systemagazin

Online-Journal für systemische Entwicklungen

14. Juni 2019
von Tom Levold
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Erfasse komplex, handle einfach!

Martin Rufer

Heute feiert Martin Rufer aus Bern seinen 70. Geburtstag – und systemagazin gratuliert von Herzen. Nach seiner Ausbildung zum Primarlehrer (1966-70) studierte er Psychologie, Pädagogik und Soziologie mit Abschluss Erziehungsberatung (lic.phil.). ein Bereich, in dem er neben der Kinder- und Jugendpsychiatrie langjährig tätig war. Seit 1990 hat er eine Privatpraxis als Psychologe und Psychotherapeut für Therapie, Supervision, Fort- und Weiterbildung und arbeitet als Kursleiter von Fortbildungskursen in systemischer Therapie (Uni Zürich, Basel, FSP, SPV , FMH). Er ist Mitglied der Schweizerischen Gesellschaft für systemische Therapie und Beratung (SGS) sowie der Expertenkommission Psychotherapie der FSP und hatte von 2001 bis 2009 die Geschäftsleitung des Zentrums für systemische Therapie und Beratung in Bern inne.

Unter den Systemikern in Deutschland ist er vor allem durch seine Publikationen und seine rege Beteiligung an den psychotherapiepolitischen Debatten bekannt. Sein Buch „Erfasse komplex, handle einfach. Systemische Psychotherapie als Praxis der Selbstorganisation – ein Lernbuch“, das 2012 im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht herausgekommen ist, versucht, mit einem synergetischen Paradigma allgemeine Wirkfaktoren und Kriterien ausfindig zu machen, die helfen, Komplexität zu verstehen und zu vereinfachen. Jürgen Kriz hat in der Familiendynamik 2012 das Buch euphorisch rezensiert, ein guter Grund, die Rezension zum Geburtstag von Martin Rufer (mit freundlicher Genehmigung der Familiendynamik) noch einmal zu veröffentlichen.

Lieber Martin, zum 70. alles Gute, bleib gesund und dem systemischen Diskurs auch weiterhin mit dem einen oder anderen Beitrag erhalten!

Jürgen Kriz, Osnabrück:

Um es gleich vorweg zu nehmen: diese Buch gehört zu den besten, die mir in den vergangenen Jahrzehnten in die Hand gekommen sind. Diese enthusiastische Bewertung erhält es aufgrund einer – in dieser Form m.W. bisher einmaligen – geglückten Verbindung sonst eher einzeln bearbeiteter Aspekte. Denn es gibt eine Reihe guter bis sehr guter Werke, die entweder Lehrbuchcharakter haben – ergänzt um einige Beispiele und Fallvignetten – oder aber Falldarstellungen enthalten, und dabei auch ein wenig auf die theoretischen Grundlagen eingehen. Letztlich gibt es auch einige gute Werke, in denen Praxis theoretisch reflektiert bzw. über die praktische Umsetzung von Theorie diskutiert wird. Martin Rufer ist es aber mit diesem Werk gelungen, alle drei Perspektiven schlüssig verdichtet miteinander zu vernetzen: Markant vorgetragene theoretische Grundlage, ausführlich dargestellte Fallbeispiele mit klug ausgewähltem Wechsel zwischen wörtlichen Sequenzen und vignettenhafter Übersicht – und das Ganze ergänzt um eine selbstkritisch reflektierende Diskussion der Zusammenhänge zwischen theoretischer Grundorientierung und jeweils praktischer Umsetzung für die zentralen Interventionen. Das Buch erfüllt damit voll das, was dem Untertitel nach dem Gedankenstrich als programmatische Aussage angehängt wurde und was man fast überliest: Es ist ein Lernbuch. In der Tat kann ich mir kaum jemand an systemischer Arbeit Interessierten vorstellen – sei es ein Anfänger, der sich anhand von praktischen Beispielen orientieren will, sei es ein Fachmann, der seine eigene Modelle in der Verbindung von Theorie und Praxis hinterfragen und überdenken möchte – der anhand dieses Buches nicht zum Lernen eingeladen wird.

