systemagazin

Online-Journal für systemische Entwicklungen

20. Dezember 2017
von Tom Levold
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systemagazin Adventskalender: Heimat – Wurzeln und Flügel

Peter Müssen, Köln: Heimat – Wurzeln und Flügel

Das Thema im diesjährigen Adventskalender legt nahe: SystemikerIn zu sein bedeutet, kraftvolles Engagement für hilfreiche und wertorientierte Veränderung.

Zu Recht! – individuell, sozial und politisch. Das versuchen wir, erleben nicht selten wunderbare Prozesse, bei denen wir nützlich sein konnten, und bleiben doch oft auch hilf- und ratlos zurück.

Mir fällt dazu die ganz alte Witz-Frage ein: Was ist der Unterschied zwischen dem Lieben Gott und einem Psychotherapeuten? … Der Liebe Gott weiß, dass er kein Psychotherapeut ist.

Systemische PraktikerInnen sind zuständig für hilfreiche Veränderungsprozesse. Na klar!

Es gibt aber auch eine andere Seite, die ich hier gerne einmal aufschlagen möchte:

Wohl kaum ein Satz wird in systemischen Kreisen so oft zitiert, wie der von Heinz von Foerster: „Handle so, dass die Zahl deiner Wahlmöglichkeiten größer wird.“
Dieser Satz ist sooo oft sooo richtig. Aber …
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19. Dezember 2017
von Tom Levold
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systemagazin Adventskalender: „Es gibt nichts Gutes. Außer man tut es“

Andreas Manteufel, Bonn: „Es gibt nichts Gutes. Außer man tut es“

Eigentlich ist diesem geflügelten Wort von Erich Kästner nichts hin zu zu fügen.

Nur soviel: Ich sehe nicht, dass Theorien, wissenschaftliche Modelle oder Therapieschulen gesellschaftliches Engagement begründen – schon gar nicht Systemtheorie.

Wer sich dafür entscheidet, Zeit und Energie für einen Einsatz in der Umwelt von Kommunikationen (also bei seinen Mitmenschen) zu investieren, hat dafür andere, persönliche, vielleicht weltanschauliche, vielleicht religiöse, vielleicht humanistische Motive. Vielleicht auch einfach das Gefühl, etwas tun zu müssen. Nicht aber „systemische“ oder anderweitige, wissenschaftlich formulierte Werte.

Auch beim Fußball sagt man: Wer zuviel nachdenkt, hat die Chance schon vertan. Eine grundlegende Überzeugung, handeln zu müssen, leitet uns oft spontan.

Ich habe mich in den letzten vier Jahren in meiner Kirchengemeinde engagiert, einen kleinen Ortsausschuss geleitet, das Chaos organisiert und viel Kleinarbeit gemanagt, viele Klagen und Beschwerden angehört, manchen Durchblick gefördert, manchen wieder verloren und manchen bis heute nicht gefunden. Erfahrungen aus Ausbildung und Beruf helfen natürlich dabei, so etwas zu tun, ohne zu verzweifeln. Aber mein Impuls, diese Aufgabe an zu nehmen, entsprang – neben der Unfähigkeit zum Nein-Sagen – am ehesten einem persönlichen Verantwortungsgefühl. Weiterlesen →

18. Dezember 2017
von Tom Levold
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systemagazin Adventskalender: Gestern, Heute, Morgen

Filip Caby, Leer: Gestern, Heute, Morgen

Der Advent macht es möglich. Ich weile in meiner Heimat Flandern und frage mich gerade, wie ich morgen durch den „Schneesturm“ zurück nach Ostfriesland komme. Da ging heute so gut wie gar nichts. Aber morgen …

Und es gibt nur noch bis übermorgen – also bis morgen – Texte für den systemischen Adventskalender. Das geht ja wohl gar nicht. Oder vielleicht doch?

Ich frage mich aber auch, wie es so mit den systemischen Gedanken weitergeht. Es wird immer wieder festgestellt, dass die großen Entwürfe entworfen sind und seitdem nichts Neues mehr entstanden ist.

Ist das wirklich nötig? Müssen neue Entwürfe her um die systemische Szene in Schwung zu halten, oder gar zu bringen?

Ich bin mir da nicht so sicher. Weiterlesen →

17. Dezember 2017
von Tom Levold
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systemagazin Adventskalender: Engagement? — Degagement!

Lothar Eder, Mannheim: Engagement? — Degagement!

