systemagazin

Online-Journal für systemische Entwicklungen

4. Juli 2020
von Tom Levold
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Gregory Bateson (9.5.1904 – 4.7.1980)

Heute jährt sich Gregory Batesons Todestag zum 40. Mal, eine gute Gelegenheit, noch einmal sein Werk in Erinnerung zu rufen. Die meisten seiner Veröffentlichungen waren keine Monografien, sondern Aufsätze, von denen viele im Sammelband Steps to an Ecology of Mind erschienen sind, der 1972 von Ballantine Books veröffentlicht wurde. 1981 erschien die von Hans Günter Holl übersetzte deutsche Ausgabe unter dem Titel Ökologie des Geistes im Suhrkamp-Verlag.

In Heft 2/2008 der Zeitschrift Kontext erschien in der Rubrik Klassiker wieder gelesen eine Doppelrezension von Kurt Ludewig und Tom Levold, die hier gelesen und heruntergeladen werden kann…

Das Vorwort zur Originalausgabe 1981 von Helm Stierlin:

„Ich halte Gregory Bateson für einen der wichtigsten Denker unseres Jahrhunderts. Deutschsprachige Leser kennen ihn in erster Linie als Schöpfer des Begriffes ‘double bind’, den ich mit ‘Beziehungsfalle’ übersetzt habe. Ein ‘double bind’ ist Folge und Ausdruck einer zwischenmenschlichen Verstrickung, die durch eine widersprüchliche – aber in ihrer Widersprüchlichkeit schwer durchschaubare – Kommunikation ermöglicht wird. Mit der Beschreibung dieser Verstrickung ermöglichte Bateson ein neues Verständnis der gemeinhin als Schizophrenie bezeichneten psychiatrischen Störung – obschon (oder weil) Bateson seither deutlich gemacht hat, dass double binds nicht spezifisch für solche Störungen sind, sie vielmehr auch bei künstlerischer Kreativität, beim Humor, ja selbst beim Vorgehen vieler erfolgreicher Psychotherapeuten eine Rolle spielen. Dabei ist der ‘double bind’ nur ein – wenn auch wichtiger – Teil seines Beitrages zu einem neuen psychiatrischen und psychotherapeutischen Verständnis. Die familientherapeutische Arbeit unseres Heidelberger Teams wie die vieler anderer Kollegen im Inland und westlichen Ausland wäre undenkbar ohne die Ideen und Anstöße, die Gregory Bateson seit etwa 40 Jahren gegeben hat.

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2. Juli 2020
von Tom Levold
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Der Familienmythos und die romantische Liebe in der condition postmoderne

(Foto: Tom Levold)

systemagazin gratuliert Reinhard Sieder herzlich zum heutigen 70sten Geburtstag! Er ist einer der herausragenden Historiker unserer Zeit, der seit den 70er Jahren die Lebensverhältnisse der Menschen, ihre intimen und generationalen Beziehungen in ihren historischen, sozialen, ökonomischen und kulturellen Einbettungen und Bezügen auf ebenso scharfsinnige wie elegante Weise untersucht und beschrieben hat – ein wichtiger Hintergrund auch für die sich fortlaufend verändernde psychotherapeutische und beraterische Praxis, der leider von dieser nur selten ausreichend in ihrer Selbstbeschreibung mitbedacht und -reflektiert wird.

Ein Beispiel für seine gründlichen und luziden Analysen ist die überarbeitete Fassung eines Vortrags über den Familienmythos und die romantische Liebe in der condition postmoderne, den er am 19. September 2009 auf dem 5. Hessischen Psychotherapeutentag mit dem Thema „Sehnsucht Familie in der Postmoderne“ gehalten hat – und der 2010 im von Jürgen Hardt u.a. herausgegebenen Band „Sehnsucht Familie in der Postmoderne“ erschienen ist. Auf der Website von Reinhard Sieder ist der Text hier zu lesen…

28. Juni 2020
von Tom Levold
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Psychotherapeutische Diagnostik aus systemischer Perspektive