Entsprechend dieser Ausrichtung steht das 5. Kapitel „Systemische Fallkonzeption – Falbeispiele“ im inhaltlichen Zentrum und ist mit über 150 Seiten am weitaus längsten gestaltet. Es gliedert sich in Darstellungen von sechs systemischen Therapien, deren manifester Anlass (bzw. „Symptomatik“) (1.) Substanzmittelmissbrauch, (2.) Gewalt im bikulturellen Kontext eines Elternpaares, (3.) Therapiemotivation im Kontext einer massiven, psychiatrisch zu behandelnden Störung, (4.) Trauma und posttraumatische Störung im Kontext schulischer Gewalt, (5.) Folgestörungen von sexuellem Missbrauch und (6.) Prüfung der Indikation für Psychotherapie bei multimorbidem, unklarem Störungsbild einer Jugendlichen in einem sozialpädagogischen Heim. Jede dieser Falldarstellungen besteht aus einer kurzen Übersicht, was an diesem Fall besonders lernenswert erscheint, gefolgt von einer ausführlichen Beschreibung des Verlaufs. Diese wiederum ist unterbrochen von wörtlichen Transkript-Passagen sowie von Reflexionen, Erörterungen und Begründungen des Autors, auf was er besonders geachtet hat, wie er die Probleme und Möglichkeiten in der konkreten Situation einschätzt, wie dies mit den theoretischen Grundannahmen in Verbindung steht und welche „Fallen“ sich ggf. auftun, hier inadäquat zu reagieren. Nach einem jeweiligen „Schlusskommentar und Bilanz“ schließen sich bei manchen Falldarstellungen bis zu 5 Nachträge an, mit katemnestische Informationen – bis zu sechs Jahren nach Beendigung der Therapie. Damit werden auch die weiteren Verläufe der angestoßenen Entwicklungen für die Leser dokumentiert.

Allein schon diese Konzeption von Falldarstellungen verdient höchstes Lob und sollte als empfehlenswertes Muster in Lehrbücher zur Psychotherapie eingehen – gern auch bei anderen als nur den systemischen Richtungen. Dies könnte dazu beitragen, dass ein sowohl für die Praxis als auch für die Wissenschaft wirklich fruchtbarer Diskurs über die Bedeutung und Tragfähigkeit bestimmter psychotherapeutischer Grundannahmen und ihre konkrete Umsetzung in der therapeutischen Realität entstehen könnte – jenseits jener auf gemittelte Parametervergleiche von standardisiert beobachteten Variablen unter mehr oder weniger artifiziellen Laborbedingungen erhobenen Ergebnisse, die zwar für bestimmte Forschungsfragen interessant sind, aber über die Realität von Psychotherapie erschreckend wenig aussagen und deren Veröffentlichungen daher von Praktikern in der Regel auch kaum registriert werden. In Rufers Darstellungen hingegen wird ständig der reflexive Kreislauf zwischen theoretischen Grundlagen und deren Annahmen sowie den konkreten Vorgehensweisen unter nicht-Laborbedingungen nachvollziehbar dargelegt. Hier könnten nicht nur systemische Praktiker und Theoretiker unter sich, sondern sofort auch beispielsweise Verhaltenstherapeuten oder Psychodynamiker in den Diskurs einsteigen und die Schlüssigkeit von Annahmen und Umsetzungen sowie mögliche Alternativen kritisch miteinander erörtern. Zumal Rufer nichts beschönigt, sondern selbstkritisch auch die Herausforderungen durch unterschiedliche Krankheitsmodelle (Fall 3) und die Grenzen möglicher Hilfe seines systemischen Arbeitens (Fall 6) aufzeigt und diskutiert.