Sich zu engagieren hat einen hohen Stellenwert. Es ist moralisch hoch angesehen, vor allem wenn es um die vermeintlich „gute Sache“ geht. Jedoch sind an das Engagement auch (systemische) Fragen zu richten, etwa die, welche Auswirkungen das Engagement wohl haben wird? Und es stellt sich die Frage, welche impliziten Überzeugungen dem individuellen und kollektiven, oder gar kollektiv geforderten Engagement zugrundeliegen. Kollektiv eingefordert, das heißt: Wer nicht mitmachen will, wer vor den Folgen warnt, wer sich nicht einverstanden zeigt, wer Kritik oder gar Protest formuliert, der läuft Gefahr, moralisch diskreditiert und aus der Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden.

Wir leben in einer Zeit, in welcher die Forderungen nach globalen, ja ubiquitären Rettungen (das Klima, Millionen von Menschen, die migrieren wollen, das Tilgen jeder vorgeblichen Ungerechtigkeit und Unterschiedlichkeit) die mediale Sphäre und den öffentlichen Diskurs dominieren.

Wie selbstverständlich gehen wir davon aus, dass es möglich ist, alles Übel in der Welt zu tilgen. Diese Idee aber ist keineswegs selbstverständlich, sie ist eine Kreation der Moderne. Der Wissenschaft und dem kollektiven Einsatz guter Absichten wird dieses Projekt überantwortet. Ja, es scheint, dass dies nicht nur eine Hoffnung ist, sondern mehr noch eine Erwartung, eine Forderung gar. Befreiung von Leid, Befriedigung von Bedürfnissen, Zugang zu weitreichenden Privilegien sind in der späten Moderne keine bloße Hoffnung Verzweifelter mehr. Sie gelten vielmehr als  Recht, auf das Anspruch erhoben werden kann.

Zunächst klingt das gut. Aber der Teufel ist ein Eichhörnchen. Und er steckt bekanntlich im Detail. Hier steckt er, neben der Frage nach der Machbarkeit und den Auswirkungen solchen Handelns, in den implizit ideengeschichtlichen Details. Und er steckt in den Aspekten der seelischen Verfassung und Stimmung, die damit einhergehen.  Spätestens seit Nietzsche gilt Gott als tot und der Mensch als „Schöpfer der Geschichte“ (Fichte) ist an seiner Statt verantwortlich für das Leid in der Welt und dessen Beendigung. Dies ist (auch) die Folge der Aufgabe und Verneinung von Transzendenz. Das jetzige Leben gilt als einzige und letzte Gelegenheit, die eigenen Angelegenheiten und die anderer zumindest einer Besserung, wenn schon keinem paradiesgleichen Zustand  zuzuführen. Weiterlesen →

16. Dezember 2017
von Tom Levold
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systemagazin Adventskalender: Kalt erwischt? Über systemische Spielzüge

Matthias Ohler, Bad Dürkheim

Immer dann, wenn die Orientierung an systemtheoretischen oder konstruktivistischen Modellen – oder gar die Selbstbezeichnung „systemisch“ für Denkstil, Arbeitsstil, Haltung, Methodik usw. – den Charakter eines Bekenntnisses gewinnt, wird mir mulmig. Es rückt, aus meiner Sicht oder in meinem Erleben, die Verwendung einer Denkform in die Nähe der Verwendung von Glaubens- oder Überzeugungsformen. Nicht von ungefähr wird systemischen Modellen bzw. ihrer Publikation häufig attestiert, sie zeichne eine gewisse Kühle oder sogar Kälte, eine Distanziertheit, ein unentschiedener, hyperneutraler Ton oder ähnliches aus. Manche vermissen Wert(e)-Orientierung, ethische Verbindlichkeit, klares Engagement, Positionierung in öffentlichen Debatten, politische Orientierung, usw. Weiterlesen →

15. Dezember 2017
von Tom Levold
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systemagazin Adventskalender – Ich muss nicht, aber ich kann, wenn ich will: nach Möglichkeiten suchen

Hinter diesem Adventskalender gibt es heute eine Neuigkeit, nämlich eine direkte Antwort auf den Kalender-Eintrag von Ewald Johannes Brunner am 10.12., verfasst von Johannes Herwig-Lempp – ein schönes Beispiel für Interaktivität und Rückbezüglichkeit im Advent 🙂

Johannes Herwig-Lempp, Halle: Ich muss nicht, aber ich kann, wenn ich will: nach Möglichkeiten suchen

Lieber Herr Brunner,

vielen Dank für Ihren Adventskalender-Beitrag vom 10. Dezember 2017. So wie Ihnen ergeht es vielen von uns – und immer wieder: in der Sportgruppe, in der Nachbarschaft, unter KollegInnen, mit KlientInnen, in der Familie und auf Familienfesten. Wenn man sich umhört, kann man viele ähnliche Beispiele sammeln. Wir alle sind oft genug zunächst ratlos, wie wir angemessen auf fremdenfeindliche, sexistische, rassistische oder auch oft genug auf unglaublich einfältige Bemerkungen und Situationen reagieren können.