In der aktuellen Ausgabe von Psychotherapie Forum ist ein Artikel von Elisabeth Wagner über Diagnostik aus systemischer Perspektive in open access zu lesen. Im Abstract heißt es: „Am Anfang des Beitrages wird die traditionell diagnosekritische Haltung der systemischen Therapie dargestellt und theoretisch begründet: sowohl aus der interaktionellen Perspektive der frühen Familientherapie, wie auch aus konstruktivistischer und systemtheoretischer Perspektive wird der Anspruch, intrapsychische Störungen objektiv zu erfassen, in Frage gestellt. Der diagnostische Fokus systemischer (Kurz)Therapie liegt dementsprechend auf der Wirklichkeitskonstruktion der_Klientinnen und Klienten, deren Zielen und Ressourcen und soll eine darauf differenziert abgestimmte therapeutische Kooperation ermöglichen. In weiterer Folge wird argumentiert, dass trotz aller berechtigter „Diagnoseskepsis“ nicht zuletzt die Ausweitung des Interventionsrepertoires in der systemischen Therapie eine differenziertere Erfassung intrapsychischer Prozesse als Grundlage verantwortungsvollen therapeutischen Handelns erforderlich macht. Diese wird aus einer synergetischen Perspektive dargestellt und der Klassifikation psychischer Störungen nach ICD und DSM gegenübergestellt. Abschließend werden die Dimensionen eines professionellen systemischen Fallverständnisses zusammenfassend dargestellt.“

Zum vollständigen Artikel geht es hier…

25. Juni 2020
von Tom Levold
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Die Ermordung des Widerstands

(Foto: Kurt Ludewig)

Heute würde Steve de Shazer, der im September 2005 in Wien an  den Folgen einer Lungenentzündung in Wien starb, 80 Jahre alt werden.

1984 veröffentlichte er in der Zeitschrift Family Process einen Artikel mit der Überschrift The Death of Resistance, in dem er sich kritisch und auf einer sehr theoretischen Weise mit dem Widerstandskonzept in der Psychotherapie auseinandersetzte und statt dessen das Konzept der Kooperation als Alternative vorschlug. Wie er 1989 in einem weiteren Text Resistance Revisited erzählt, ist sein Text jahrelang von allen in Frage kommenden Zeitschriften abgelehnt worden, bis es 1984 zur Veröffentlichung der mittlerweile 6. Revision in der Family Process kam. Ein schönes Beispiel für Widerstand in der Zunft: „Of course, in order to get it published, I put my thesis in rather theoretical terms: I could not say ,I confess: I murdered it because it had out-lived its usefulness.“

In diesem Text von 1989, der in Contemporary Family Therapy 11(4) erschien, erklärt er noch einmal auf kurze und bündige Weise die Entstehung der Idee vom Tod des Widerstands gegen Veränderung und der Entwicklung von Kooperation entlang der Frage nach den bereits ausnahmsweise oder imaginierten Veränderungen, die wie viele andere seiner Konzepte auch über seinen 80. Geburtstag hinaus fortbestehen werden. Den Text schließt er folgendermaßen ab: „It seems that therapists and clients alike can go on quite well without the concept of resistance. Theoretically it has proved to be unnecessary and, in fact, pragmatically its absence, or rather the presence of the concept of cooperating, has proved useful. Therapy is much more fun for everyone when the topic of conversation is centered around the times when the complaint is unexpectedly absent, focusing on what it is that the clients are doing that is useful, effective, good for them, and fun.“

24. Juni 2020
von Tom Levold
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„Vorsicht! Frisch gestrichen!“?

Selbstorganisation – ein Paradigma für die Humanwissenschaften, so lautet ein aktueller Band, der von Kathrin Viol, Helmut Schöller und Wolfgang Aichhorn „zu Ehren von Günter Schiepek und seiner Forschung zu Komplexität und Dynamik in der Psychologie“ herausgegeben wurde, wie der Untertitel lautet. Erschienen ist der Band im Springer-Verlag. Ausgangspunkt der Beiträge war eine internationale Konferenz in Salzburg, die anlässlich des 60. Geburtstags von Günter Schiepek 2018 in Salzburg stattfand. Andreas Manteufel hat das Buch für systemagazin besprochen.

Andreas Manteufel, Bonn:

Vor zwei Jahren fand in Salzburg, dem beruflichen Wirkungsort von Günter Schiepek, ein Symposium zu seinem 60. Geburtstag statt. Nun erschien das Buch zum Symposium bzw. zum runden Geburtstag. Zu einem großen Teil decken sich die damalige Referentenliste und die Autorengruppe. Schiepek selbst, der Vielschreiber, dessen umfangreiches Oevre auf den letzten dieser über 600 Seiten aufgelistet ist, darf sich zurücklehnen und anschauen, was alte und neuere Weggefährten in ihren jeweiligen Fachgebieten zu einer synergetischen humanwissenschaftlichen Forschung beitragen.