Da allerdings nicht einmal bei allen Systemtherapeuten die theoretischen Grundlagen systemischer Arbeitsweise auf der Basis des Selbstorganisationsparadigmas vorausgesetzt werden kann, sind dem umfangreichen Fallkapitel (neben einem Anfangs- und einem Schlusskapitel) drei kurze theoretisch-konzeptionelle Kapitel vorangestellt. In diesen werden – gut untergliedert und recht prägnant – die für praktisch systemisches Arbeiten relevanten Aspekte von Selbstorganisation referiert. Es geht also um die Ableitung und Darstellung der Prinzipien, welche dem therapeutischen Handeln in den dargestellten Therapien zugrunde liegen. Wobei dann in diesen Falldarstellungen auch immer wieder erläuternd auf diese Prinzipien Bezug genommen wird (deren referierende Prägnanz allerdings schärfer und enger ist, als es für die praktischen Vorgehensweisen und Erörterungen im 5. Kapitel wirklich notwendig wäre). Nachdem sich systemische Psychotherapie ja historisch eher aus einer blühenden Praxeologie entwickelt hat, kann man diese Kapitel auch nochmals als Einladung lesen und verstehen, dem therapeutischen Handeln nicht nur eine Art „Tool-Box“ zugrunde zu legen, sondern diese durchaus auch konzeptionell fundiert zu verankern – weil eigentlich nur daraus die feineren Unterschiede der Werkzeuge begründbar werden.

Es ist klar, dass mit der von Rufer referierten Selbstorganisationstheorie und ihren generischen Prinzipien für konkretes therapeutisches Handeln nicht beansprucht wird „die Systemtherapie“ schlechthin begründend abzudecken. So dürften Systemiker aus dem autopoietischen Lager ggf. im Detail andere Prinzipien als für sie handlungsleitend anführen. Genau das aber müsste erst einmal durchbuchstabiert werden: Mir ist kein einziges Werk bekannt, das auch nur ansatzweise eine solch konsequente Vernetzung von konzeptionellen Aspekten und praktischer Vorgehensweise leistet, wie hier von Rufer vorgelegt. Auch Anhänger der „Autopoiese“-Konzeption (was immer sie damit auch konkret genau meinen mögen) können daher aus diesem Werk große Lernerfolge erzielen, wenn sie nach Gleichheiten und Unterschieden in den Vorgehensweisen und/oder den zugrundeliegenden Prinzipien fragen. Es ist ja gerade die bereits betonte Stärke dieses Buches, dass es sowohl für Anfänger als eben auch für ausgewiesene Fachleute reichlich Stoff und Anregungen für Lernerfahrungen und konstruktive Diskurse bietet.

Bleibt mir zum Schluss nur, die bereits ausgesprochene enthusiastische Empfehlung zu wiederholen: Wenn auch nur ein winziger Bruchteil aller jener, die von diesem Buch überaus stark profitieren können, sich dieses auch zulegen, wird es bald viele weitere Auflagen geben. Weit wichtiger aber: Dieses Werk von Rufer ist geeignet, den Diskurs innerhalb der systemischen Therapie, zwischen Theoretikern und Praktikern, sowie auch zwischen unterschiedlichen Therapierichtungen bedeutsam voranzubringen.

Martin Rufer (2012): Erfasse komplex, handle einfach. Systemische Psychotherapie als Praxis der Selbstorganisation – ein Lernbuch. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht)

271 Seiten, mit einer Abb., kartoniert
ISBN: 978-3-525-40179-8
Preis: ab 22,90 €

Verlagsinformation:

Praxisliteratur wie auch Fortbildungen hinterlassen oft den Eindruck, dass Therapie eine Sache der Methode oder Technik sei. Dem stehen Erkenntnisse aus Forschung und Praxis gegenüber, die therapeutische Kompetenz an »common factors« festmachen und die Therapeuten als Prozessgestalter und Künstler des Gesprächs verstehen, angefangen bei der Wahl des passenden Settings hin zu Wortwahl, Tonfall und Gestik. In diesem an der Alltagspraxis orientierten Lernbuch stehen folgende Fragen im Mittelpunkt:- Wie kann man therapeutische Prozesse verstehen und gestalten?- Wer und was ist dabei wichtig?- Woran liegt es, wenn es in Therapien hakt?In allen gelingenden Therapien lassen sich allgemeine Wirkfaktoren und Kriterien ausfindig machen, die helfen, Komplexität zu verstehen und zu vereinfachen. Martin Rufer unternimmt den Versuch, die generischen Prinzipien selbstorganisierender Prozesse nach Haken und Schiepek als ein systemisches Konzept für die Fallkonzeption zu konkretisieren und basierend darauf Psychotherapie im weiteren Kontext zu verstehen.Dieses Buch ruft bewährte Werkzeuge in Erinnerung, ergänzt das Handlungsrepertoire um neue und regt dazu an, sich als Praktiker in den system- und psychotherapeutischen Diskurs einzumischen.