Sie haben das Gefühl, keine systemisch vertretbaren Handlungsalternativen zu haben. Und da möchte ich Ihnen doch wiedersprechen. Sie hatten sehr wohl einige Reaktionsweisen zur Hand, und Sie haben sie auch angewandt: Nachdem Sie zunächst vermutlich einfach nur zugehört haben, vielleicht auch geschwiegen und sich geeignete Reaktionen überlegt haben (das sind ja auch schon durchaus vernünftige Handlungsoptionen), riefen Sie: „Hört doch endlich auf damit“, und Sie sind schließlich nicht mehr in die Sportgruppe gegangen – alles Reaktionsweisen, die sinnvoll sind, verständlich, nachvollziehbar. Und auch „systemisch vertretbar“. Weiterlesen →

14. Dezember 2017
von Tom Levold
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systemagazin Adventskalender: Lebens- und Sinnkrisen für die Reifung nutzen

Matthias Lauterbach, Hannover: Lebens- und Sinnkrisen für ihre Reifung nutzen

In einem meiner Seminare über Gesundheit, Achtsamkeit und Lebensbalance war eine junge Frau, Mitte 30, die mich sehr berührt hat. Sie befindet sich in einem höchst anspruchsvollen Prozess der Übernahme eines erfolgreichen mittelständischen Familienunternehmens und versorgt zusammen mit ihrem Mann zudem ihre beiden Kinder. Sie und eines der Kinder leidet unter einer Erberkrankung, die zu einer besonderen Lebensform, auch bezüglich der Ernährung führt. Beide Kinder sind hochbegabt und brauchen zusätzlich viele Aufmerksamkeit, um sie durch das enge deutsche Schulsystem zu manövrieren.

Die Begegnung mit dieser Frau hat mich nicht nur deshalb bewegt, weil sie ihr Lebens auch dadurch balanciert, dass sie mit einer fast ungeteilten Präsenz jeweils dort ist, wo sie ist und (nur) das macht, was sie gerade in der jeweiligen Situation macht. Sie hat zudem die bemerkenswerte Fähigkeit, in ihrem an Herausforderungen und „Schicksalsschlägen“ reichen Leben ihre jeweiligen Handlungsmöglichkeiten zu erkennen und all ihre Energie darauf zu verwenden, sie zu nutzen – und daran Freude zu empfinden und zu wachsen.

Matthias Lauterbach

Wir sind Menschen mit einer gut eingeübten und verankerten systemischen Haltung, mit detailreichem Wissen über den Umgang mit Komplexität, mit vielen Geschenken aus der Resilienzforschung, mit Erfahrungen, die wir auf den Übungswegen der Achtsamkeit erwerben können – um nur einige Beispiele zu nennen. Wir haben das Privileg, diesen bunten Strauß zu bekommen und dankbar annehmen zu dürfen. Und wir haben als Vorbilder Therapeuten wie Milton Erickson oder Victor Frankl, die uns vorgelebt haben, welche kraftvollen und heilsamen Wege sich durch die energetische Ausrichtung auf die eigenen, begrenzten Gestaltungsoptionen öffnen.

Ich habe 2017 als ein Jahr erlebt, das viele Menschen (wie in einem Spiegel der globalen Zuspitzungen) in Grenzbereiche ihres Lebens geführt hat –  z.T. mit großen Entwicklungssprüngen. Mir tut es gut, nach Leuchttürmen Ausschau zu halten, also nach Menschen (Gruppen und Organisationen), die Lebens- und Sinnkrisen für ihre Reifung nutzen und annehmen können. Die beschriebene Frau konnte sich selbst diesen Weg auf der Basis ihrer Lebenswerte und ihrem „Willen zum Sinn“ (V. Frankl) für sich, ihre Familie und ihr Unternehmen öffnen.

Viele suchen und finden für solche vielschichtigen Prozesse eine Begleitung und stoßen dann – hoffentlich – auf Menschen, die sich mit einer systemischen Haltung engagieren. Wir brauchen das in diesen Umbruchzeiten mehr denn je.

