systemagazin

Online-Journal für systemische Entwicklungen

Nicht ob, sondern wie – Überlegungen aus Anlass einer professionellen Beziehungsstörung

Angesichts der aktuellen Bemühungen um eine positive Überprüfung der Systemischen Therapie durch den G-BA ist in der systemischen Mailingliste (nichtöffentlich, aber für systemische Fachleute zugänglich) eine aktuelle Diskussion über für und wider bzw. über die mutmaßlichen  dieses Schrittes in Gang gekommen. Ausgangspunkt war die Einladung der systemischen Gesellschaften an ihre Mitglieder (Forscher wie Praktiker), den Antrag an den G-BA mit eigenen Stellungnahmen zu Wirksamkeit und Nutzen der Systemischen Therapie zu begleiten. Die Diskussion verläuft kontrovers hinsichtlich der Einschätzungen, was ein Eintritt der Systemischen Therapie in das bestehende psychotherapeutische Versorgungssystem bedeutet für die Identität der Systemischen Therapie, die zukünftige Perspektive eines transdisziplinären und multiprofessionellen systemischen Ansatzes in der Therapie (bei einer zukünftigen monodisziplinären und monoprofessionellen Systemischen Psychologischen Psychotherapie) und für den Zusammenhalt der Systemischen Bewegung. Ganz unabhängig davon, ob die Leser des systemagazin diese Debatte verfolgen oder nicht, sei hier auf einen Text von Wolfgang Loth aus dem Jahre 2008 verwiesen, der noch vor dem Hintergrund der beantragten (und kurz danach vollzogenen) Anerkennung als wissenschaftlich fundiertes Verfahren durch den Wissenschaftlichen Beirat geschrieben wurde und der sich u.a. kritisch mit der (auch im systemischen Feld beliebter werdenden) Störungsorientierung auseinandersetzt. Im Hinblick auf die Prüfung der Systemischen Therapie aus der Perspektive der Mainstream-Psychotherapie stellen sich Loth zufolge folgende Aufgaben: „Angenommen es machte Sinn, die Prämissen und Praxiserfahrungen Systemischer Therapie in Bezug auf ihre Anschlussfähigkeit an diese ,Bedingungen des Gesundheitssystems‘ zu überprüfen und eventuelle Anpassung zu leisten, dann müsste Systemische Therapie m. E. a) ihre erkenntnistheoretischen Prämissen im Hinblick auf den Begriff ,Störung mit Krankheitswert‘ klären, b) ihre erkenntnistheoretischen Prämissen hinsichtlich der Linealität / Nichtlinealität von Sinnprozessen überprüfen (bzw. die Annahme zirkulärer Prozesse), c) auch ihre Position im Hinblick auf die Bedeutung Allgemeiner / bzw. Gemeinsamer Faktoren überprüfen, d) und schließlich sich mit dem Dilemma auseinandersetzen, dass der Nachweis, ob Systemische Therapie sich unter den Bedingungen des gegenwärtigen Gesundheitssystems als machbar erweisen kann, nur dann möglich ist, wenn Rahmenbedingungen erlaubt und finanziert werden, dies in vivo zu überprüfen. Das Einräumen fairer Bedingungen für diese Möglichkeit geschieht jedoch nur dann (wenn überhaupt), wenn sich Systemische Therapie vorher bereits den Bedingungen der Etablierten angepasst hat. D.h.: die Plausibilität systemischer Grundpositionen kann nicht als Ergebnis erwiesen werden, weil sie im Vorfeld preisgegeben werden mussten, um einen anerkannten Nachweis führen zu dürfen.“

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