13. Juni 2019
von Tom Levold
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Systemische Familienberatung wirkt: Erste empirische Befunde zur Verbesserung der Bindungssicherheit

(Köln) – Systemische Familienberatung erhöht die Bindungssicherheit von verhaltensauffälligen Kindern im Grundschulalter, reduziert Verhaltensauffälligkeiten und verbessert das Erziehungsverhalten von Müttern. Das zeigt ein von der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF) gefördertes Forschungsprojekt, in dem Beratungsprozesse in einer Erziehungs- und Familienberatungsstelle in Kerpen untersucht wurden.

Erziehungs- und Familienberatung ist die meistgenutzte Hilfe zur Erziehung im Kontext der Kinder- und Jugendhilfe. Dabei ist systemische Beratung und Therapie das dominierende Verfahren. Erziehungsberatung und der systemische Ansatz in der psychosozialen Beratung sind hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und ihrer Effekte im Vergleich zur Psychotherapie allerdings noch wenig erforscht. Mathias Berg untersuchte die Beratungsprozesse bei 61 Grundschulkindern in seiner als Dissertation angenommenen Interventionsstudie “Auswirkungen systemischer Beratung und Therapie in einer Erziehungs- und Familienberatungsstelle auf die Bindungssicherheit verhaltensauffälliger Kinder im Grundschulalter”.

Hauptsächliches Forschungsziel war es, mehr über eine potentielle Veränderung der Bindungssicherheit bei Kindern nach der Beratung herauszufinden, zentraler Bestandteil der systemischen Intervention waren dabei die Eltern beziehungsweise die Familie des Kindes. Untersucht wurden Beratungsprozesse mit sechs- bis elfjährigen Kindern, die wegen Verhaltensauffälligkeiten angemeldet wurden (Ein-Gruppen-Design; Prä-Post-Post-Messung). In der Studie wurden neben der Bindung der Kinder (Geschichtenergänzungsverfahren zur Bindung; GEV-B) auch deren Verhaltensauffälligkeiten und Kompetenzen (Child Behavior Checklist; CBCL) erfasst. Außerdem wurden die Bindungsrepräsentation der Mutter (Adult Attachment Projective; AAP) und deren Erziehungsverhalten (Deutsche erweiterte Version des Alabama Parenting Questionaire; DEAPQ-EL-GS) erhoben. Kinder und Mütter wurden weiterhin mit einem eigens für die Untersuchung konstruierten Evaluationsfragebogen befragt. Die Beratungen erfolgten in der Erziehungs- und Familienberatungsstelle Kerpen des Caritasverbandes für den Rhein-Erft-Kreis.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich bei rund einem Drittel der Stichprobe Bindung nach der Intervention neu strukturierte. Dabei ließen sich Wechsel in Richtung größerer Bindungssicherheit im Vergleich zu unsicherer Bindung signifikant nachweisen. Die Verhaltensauffälligkeiten der Kinder gingen hochsignifikant zurück und inkonsistentes Elternverhalten bei den Müttern nahm deutlich ab. Zudem waren Mütter und Kinder sehr zufrieden mit der Beratung und schätzten das Ausmaß ihrer Probleme zum Ende der Beratung als wesentlich vermindert ein. “Diese erfreulichen Befunde legen nahe, dass noch deutlich mehr Wirksamkeitsforschung in der Jugendhilfe sinnvoll und nötig wäre, um Hilfen effektiv gestalten und deren Effizienz gegenüber den Kostenträgern noch deutlicher darstellen zu können”, kommentiert DGSF-Vorsitzender Dr. Björn Enno Hermans die Forschungsergebnisse. 