13. Dezember 2017
von Tom Levold
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systemagazin Adventskalender: Frieden schließen

Konrad Peter Grossmann, Gallneukirchen (A)

Unter all den Fragen, die Tom Levold als Initiator der systemmagazin-Adventkalenders rund um das diesjährige Thema „Systemisches Engagement“ stellte, bewegte mich vor allem diese: „Welche Beispiele für ein solches Engagement haben Sie in diesem Jahr oder in der letzten Zeit besonders beeindruckt?“ Im Nachdenken darüber fiel mir ein Klient ein, der auf mich durch sein Engagement für sein Familiensystem und letztlich auch für sich selbst einen tiefen Eindruck hinterlassen hat und dessen (Therapie-) Geschichte ich im Folgenden erzählen will.

Der junge Mann meldete sich kurz vor Weihnachten letzten Jahres in der Beratungsstelle, in der ich arbeite; die Mutter eines Freundes, die selbst Psychotherapeutin ist, hatte ihn an mich verwiesen. Er litt unter Panikattacken, die sein Leben und sein eben erst begonnenes Studium stark beeinträchtigten – er schämte sich für sie und erlebte sie als Ausdruck persönlicher Schwäche. Sie erschwerten es ihm, sich auf das Studium zu konzentrieren und beeinträchtigten ihn in Prüfungssituationen; sie führten dazu, dass er sich mit wenigen Ausnahmen unter Menschen unsicher bzw. als „Weichei“ fühlte; und sie beschränkten seine nahen sozialen Kontakte auf zwei Freunde und seine Familie.

Er stammte aus demselben ländlichen Gebiet an der nördlichen Landesgrenze Österreichs, in dem auch ich lebe. Die Tatsache, dass wir den gleichen Dialekt sprachen, die gleichen Orte kannten und mochten, trug wohl dazu bei, dass er sich trotz des für ihn unbekannten Kontextes „Psychotherapie“ rasch öffnen und mir anvertrauen konnte. Weiterlesen →

12. Dezember 2017
von Tom Levold
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systemagazin Adventskalender: Kulturen, Systemische Kultur, Kultur und Systemisch?

Dörte Foertsch, Berlin: Kulturen, Systemische Kultur, Kultur und Systemisch?

Während ich durch meine verschiedenen Arbeitsfelder reise, stelle ich immer wieder fest, wie wenig ich fremde Sprachen, Menschen, ihre Wünsche  und Anliegen zunächst verstehe. In Deutschland!

Im Vergleich wird dies noch deutlicher, wenn ich aus einem fremden Land zurückgekehrt bin, in dem ich die Schrift nicht lesen kann und ich nicht weiß, wie ich es schaffen werde, eine Straße zu überqueren, ein Essen zu bestellen, den Busbahnhof zu finden geschweige denn bestimmte Verhaltensweisen zu deuten.

Aber es ist mein Glück, durch meine langjährige systemische Arbeit beobachten zu lernen und mich von keinen voreiligen Interpretationen leiten zu lassen. Das gilt für die kleinere und unmittelbare und für die weltweite Umwelt. Systemische Haltung hat mich dazu gebracht, neugierig und respektvoll mit den und dem mir Fremden umzugehen. Weiterlesen →

11. Dezember 2017
von Tom Levold
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systemagazin Adventskalender: Unsere Kernkompetenz liegt in der Reflexion

Sabine Klar, Wien: Unsere Kernkompetenz liegt in der Reflexion

„Bietet der systemische Ansatz überhaupt Anhaltspunkte für ein „gutes Leben“ und die Möglichkeiten seiner Verwirklichung?“, fragt Tom Levold. Der Begriff des „guten Lebens“ erinnert mich an den des „richtigen Lebens“ – Adorno behauptet, dass es im Kontext der Gesellschaft früher wie heute keine Möglichkeiten gebe, es zu verwirklichen. „Mit der Weisheit, wie wir sie konzipierten, will es nicht mehr so ganz stimmen, weil der Begriff des richtigen Lebens heute problematisch geworden ist. (Vgl. Th.W. Adorno: Philosophische Terminologie, Bd. 1, S. 133) „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“ – auch dabei handelt es sich um einen Satz von Adorno. In der ersten, ursprünglichen Textfassung lautete der Satz: „Es lässt sich privat nicht mehr richtig leben.“ (Th.W. Adorno: Minima Moralia; Gesammelte Schriften 4, Frankfurt/M. 1997, Seite 43) Trotzdem meint er, dass die Idee, wie sich ein „richtiges Leben“ führen ließe, für die Menschen wichtig sei – dass zwischen der Einsicht in die ganz unmögliche Darstellung eines richtigen Lebens und zugleich des Bewusstseins davon, wie es sein könnte, eine dialektische Spannung bestehe. „Wenn das Motiv des richtigen Lebens, der Gedanke, wie es sich leben ließe, ganz entschwindet, ist es mit der Philosophie erst recht aus.“ (Th.W. Adorno. Philosophische Terminologie, Bd. 1, S. 133)

