systemagazin

Online-Journal für systemische Entwicklungen

Systemische Bibliothek – A

Corina Ahlers (2004): Therapeutisches Leitmotiv als Macht der Therapie

(Erstveröffentlichung in systeme 18(1), S. 53-60)

Es werden an Hand der hier dargestellten schwierigen Klientin-Therapeutin-Beziehung subjektive Leitmotive von Therapeutinnen untersucht, welche professionelle Gesprächssituationen implizit beeinflussen. Gezeigt wird, dass TherapeutInnen ihre subjektiven Affektmuster und emotionalen Betroffenheiten in die therapeutische Beziehung einbringen können. Ein offener Umgang mit der Machtposition von TherapeutInnen erhellt die therapeutischen Aufträge im Problemsystem.

Martina Allgäuer, Andrea Sälzer und Helmut Wetzel (1998): “Ja, jetzt ist’s ja so, daß wir beide uns kennen …” Stationäre Familientherapie: eine Fallstudie (Erschienen in: System Familie 11(3), S. 120-128)

Die stationäre Aufnahme eines Familienmitglieds bedeutet immer eine starke Veränderung der familiären Beziehungsmuster und stellt eine Familienkrise unterschiedlichen Ausmaßes dar. Die damit verbundene besondere Beziehungsdynamik von Familiengesprächen im stationären Kontext untersuchen wir am Beispiel von Paargesprächen, die der Einzeltherapeut der Indexpatientin während ihres Klinikaufenthaltes auf einer Psychotherapiestation leitete. Um den Erfordernissen systemischer Forschung gerecht zu werden, wurde die Methode der „objektiven Hermeneutik“ ausgewählt. Der Veränderungsprozess der Beziehungsstruktur über mehrere Paargespräche hinweg wurde anhand der hermeneutischen Rekonstruktion der Fallstruktur in zwei ausgewählten Gesprächssequenzen beschrieben. Es zeigt sich, dass das in der stationären einzeltherapeutischen Arbeit entstandene Bündnis zu einer spezifischen Belastung des paartherapeutischen Arbeitsbündnisses führt: die enge Beziehung zwischen Therapeut und Patientin vergrößert in den Paargesprächen den Riss zwischen den Partnern, indem diese Beziehung konkurrierend zur ebenfalls exklusiven aber problematischen Paarbeziehung wahrgenommen wird. Die Rivalität der beiden Männer erschwert die Einbindung des hinzugekommenen Partners in das therapeutische System und damit das Zustandekommen eines stabilen paartherapeutischen Arbeitsbündnisses. Der weitere Verlauf macht sichtbar, daß dieses eine notwendige Grundlage für die Umsetzung paartherapeutischer Ziele ist. In diesem Kontext kommt der hinzukommenden, zunächst neutraleren Kotherapeutin die bedeutsame Rolle zu, das problematische Beziehungsdreieck zu einem Viereck zu öffnen und als neues therapeutisches System zu stabilisieren.

Alexander Aßmann: Wollen wir wirklich, dass der Nachwuchs so gerät, wie wir ihn uns gewünscht hatten? Bioethik – Posthumanismus – Pädagogik: Plädoyer für eine Debatte (Originalbeitrag für systemagazin)

Wünschen wir sowohl dem Menschen als Gattung, die über eine kulturell überlieferte Vergangenheit verfügt und sich kontinuierlich auch in die Zukunft projiziert, als auch insbesondere unseren Kindern eine Gesellschaft, in der unter der Zeugung einer nachkommenden Generation ein vorrangig politischer und technokratischer Sachverhalt gemeint ist? Welche positive kulturelle (und damit prinzipiell tradierungswürdige) Bedeutung hat für uns die Tatsache, dass weder die Zeugung und die Schwangerschaft, noch die biologische Ausstattung unserer Kinder planbar sind und wie lässt sich dies begründen? Worin soll der Nutzen für unsere Kinder bestehen, an dieser Bedeutung auch zukünftig festzuhalten, das heißt: eigenständig zu einem Umgang mit den genannten Problemen zu finden? Wollen wir durch die Geburt und die biologische Anlage unserer Kinder nicht mehr überrascht werden, wollen wir tatsächlich, dass Kinder in ihrer biologischen Ausstattung unseren Erwartungen entsprechen?

Wenn es möglich ist, diese Fragen zu beantworten, dann ist es auch möglich, Gewissheit darüber herzustellen, was die künstliche und planmäßige Reproduzierbarkeit des Menschen für „Verhältnisse und Verhalten“ (vgl. Mollenhauer 1996, S. 28 f.) nach pädagogischen Maßgaben zu bedeuten haben und haben werden. Ein erster Schritt wäre damit getan, pädagogisch Position zu aktuellen Sachverhalten der reproduktionsmedizinischen und gentechnologischen Forschung zu beziehen.

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