Die DGSF fördert bereits seit Jahren Forschungsprojekte aus allen Bereichen des systemischen Arbeitens. Mit “Anschubfinanzierungen” möchte der Fachverband weitere Forschungsprojekte anregen.

Ein Abschlussbericht zum Forschungsprojekt ist auf den Internetseiten der DGSF einsehbar, eine detaillierte Darstellung als Buch bei V&R unipress unter dem Titel “Die Wirksamkeit systemischer Beratung” veröffentlicht. (Quelle: DGSF).

28. April 2019
von Tom Levold
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Psychotherapeutische Vergütung konstruieren – Systemische Therapie als Kassenleistung

Bei allem Jubel über die sozialrechtliche Anerkennung, mit der Systemische Therapie zukünftig als Kassenleistung abgerechnet werden kann, stellt sich die Frage, was denn da genau abgerechnet werden soll. Auf jeden Fall die „Behandlung von Störungen mit Krankheitswert“, die von Systemikern dann natürlich auch als solche ausgewiesen werden müssen. Ebenso spannend ist die Frage, ob ein Herzstück des systemischen Ansatzes, nämlich die Arbeit mit Mehrpersonensystemen bzw. die Einbeziehung der relevanten Kontexte in den therapeutischen Prozess angemessen bezahlt wird. Damit ist nicht zu rechnen. Ähnlich wie in Österreich jetzt schon wird Systemische Therapie sich daher im Setting und der Organisation nicht wesentlich von den anderen jetzt schon kassenfinanzierten Verfahren unterscheiden – was auf die Arbeit mit individuellen Patienten und ICD-Diagnose hinausläuft.

Klaus G. Deissler und Ahmet Kaya aus Marburg haben ein Papier verfasst, in den sie für die Bezahlung „durchgeführter Einheiten der Zusammenarbeit im Mehrpersonensystem plädieren“, die auch den Einsatz bewährter Vorgehensweisen wie z.B. des Reflecting Teams ermöglichen könnte. Mit einer Realisierung dieses Vorschlages darf nicht gerechnet werden.

Zum vollständigen Text geht es hier…

3. April 2019
von Tom Levold
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In eigener Sache

Liebe Leserinnen und Leser des systemagazin,

der letzte Eintrag im systemagazin liegt nun schon einige Wochen zurück. Mich erreichen viele Anfragen, was mit dem systemagazin los sei und ob es mir gut geht. Aus diesem Grund hier eine kurze Zwischenmeldung: ich hatte in der Tat in den letzten Monaten einige gesundheitliche und alltagspraktische Herausforderungen über das normale Maß hinaus zu bewältigen. Das ist mir ganz gut gelungen, ich bin wieder im Besitz meiner Kräfte und freue mich, dass diese Zeit hinter mir liegt und ich den Frühling genießen kann. Durch die Belastungen der letzten Wochen ist aber bei mir so vieles an dringlichen Aufgaben und Angelegenheiten liegen geblieben, dass ich nicht mehr dazu gekommen bin, regelmäßig etwas im systemagazin zu posten. Ich gehe davon aus, dass ich nach den Osterferien wieder regelmäßig hier im systemagazin in Erscheinung treten werde. Ich möchte mich bei allen Kolleginnen und Kollegen herzlich bedanken, die sich um mich Sorgen gemacht haben und mir das auch mitgeteilt haben. Ich wünsche euch und Ihnen allen einen schönen Frühling. Bis bald bin ich mit ganz herzlichen Grüßen

Tom Levold

Herausgeber systemagazin

2. Februar 2019
von Tom Levold
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Poetics of the Milan School. A remembrance of Gianfranco Cecchin

Gianfranco Cecchin (1932-2004)