Nicht nur mit der Philosophie, denke ich – auch mit der Psychotherapie. Weiterlesen →

10. Dezember 2017
von Tom Levold
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Praxispreis der Systemischen Gesellschaft

Die Systemische Gesellschaft vergibt 2018 zum dritten Mal einen Praxispreis. Mit dem Praxispreis leistet die Systemische Gesellschaft einen Beitrag, den systemischen Ansatz interdisziplinär weiter zu entwickeln und dieses Anliegen fachöffentlich und gesellschaftspolitisch zu fördern. Aus Anlass des Jubiläums von SG und Carl-Auer-Verlag wird der Praxispreis 2018 und 2019 vom Carl Auer Verlag unterstützt. Ziel des Praxispreises ist es, ein herausragendes oder innovatives Projekt auszuzeichnen, das nachhaltig systemisch angelegt ist. Bei der vorgestellten Arbeit sollte es sich um ein aktuelles und originelles Praxisprojekt oder Praxiskonzept handeln. Auch Weiterbildungsabschlussarbeiten können eingereicht werden. Es kann sich um systemische Praxis in allen möglichen Bereichen handeln: Arbeit, Wohnen, Bauen, Essen, Trinken, Erziehen, Geld, Internationalisierung … Folgende Kriterien werden zur Bewertung herangezogen:

  • Die systemische Haltung und die Nachhaltigkeit des systemischen Ansatzes sollten deutlich erkennbar sein. Es sollte also der Unterschied deutlich werden, der einen Unterschied macht.
  • Eine Praxisorientierung im Sinne von „next practice“ (zukunftsorientiert), aber auch „best practice“ ist wichtig.
  • Es soll sich um ein herausragendes oder innovatives Projekt handeln, das sich entweder einem neuen Bereich zuwendet oder systemisches Arbeiten mit neuen Arbeitsfeldern kombiniert.

Das Preisgeld beträgt bis zu 1.500,- Euro pro Jahr und kann auf 1 bis 3 Preisträger verteilt werden. Es wird Unterstützung beim Bekanntmachen des Projektes geleistet. Über die Vergabe des Preises entscheidet eine 5-köpfige Jury. Die Preisvergabe erfolgt bei der Jubiläumsveranstaltung zum 25-jährigen Bestehen der SG im Juni 2018.

Bitte reichen Sie eine Kurzbeschreibung sowie eine schriftliche Konzeption von maximal 20 Seiten (andere Formen können akzeptiert werden; z.B. auditiv, kreativ etc.) bis zum 28. Februar 2018 ein bei:

Systemische Gesellschaft e.V. „SG-Praxispreis“- Brandenburgische Straße 22 D-10707 Berlin e-Mail: info@systemische-gesellschaft.de.

10. Dezember 2017
von Tom Levold
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systemagazin Adventskalender: Wie ich mich einmal systemisch engagieren wollte, aber nicht wusste wie…

Ewald Johannes Brunner, Stuttgart: Wie ich mich einmal systemisch engagieren wollte, aber nicht wußte wie

Es gibt „systemische Werte“, jeder Systemiker ist einer Ethik systemischen Handelns verpflichtet. Sie verfängt jedoch offenbar nicht in jedem Kontext, wie mir ein persönliches Erlebnis gezeigt hat.

Und das kam so: In der Volkshochschule wurde ein Kurs „Kraft- und Balance-Training im Alter“ ausgeschrieben. Nichts wie hin! Der Kursleiter, ein diplomierter Sportlehrer, macht seine Sache gut. Aber: Er lässt es zu, dass während der Übungen unendlich gequatscht wird. Diese Gespräche werden über die Köpfe hinweg in der Gesamtgruppe geführt.

Lieblingsthema: Die Asylanten belasten unser Volk! Nun wird ja in der Öffentlichkeit bereits laut darüber nachgedacht, wie man Gespräche mit Leuten, die heftig auf einen Nationalismus pochen, so gestalten kann, dass sie möglicherweise zu neuen Einsichten kommen können. So weit, so gut.

