereichen motivieren, in Heidelberg dabei zu sein. Deswegen gilt: Weniger zahlen und mehr bekommen. Und – Sie helfen uns bei der stressfreien Organisation.
 
Damit Sie sich aber dennoch schon ein ziemlich genaues Bild davon machen können, was wir vorhaben, haben wir alle aus unserer jeweiligen Perspektive formuliert, was uns als Veranstalter bewogen hat, diesen Kongress auszurichten. Ein PDF mit unseren Briefen finden Sie hier…
 
Anmelden können Sie sich ab sofort auf unserer Tagungswebsite: www.wasistderfall.de
 
Ich freue mich darauf, viele von Ihnen gemeinsam mit meinen Kollegen in Heidelberg begrüßen zu können.
 
Tom Levold
Herausgeber systemagazin

5 Kommentare

  1. Ich würde auch gerne Klienten hören, die Erfahrungen mit Diagnosen gemacht haben.

    Und Krankenkassen sowie Versicherungen, um von deren Umgang mit “Zuschreibungen und Behauptungen aufgrund Diagrnosenstellung” zu erfahren.

    • Liebe Frau Fischer,
      ich kann mir nicht vorstellen, dass ein durchschnittlicher PT-Patient bereit wäre, auf einem Kongress zu sprechen oder dort Auskunft zu geben. Wenn man Patienten findet, die das tun, hätte man bereits einen Bias, weil man dann Leute findet, voller Frust und Zorn, mit langen Psychiatriekarrieren, mit denen man dann gemeinsam ins selbe Horn stoßen kann.
      Nach wie vor finde ich die Konnotation, mit der ein Teil der systemischen Szene mit Diagnosen umgeht, erstaunlich. Dazu gehört auch der Sprachgebrauch “Zuschreibung und Behauptung” aufgrund von Diagnosestellungen. Dieser Sprachgebrauch impliziert m.E. selbst einiges an Zuschreibung und Behauptung.
      Mir scheint, daß den meisten, die nun dieses Lied anstimmen, garnicht bewußt ist, welch gefährliche gesundheitspolitische Debatte sie damit befeuern. Das Recht auf krankenkassenfinanzierte PT wurde durch ein BSG Urteil aus dem Jahr 1964 begründet. Manchen KK Vertretern, aber auch manchen Ärzte, v.a. Psychiatern, wäre es eine Genugtuung, wenn die PT wieder aus dem Leistungskatalog der KK verschwinden würde. Dann würden nämlich nicht die Diagnosen verschwinden, aber kam könnte endlich reine pharmazeutische Therapie machen und die, die es sich leisten können, gehen dann zum Nebenerwerbspsychotherapeuten, der (bzw. die) dann wieder die reflektierte, gebildete und wohlhabendere Klientel versorgt.
      Dann könnte man ganz gemütlich diagnosefreie Therapie machen, nur könnte man damit eben nicht mehr flächendeckend versorgen wie derzeit.
      Die einfache Krankenschwester, mit der man – beispielhaft – in vielen Stunden eine Traumatatisierung vor vielen Jahrzehnten herausarbeitet, welche ihrerseits die zugrundeliegende Dynamik für ihre chronischen psychosomatischen Beschwerden ist, wird man in einer PT-Praxis dann nicht mehr zu Gesicht bekommen, weil sie das Honorar nicht bezahlen kann.
      Auch die “Erschöpfungsdepression”, neudeutsch auch “Burnout” genannt, wäre dann mit einem Streich abgeschafft. Dann gibt es halt Pillen und Durchhalteparolen von Seiten der Ärzte und KK, und die Führungskräfte unter den Betroffenen bekommen dann ein Coaching vom Arbeitgeber bezahlt, damit sie wieder besser funktionieren.
      Ich kann darin keinen Fortschritt erblicken.
      beste Grüße, Lothar Eder

  2. Aus meiner Sicht wäre es zu begrüßen, wenn an diesem Kongress Menschen zu Wort kämen, die tagtäglich mit Diagnosen zu tun haben, also Psychotherapeuten/innen. Meine diesbezügliche Sichtweise hat mir ja schon einiges an Kritik eingetragen, aber ich empfehle an der Stelle das alte Motto: am besten fragt man jemand, der sich damit auskennt. Das kann man vom Berufsstand der Psychotherapeuten sagen: dort geht man nämlich tagtäglich mit diesem Teufelszeug Diagnostik um, dort interessieren nämlich keine hochgestochenen erkenntnistheoretischen Fragen, sondern solche von praktischem Nutzen oder Schaden, letztlich immer mir Hinblick auf die Patienten. Würde das denn nicht wirklich der im systemischen Feld so oft gepriesenen Haltung der Neugier und des Erkundens entsprechen – wie sehen psychotherapeutische Praktiker Diagnosen, welcher Nutzen und welcher Schaden liegt in der Diagnostik, behandelt die von den Systemikern so oft beschworene “traditionelle” Psychotherapie (einer der Negativmythen der ST!) tatsächlich Diagnosen statt Menschen, werden dort tatsächlich Menschen über Diagnosen stigmatisiert etc.? Das wäre doch spannend, oder? Ansonsten wäre es doch nur eine Selbstvergewisserungsveranstaltung der systemischen Community, dass sie wieder mal die einzige ist, die den Durchblick hat, nur leider sind “die anderen” mal wieder nicht in der Lage oder Willens, sich von den Fackel der systemischen Erkenntnis erleuchten zu lassen (das ist jetzt ein wenig sarkastisch formuliert …). Ich bin gespannt.

  3. Was ist denn bitte eine “Diagnostikszene”? Diagnosestellungen sind ja i.d.R. Bestandteil eines Behandlungsprozesses und keine davon losgelöste Prozesseinheit.
    ich finde den Impuls prinzipiell gut, die Diskussion flammt ja alle paar Jahre mal wieder auf (z.B. 2006 in der sog. Lehrbuchdebatte hier im systemagazin), habe ja selbst immer wieder Positionen dazu formuliert. Meine Grundthese: “man kann nicht nicht diagnostizieren” (Eder 2007)

  4. Großartig! Das ist der Beginn einer tatsächlich längst überfälligen Diskussion. Ich hatte in den letzten Jahren den Eindruck, dass sich in der deutschen Diagnostikszene Standards etablieren, die mich an Psychotechnik erinnern und eher rückschrittlich als fortschrittlich sind. Und leider vermisse ich auch bei den Systemikern die kritische Auseinandersetzung mit Diagnosesystemen wie z.B dem DSM V.

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