Gianfranco Cecchin, geb. 22.8.1932, war Arzt, Psychiater und Psychoanalytiker, der gemeinsam mit Mara Selvini-Palazzoli, Luigi Boscolo und Giuliana Prata in den 70er Jahren Mitbegründer der Mailänder Schule der systemischen Therapie war. Boscolo und Cecchin trennten sich von ihren Kolleginnen und gründeten 1981 das Mailände Centro Milanese di Terapia de la Famiglia (CMTF). Heute vor 15 Jahren, am 2.2.2004 ist Gianfranco Cecchin bei einem Autounfall gestorben. In einem Text aus dem Jahre 2005, der in Human Systems: The Journal of Systemic Consultation & Management erschienen ist, würdigt Pietro Barbetta, Schüler und Kollege von Gianfranco Cecchin am Mailänder Zentrum, seinen Lehrer und Mentor. Der vollständige Text kann hier gelesen werden.

31. Januar 2019
von Tom Levold
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Stephen Porges über die Polyvagal-Theorie

Stephen Porges war im Mai 2016, neben Bessel van der Kolk, Beverly Jahn und anderen, Hauptreferent beim zweiten Kongress Reden reicht nicht!? in Heidelberg, den die Carl-Auer Akademie mit organisiert hat. Im Anschluss hat er sich mit Gunther-Schmidt über seine Polyvagal-Theorie unterhalten. Das Gespräch ist nun auf Youtube zu sehen.

23. Januar 2019
von Tom Levold
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Jochen Schweitzer wird 65!

Jochen Schweitzer (Foto: Tom Levold)

Heute gibt es wieder einen runden Geburtstag zu feiern – Jochen Schweitzer wird schwer vorstellbare 65 Jahre alt und systemagazin gratuliert von Herzen.

Es gibt wahrscheinlich niemanden im systemischen Feld, der Jochen Schweitzer nicht kennt. Seine Verdienste um die systemische Therapie und Beratung sind vielfältig. Nach dem Studium der Psychologie und Rechtswissenschaften in Göttingen und Gießen und einer familientherapeutischen Ausbildung in Cambridge sowie Philadelphia, USA, arbeitete er als Kliniker in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Weinsberg, wurde 1986 bei Reinhart Lempp und Hans Thiersch in Tübingen promoviert, und kam dann schließlich zum damaligen Institut für Psychoanalytische Grundlagenforschung und Familientherapie an der Universität Heidelberg, das von Helm Stierlin geleitet wurde. Als Lehrtherapeut war er lange Jahre bei der IGST in Heidelberg aktiv und ist Mitbegründer des Helm-Stierlin-Instituts, das sich von der IGST abtrennte. 1996 ging nach seiner Habilitation als stellvertretender Leiter an das Institut für Medizinische Psychologie der Universität Heidelberg, wo er seit 2006 auch die „Sektion Medizinische Organisationspsychologie“ leitet. Neben zahllosen anderen Veröffentlichungen hat er mit Arist von Schlippe schon 1996 das erste Lehrbuch für systemische Therapie im deutschsprachigen Raum veröffentlicht.

Neben seinen wissenschaftlichen und praxisbezogenen Beiträgen hat er das systemische Feld vor allem durch seine Zeit als Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie (DGSF) geprägt, das er von 2007 bis 2013 inne hatte. Seit 2013 ist er deren gesellschaftspolitischer Sprecher. Mit dem SYMPA-Projekt sowie vielen anderen Forschungsprojekten hat er bedeutsame Beiträge zum wissenschaftlichen Profil des systemischen Ansatzes geleistet, nicht zuletzt durch die vielen großartigen und zunehmend internationalen Forschungstagungen, die er in Heidelberg maßgeblich initiiert und organisiert hat.

Die Liste ließe sich beliebig verlängern. Lieber Jochen, zum unmöglich erscheinenden Eintritt ins Rentenalter, das hoffentlich nur numerisch zu Buche schlägt, wünsche ich dir alles Gute, weiterhin eine fließende kreative Ader und alles an Kraft, Energie und Freude, was man dafür braucht. Ich freue mich, dass auch dieses Mal wieder Kolleginnen und Kollegen aus dem systemischen Feld dir im systemagazin einen Geburtstagstrauß gebunden haben – lass dich feiern!