Ewald Johannes Brunner

In diesem Kurs zum  Kraft- und Balance-Training befinde ich mich aber in einer Gruppe älterer Mitbürger, die auf Geheiß des Gruppenleiters mit Armen in der Luft rudern oder auf einem Bein hüpfen und gleichzeitig vehement die neuesten Sauereien der Flüchtlingspolitik beklagen. Ständig ist vom unverschämten Auftreten der Flüchtlinge die Rede. Dieses nie endende und in jeder Trainings-Sitzung neu aufkommende Lamento lässt sich auch nicht durch ein von mir forsch vorgetragenes „Hört doch endlich auf damit!“ eindämmen. Und damit wird mir gleichzeitig bewusst, dass ich mit meinem systemischen Latein am Ende bin. Ich kapituliere und nehme nicht am Fortsetzungskurs teil.

Mein Entschluss mag dem einen oder anderen verständlich erscheinen; ich bin aber ehrlicherweise nicht zufrieden damit, dass mir in diesem Fall keine  systemisch vertretbare Handlungsalternative eingefallen ist.

9. Dezember 2017
von Tom Levold
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Fachverband DGSF plädiert für hilfeorientierten und kooperativen Kinderschutz

(Köln) – Die Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF) appelliert an eine neue Bundesregierung, die gesetzlichen Vorgaben für den Kinderschutz auch künftig hilfe- und kooperationsorientiert zu gestalten. Derzeit vorgesehene – bislang allerdings nur vom Bundestag verabschiedete – Neuregelungen zum Jugendhilferecht hebelten hingegen die bewährte Haltung „Schutz durch Hilfe“ aus. Es bestehe so die Gefahr, Kinderschutz zu einer neuen „Meldekultur“ zu verkürzen.

„Familien, in denen die Jugendämter eine Notwendigkeit zum Eingreifen aus Kinderschutzgründen sehen, befinden sich in den allermeisten Fällen in einer lang andauernden Überforderungssituation“, schreibt der systemische Fachverband in seinem „Plädoyer für die gesetzliche Verankerung eines hilfeorientierten und kooperativen Kinderschutzes“. Die Notwendigkeit von Inobhutnahmen entstehe in der Regel aus „biographischen Belastungssituationen“, aus eigenen Traumata von Eltern sowie aktuell schwierigen Lebenssituationen, zum Beispiel ein Leben in Armut.

Ein systemischer Kinderschutz sei hilfeorientiert und setze in diesem Zusammenhang insbesondere auch bei den Eltern an, „damit sie die Verantwortung für ihr Handeln übernehmen und die Grenzen in der Familie neu gesetzt sowie die verloren gegangenen Ressourcen wieder aufgebaut werden können“. Hilfreich sei ein „respektvoller, würdigender und achtsamer Blick auf die Potentiale aller Familienmitglieder“. Sollte eine Trennung der Kinder von ihren Eltern notwendig werden, müsse es darum gehen, mit den Eltern daran zu arbeiten, dass die Kinder die „Erlaubnis“ bekommen, sich an einem anderen Lebensort gut entwickeln zu dürfen.

„Ein systemisch-hilfeorientierter Kinderschutz, der auch Berufsgeheimnisträger wie beispielsweise Ärztinnen und Ärzte mit einschließt, gelingt nur über persönliche Kontakte zu Eltern und Kindern, mit dem Angebot von Hilfen und mit einer transparenten Kommunikation. Um Vertrauen in Helfersysteme zu erhalten, müssen Eltern wissen, wenn Informationen über ihre Familiensituation weitergeben werden“, betont DGSF-Vorsitzender Dr. Björn Enno Hermans.

Die DGSF plädiert dafür, „einen verbindlichen, interdisziplinären und systemübergreifenden Netzwerkaufbau für den Kinderschutz für Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen gesetzlich zu verankern und diesen analog zu den ‚Frühen Hilfen‘ über einen Bundesfonds entsprechend finanziell auszustatten.“ So könnten ein präventiver Ansatz und ein wirksamer Kinderschutz in den Organisationsstrukturen der Jugendhilfe altersunabhängig sichergestellt werden.

Quelle und Kontaktadresse:
Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie e. V. (DGSF)
Bernhard Schorn, Geschäftsführer
Jakordenstr. 23, 50668 Köln
Telefon: (0221) 613133, Fax: (0221) 9772194

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