Was da vor dem Auge des Lesenden vorbeizieht ist eine beeindruckende Parade von Arbeiten aus den unterschiedlichsten Disziplinen, geschrieben von Theoretikern, Forschern und Methodikern, klinischen oder beratenden Praktikern, zusammengehalten durch das Band der Synergetik und den Rahmen dessen, was im einleitenden Artikel des Mitherausgebers Helmut Schöller „Humanwissenschaften“ genannt wird, als hätte man diesen Terminus erfinden müssen, um der bunten Mitarbeiterschar des Geburtstagskindes einen Vereinsnamen zu verleihen. „Wie lassen sich alte, ungewünschte Strukturen aufbrechen, wie kann man selbstorganisatorische Prozesse unterstützen, wie ,steuern’?“ (S. 12) skizziert Schöller die abstrakte, aber allen gemeinsame Fragestellung.

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14. Juni 2020
von Tom Levold
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Vom Fallverständnis zum psychotherapeutischen Handeln

Im Klett-Cotta-Verlag hat Elisabeth Wagner, Psychiaterin aus Wien mit u.a. systemischer Ausbildung, ein „Praxisbuch Systemische Therapie“ veröffentlicht, das sich vor allem an bereits in klinischen Kontexten tätige ärztliche, psychiatrische und psychologische Kolleginnen und Kollegen wendet, die sich in Systemischer Therapie qualifizieren wollen. Martin Rufer, der heute seinen 71. Geburtstag feiert (herzlichen Glückwunsch!), hat das Buch gelesen und für systemagazin rezensiert.

Martin Rufer, Bern:

Was da in den letzten Jahren nicht alles an Lehr-, Lern und Handbüchern über Theorie und Praxis systemischer Therapie geschrieben worden ist. Auch ich selber will mich davon (synergetische Theorie und Praxis) nicht ausnehmen (Rufer, 2013 u.2018). Dass sich nun auch Elisabeth Wagner nach Ihrem letzten, viel beachteten Buch (zusammen mit Ulrike Russinger) über „Emotionsbasierte systemische Therapie“ auch noch ganz allgemein der Systemischen Therapie zuwendet, muss gut begründet sein.

„Psychotherapie ist keine Krankenbehandlung“. Diesen Satz aus dem Munde einer Ärztin in einem Buch mit dem expliziten Hinweis auf „klinische Kontexte“ zu lesen, ist nicht selbstverständlich. Obwohl Psychotherapie keine Krankenbehandlung ist, wie Wagner mehrmals im Buch hervorstreicht, macht es Sinn, dass sie sich als erfahrene Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin sowie Lehrende in Systemischer Therapie mit diesem Buch vor allem diejenigen KollegInnen erreichen und ansprechen will, die in klinischen Kontexten arbeiten. Die darin aufgeführten zahlreichen Fallbeispiele und eine „Konzeptualisierung unter synergetischer Perspektive“ (Wagner, S. 67ff) machen anschaulich, wie Wagner als Klinikerin Erfahrungen mit unterschiedlichsten psychischen Störungen gesammelt hat und dabei neben den Arbeiten von Lieb, Levold, Ludewig, Ciompi u.a. insbesondere diejenigen der Kollegen im eigenen Land (Schiepek, Grossmann u.a.) in dieses Buch mit einfliessen lässt, die sich durch synergetische Theorie und Praxis auszeichnen,. Dass „in den letzten 10 Jahren ca. 40 % aller in Wien tätigen AssistenzärztInnen für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin Ausbildungen in einem systemischen Curriculum“ absolviert haben, erscheint auf dem Hintergrund der Anerkennung der Systemischen Therapie in Deutschland doch ein gutes Omen. Aus Schweizer Sicht wäre selbstkritisch zu fragen, warum denn bei uns, wo die Systemische Therapie genauso lang anerkannt ist, ein solcher „Erfolg“ (in quantitativer Hinsicht) wohl nicht zu belegen wäre bzw. wie sie sich (verfahrensspezifisch) auch qualitativ und nachhaltig in klinischen Kontexten positionieren und etablieren kann…

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11. Juni 2020
von Tom Levold
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Online-Beratung in Zeiten von Corona