Herzliche Grüße

Tom Levold
Herausgeber systemagazin

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16. Januar 2019
von Tom Levold
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Systemische Traumarbeit

2012 erschien der Band Systemische Traumarbeit: Der schöpferische Dialog anhand von Träumen im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht. In der Verlagsinformation hieß es: „Dieses systemische Traumbuch ermutigt Laien und Fachleute, mit Träumen in einen schöpferischen Dialog zu treten. In Träumen spiegeln sich Persönlichkeit und Lebenswirklichkeiten. Dabei zeigen sich bewährte oder einschränkende Gewohnheiten genauso wie neue Impulse und unausgeschöpfte Möglichkeiten. In Traumdialogen treffen Erlebniswelten der Träumer und Wirklichkeitsverständnisse der Dialogpartner aufeinander und führen zu einer gemeinsamen Erzählung. Welcher Sinn entsteht und welche Möglichkeiten sich eröffnen, hat mit Erfahrungen, Vorstellungen und Haltungen der Beteiligten zu tun, aber auch mit dem Kontext und der Gesprächsituation. Erfahrene können in kreativen Traumdialogen wesentliche Entwicklungsimpulse geben. Aber auch Unerfahrene können im unbefangenen Dialog wertvolle Beiträge leisten und zu vielschichtiger Kommunikation hinführen. Intuitive und bewusste Ebenen greifen ineinander. Die Autoren erläutern hilfreiche Vorgehensweisen für Traumdialoge aus der systemischen Beratung, stellen Arbeitsfiguren praktisch dar und illustrieren anhand von Beispielen die Wirkungsweisen systemischer Traumarbeit. Die Fallstudie einer Serie von Traumdialogen lädt zum Mitmachen ein. Ein Leitfaden für Traumdialoge am Schluss des Buches liefert praktische Hinweise im Überblick.“
Da das Buch offensichtlich nicht so gut gelaufen ist, wie der Verlag sich das gewünscht hätte, sind die Rechte nun an die Autoren zurückgefallen, die das Buch nun allen interessierten LeserInnen zum kostenlosen Download auf der website des isb Wiesloch anbieten. Den Link zum Buch finden Sie hier…

11. Januar 2019
von Tom Levold
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Was Familien so alles unternehmen …

Nun, in Familienunternehmen unternehmen die Familien allerhand. Diesem Thema ist auch das erste Heft des aktuellen Jahrgangs der Familiendynamik gewidmet, herausgegeben von Heiko Kleve und Arist von Schlippe. In ihrem Editorial schreiben sie: „Die BWL schaut auf Unternehmen aus einer Perspektive der Effizienz und Gewinnmaximierung. Für das Verständnis von Familienunternehmen reicht dieser Blick jedoch nicht aus. Hier geht es darüber hinaus um psychosoziale Faktoren, mit denen die familiären Eigentümer die ihnen angeschlossenen Unternehmen nachhaltig prägen. Wer Familienunternehmen verstehen will, der muss die transgenerationale Logik von Familien und die sich daraus ergebenden systemischen Muster beschreiben können. Familienunternehmen sind damit ein typisch transdisziplinärer Praxis- und Forschungsbereich: Unterschiedliche Professionen und Disziplinen sind gefordert, ihre Perspektiven so zusammenzuführen, dass diese Unternehmens- und Familienform in ihrer Vielschichtigkeit begriffen werden kann. Die Familiendynamik hatte bereits in den Heften 4/2001 und 1/2010 diese Unternehmensform in den Blick genommen. Nun liegt mit der aktuellen Ausgabe das dritte Heft zu diesem Feld vor. Offenbar müssen immer wieder neun Jahre vergehen, bis dieses Thema auf die Tagesordnung gelangt … Im Jahre 2001 standen Beiträge im Mittelpunkt, in denen das Spannungsverhältnis von Familie und Unternehmen untersucht wurde. Fritz B. Simon formulierte dies im Titel seines Beitrags pointiert so: »Geld oder Liebe«. Im Kontext von Familienunternehmen handelt es sich jedoch nicht um sich wechselseitig ausschließende Alternativen, sondern um eine Parallelität: Geld und Liebe müssen in ein passendes Verhältnis zueinander gesetzt werden. 2010 wurden diese grundsätzlichen Fragestellungen und Positionierungen dazu bereits vorausgesetzt. Forschung und Theorieentwicklung zu Familienunternehmen hatten sich international und auch in Deutschland etabliert. Als Pionier ist hier das Wittener Institut für Familienunternehmen an der Universität Witten / Herdecke zu nennen, wo ab 1998 zunächst Fritz B. Simon und Rudolf Wimmer sowie ab 2005 Arist v. Schlippe den systemischen Blick auf diese Unternehmens- und Familienform etablierten. Daher ging es in der Ausgabe 2010 nicht mehr um die basalen Bestimmungen des Gegenstandes, sondern um spezifischere Probleme von Familien, für die ein Unternehmen als Kontext ihrer alltäglichen Lebens- und Kommunikationsvollzüge nachhaltige Bedeutung hat.
In der aktuellen Ausgabe ist nun der Vertreter der dritten Generation der systemischen Wittener Perspektive als Mitherausgeber an Bord: Heiko Kleve hat im Juli 2017 den Lehrstuhl für Organisation und Entwicklung von Unternehmerfamilien übernommen. Bereits der Titel zeigt: Jetzt steht explizit die Unternehmerfamilie im Zentrum des Interesses. Denn eine Erkenntnis aus über 20 Jahren Forschung ist, dass eine Theorie des Familienunternehmens immer auch eine Theorie der Unternehmerfamilie sein muss.“

