systemagazin

Online-Journal für systemische Entwicklungen

Teamentwicklung mal anders

Im Herbst 2013 fand in Zagora/Marokko ein Teamentwicklungsseminar in einer ganz besonderen Umgebung statt. Tanja Peters, Coach aus Köln, hat teilgenommen und für systemagazin einen sehr persönlichen Bericht über ihre Erlebnisse verfasst:

Tanja Peters, Köln: Teamentwicklung mal anders…

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Überrascht schaue ich mich im Seminarraum um. Schaufeln ohne Stiel liegen vor unseren Seminarstühlen. Neun Frauen schauen sich verwirrt an und nehmen jeweils neben einer Schaufel Platz. Die zugehörigen Stiele lehnen an der Wand der Bibliothek im Riad Lamane in Zagora.

peters-teamentwicklung-zagora-2Als ich mich zusammen mit einigen meiner Kolleginnen zu einem Lehrgang in Marokko angemeldet habe, wusste ich: Das wird eine ganz besondere Woche für uns! Die beiden Systemiker Liane Stephan und Mohammed El Hachimi stehen für mich für eine besondere Art der Gestaltung von Seminaren und Vermittlung von Inhalten. Ich habe bei beiden meine Ausbildung zur systemischen Beraterin durchlaufen und selten mit so kreativen und kompetenten Beratern gearbeitet.
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Und natürlich ist auch die Umgebung besonders, in der wir hier als Beraterinnen lernen und wachsen dürfen. Es ist warm, schön und nährend. Das Riad Lamane, von Mohammed ins Leben gerufen, eignet sich für diese Art von Veranstaltung wie kein anderer Ort. Wunderbare, sehr individuell gestaltete Zimmer, freundliches Personal, leckeres Essen, ein warmes angenehmes Klima – eine für alle Sinne anregende Umgebung.peters-teamentwicklung-zagora-4

Von Anfang an schaffen es beide Dozenten uns Beraterinnen mit allen Ebenen in den Lernprozess einzubeziehen. Wir selber werden im ersten Schritt in zwei Teams eingeteilt und erleben am eigenen Leib, wie sich gute Teambildungsmaßnahmen anfühlen. Wir entwickeln gemeinsam eine Teamsatzung, ein Regelwerk für die Zusammenarbeit sowie ein Teamwappen. Es wird spürbar, beide willkürlich zusapeters-teamentwicklung-zagora-5mmengewürfelten Gruppen wachsen durch die Maßnahmen zu Teams zusammen. Wenig später erhalten wir die Nachricht, dass eine Teamfusion bevorsteht. Diese Teamfusion soll von einem zweiköpfigen Beraterinnenteam begleitet werden. Und so heißt es für uns ab jetzt sich immer wieder flexibel einzulassen, entweder auf die Rolle des Teammitglieds oder nach Ansage in die Rolle der Beraterin zu gehen. Nach jeder Beratungssequenz, die im Schnitt 45 Minuten dauert, erhalten die Beraterinnen ein qualifiziertes Feedback aus der Gruppe und von beiden Dozenten. Gleichzeitig werden die genutzten Tools und Methoden reflektiert und durch die Gruppe ergänzt.

Die Woche ist sehr intensiv, wir werden immer wieder herausgefordert unseren Gruppenprozess zu reflektieren, aber auch die Art und Weise wie wir arbeiten und reflektieren zu beobachten: Welche Muster erkenne ich bei mir? Ich in der Gruppe? Ich in der Beratung? Welche Gruppendynamiken bilden sich heraus, Muster der Einzelnen, Handlungstrategien der Gruppe? Welche Folien stülpe ich dem Anderen über? Wo hat mein Feedback mehr mit mir, als mit dem Anderen zu tun? …
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Um die jeweiligen Lernschritte gut zu verankern, erhalten die Schaufeln, jetzt mittlerweile mit einem Stiel versehen, ihren Sinn. Wir dürfen uns an ihnen kreativ mit Farbe austoben. Wir machen uns auf in die wunderbare Gartenanlage des Riads, bestückt mit Pinseln und Farben, um unsere Schaufeln mit Symbolen für den Lernprozess, unser Wachstum oder eine überwundene Blockade zu verschönern. Die Schaufeln erstrahlen im Laufe der Woche zu regelrechten Kunstwerken. Nach getaner Arbeit sitzen wir abends noch bei einem Tee oder Kaffee zusammen und bewundern unsere Schaufeln, die beleuchtet an einer Wand lehnen. Wir stellen fest, wir sind nicht die Einzigen. Viele Gäste kommen vorbei, unterhalten sich über die unübliche Leinwand, die wir für unsere Bilder nutzen und machen Fotos von den Schaufeln.
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Gegen Ende der Woche steht noch ein Highlight auf dem Seminarplan. Wir reiten auf Dromedaren in die Wüste. Was für eine unglaubliche Erfahrung. Uns erwarten eine einmalige Landschaft und Atmosphäre, Musik, Feuer, süßer marokkanischer Tee und im Sand gebackenes Berber-Brot. Wer mag, kann unter freiem Himmel schlafen. Für alle anderen stehen Zelte zur Verfügung. Ich will fast die Augen nicht schließen, so unglaublich ist der Sternenhimmel dort draußen.peters-teamentwicklung-zagora-9

Am Ende der Woche fühle ich mich reich beschenkt, nicht nur meine Kompetenz als Beraterin konnte ich in dieser Woche erweitern, auch als Mensch bin ich gewachsen und nehme viele neue Impulse mit in meinen Alltag. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass Mohammed und Liane ein fortführendes Seminar auflegen, damit ich bald wieder in dieser wunderbaren Umgebung lernen darf.

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Fotografien: Petra Wälti-Symanzik, Zürich

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