Der Lockdown im März dieses Jahres hat viele systemisch arbeitende Kolleginnen und Kollegen kalt erwischt. Vom 12. bis 14.3. war ich als Dozent an der Universität Kassel in einem Studiengangsmodul tätig, als die Nachrichten von den ersten Maßnahmen stündlich eintrafen und die Universität dann am 13.3. alle Veranstaltungen räumen ließ. Alle geplanten Workshops und Seminare sowie Vorträge auf Tagungen wurden in den Folgetagen abgesagt – ich hatte im März und April zunächst einmal mehr oder weniger Zwangsferien. Einige Therapien und Coachings liefen weiter, aber die meisten Supervisionen (in Kliniken und anderen Einrichtungen) wurden kurzfristig storniert. Als sich abzeichnete, dass es sich womöglich um einen länger andauernden Zustand handeln könnte, entstanden neue und kreative Lösungen auch dort, wo bislang eher eine wenig technik-affine Haltung seitens der Klientensysteme vermutet werden konnte. Online-Plattformen wie Zoom oder andere Videokonferenz-Anbieter machen derzeit rasante Umsatz- und Gewinnsprünge. Mittlerweile habe ich eine ganze Reihe von Supervisionen und Weiterbildungsseminaren online durchgeführt, und auch wenn die fehlende räumliche Präsenz einen Verlust an interaktionellen Erfahrungen, Lebendigkeit und zwischenmenschlichen Begegnungen mit sich bringt, zeigt sich, dass die Arbeit online durchaus nicht nur Schattenseiten hat, sondern auch produktiv genutzt werden kann. Die therapeutische Arbeit oder Coachings im Einzelsettung kann ich mir online nach wie vor nur als unvermeidbaren Ersatz für ein anders nicht realisierbares Setting vorstellen.

Emily Engelhardt beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema online-Beratung. 2014 hat sie im Kontext einen Artikel über Online-Supervision veröffentlicht, der sich allerdings noch primär mit text-basierter Supervision über e-Mail oder Chats auseinandersetzte. Im abstract heißt es: „Vor welchen Herausforderungen steht Supervision im sich stetig fortentwickelnden Zeitalter der Digitalisierung und Mediatisierung unserer Gesellschaft ? Wie kann mit den gesellschaftlichen Veränderungen, die sich hierdurch auch für das Feld der Supervision ergeben, sinnvoll umgegangen werden? Die psychosoziale Beratung hat hierauf in den letzten zehn Jahren erste Antworten gefunden. Die immer stärkere Verbreitung von Onlineberatung als zusätzliches (oder eigenständiges) Beratungsangebot spiegelt sich in der Vielzahl der im Internet aufrufbaren Beratungsangebote wider. Supervision als »Sonderform« von Beratung wird sich in den nächsten Jahren dieser Entwicklung stellen müssen. Adäquate Angebote sind derzeit nur sehr vereinzelt zu finden. Eine klare Positionierung der Fachverbände für Supervision steht noch aus, ebenso die Entwicklung von Qualitätsstandards sowie spezifizierten Ausbildungen im Bereich der Online-Su- pervision (Höllriegel, 2013). Wenn Reflexion ein wesentlicher Aspekt von Supervision ist, müssen Supervisionskonzepte so gestaltet sein, dass sie Reflexion zulassen. Das bedeutet insbesondere, dass sich Supervisor/-innen als Verantwortliche für den Beratungsprozess Gedanken darüber machen müssen, in welchem Setting und mit welchen Methoden sie ihr Supervisionsangebot gestalten. Der Artikel gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der Online-Supervision, ihren besonderen Charakter und leitet Entwicklungsaufgaben für die Zukunft ab.“

Aktuell hat sie einen interessanten Blog in die Welt gesetzt, der sich in Texten und Podcasts u.a. mit dem Thema Online-Beratung in Corona-Zeiten beschäftigt. Wer sich mit diesen Fragen, den Medien, Methoden und auch den praxeologischen und ethischen Implikationen beschäftigen möchte (und das dürfte im Moment und in Zukunft sehr viele von uns betreffen), sollte diesen Blog einmal besuchen.

2. Juni 2020
von Tom Levold
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Theorie, Praxis – und Humor

Das in den nächsten Tagen erscheinende Heft 1/2020 der Zeitschrift systeme ist prall gefüllt mit unterschiedlichen Beiträgen zur (systemischen) Theorie und Praxis, Vortragstexten und Rezensionen. Evelyn Niel-Dolzer schreibt über den Unterschied zwischen Erzählen und Aneignen der eigenen Geschichte, Günter Emlein reflektiert den Stellenwert der Systemtheorie in der (systemischen) Praxis. Cordula Stratmann und Konrad Paul Liessmann setzen sich mit der Bedeutung von Humor und Witz auseinander, Luise Reddemann mit dem Konzept der Resilienz. Schließlich gibt es noch ein Plädoyer von der bekannten Vertreterin des Sozialkonstruktionistischen Ansatzes Sheila McNamee, PraktikerInnen primär als Menschen im Dialog anzusehen, das sie auf der ÖAS-Jubiläumstagung 2019 in Wien gehalten hat. Ein Interview mit Fritz B. Simon kreist um das Thema Paradoxien in Gesellschaft, Organisationen und Familien sowie „konkrete Rezepte“ zu Kommunikation. Wie man sieht, eine lohnende Zusammenstellung!

Alle bibliografischen Angaben und abstracts gibt es hier…

29. Mai 2020
von Tom Levold
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Wiederkehr der Theorie

Die neueste Ausgabe der Familiendynamik ist dem Thema der „Wiederkehr der Theorie“ im systemtherapeutischen Diskurs gewidmet. Optimistisch heißt es im Editorial von Hans Rudi Fischer und Günter Emlein: „Nachdem der über zwei Jahrzehnte dauernde Kampf um die Anerkennung systemischer Therapie als wirksame psychotherapeutische Praxis erfolgreich zu Ende gegangen ist, scheint das Interesse an wohlbegründeter Fundierung therapeutischer Praxis wiederbelebt zu sein. Die Wiederkehr der Theorie, von der hier die Rede ist, ist nicht die eines ehemals Verdrängten, sondern eher eine Rückkehr zum Ausgangspunkt, nämlich der anfangs abstrakten Theorie, um, von deren Quellen gestärkt, in die therapeutische Praxis zu kommen.“

Im Heft findet sich dann ein Artikel von Ulrike Borst über Systemische Therapietheorie und Fallkonzeption sowie ein Beitrag von Günter Emlein, der Psychotherapie als polykontexturale Praxis versteht. Ferner findet sich ein Text von Martin Kurthen zum Streit um die Tragweite neurowissenschaftlicher Erkenntnisse, ein ausführlicher Nachruf auf den Zeitschriftenmitbegründer Josef Duss-von Werth und ein Text der im vergangenen Jahr verstorbenen Philosophin Ágnes Heller. Alle bibliografischen Angaben und abstracts finden Sie hier…

22. Mai 2020
von Tom Levold
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Patchworkfamilien beraten

2018 ist im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht in der Reihe Leben. Lieben. Arbeiten: systemisch beraten Corina Ahlers’ Buch Patchworkfamilien beraten erschienen, ein Thema, das Corina Ahlers, systemische Therapeutin in Wien und langjährige Lehrtherapeutin der dortigen ÖAS, schon seit Jahren beschäftigt. Wolfgang Loth hat das Buch gelesen und bescheinigt ihm, das zu verkörpern, „was mir Compassion zu bedeuten scheint: mitfühlend Orientierung ermöglichen“.

Wolfgang Loth, Niederzissen:

Vielleicht sollte ich es spannender machen, doch was soll’s. Mein Eindruck nach dieser Lektüre ist, ein wohltuendes Buch in der Hand zu haben. Wohltuend zu einem nicht einfachen Thema. Wenn es stimmt, man müsse nur bis drei zählen können und schon habe man es mit Chaos zu tun[1], dann gibt es im Fall von Patchworkfamilien dazu vielfältigen Anlass. Das könnte man ausschlachten und ein Drama draus machen. Man kann es aber auch anerkennend zur Kenntnis nehmen, und diese Anerkennung in zugewandtes, zutrauendes und kreatives Handeln übersetzen, die Grenzen der eigenen Möglichkeiten im Sinn, und bereit, den Raum, den sie markieren, zu nutzen. Darüber hinaus Mitgefühl empfinden – Ahlers spricht von „betroffener Partizipation durch Zeugenschaft“ (S.56) – und somit bereit für das Risiko sein, dass die eigene Resonanz von dem allfälligen Chaos angemacht wird. Und ebenfalls die Disziplin aufbringen, unerschrocken nach Anschlussmöglichkeiten zu suchen. Dass dies hier alles zusammenkommt, ist es wohl, weshalb ich das hier besprochene Buch als wohltuend erlebe.

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20. Mai 2020
von Tom Levold
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Ivan Boszormenyi-Nagy (19.5.1920-28.1.2007)

Gestern wäre Ivan Boszormenyi-Nagy, einer der Pioniere der Familientherapie und Begründer der kontextuellen Therapie 100 Jahre alt geworden. Im systemagazin ist er schon an unterschiedlicher Stelle gewürdigt worden, z.B. hier anlässlich seines Todes im Januar 2007.

Dieses Video aus den USA von Janet Stauffer ist zwar recht „amerikanisch“, gibt aber einen guten Einblick in das Leben und Werk von Boszormenyi-Nagy mit zahlreichen privaten Fotos und Ausschnitten aus Therapiesitzungen.

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