Außerdem gibt es im Heft noch einen Beitrag über Cybermobbing, einen Text über die systemisch-narrative Therapie und einen Artikel über die Praxis des Offenen Dialogs im Umgang mit Psychosen. Alle bibliografischen Angaben und abstracts gibt es hier…

2. Januar 2019
von Tom Levold
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Verhandlungsmacht

Verhandlungsmacht. Konfliktdynamik 4/2018

Die letzte Ausgabe der KonfliktDynamik 2018 beschäftigt sich mit dem Thema Verhandlung und Verhandlungsmacht. Im Editorial heißt es: „»Verhandlungsmacht« – ein facettenreiches Thema für den FOKUS dieser Ausgabe der konfliktDynamik. Sowohl in der Verhandlungstheorie als auch im Rahmen praktischer Verhandlungsführung wird das Instrumentarium von »Verhandlung« und »Macht« mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten diskutiert und eingesetzt, etwa strategisch, ökonomisch, funktional, sozial oder strukturell. Bereits die Charakterisierung einer »Verhandlung« wurde im Rahmen der Gutachterreviews kritisch beleuchtet, sind doch die Definitionen mannigfach. Entsprechend vielfältig sind die Sichtweisen zu den Machtquellen, aus denen sich Verhandlungspositionen ergeben können. In der Gesamtbetrachtung kommt der Verhandlungsmacht insbesondere im Geschäftsleben, aber auch im politischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Umfeld große Bedeutung zu. Es stellen sich damit einhergehend Fragen der Begrenzung eigener Verhandlungspositionen und solche der aktiven Beschränkung des Verhandlungspartners, so durch Strategie, bewusste Beeinflussung (Manipulation, Drohung, Versprechen), Informationsasymmetrie oder Wahl der Verhandlungsmethode. Die Determinierung von Verhandlungsmacht kann zudem von außen stattfinden, so beispielsweise durch staatliche Reglementierung aus sozialen oder rechtlichen (Fairness, Schutz) Gesichtspunkten. Der Status, die berufliche oder persönliche Rolle, die Reputation aber auch die Geduld eines Verhandlungsteilnehmers sind weitere Einflussgrößen von Verhandlungsmacht.”
Zu allen bibliografischen Angaben und abstracts geht es hier…

30. Dezember 2018
von Tom Levold
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Systemisch Meditieren

Bernd Schmid, Wiesloch

Bernd Schmid

Wie so oft kommen wir bei Tisch ins Gespräch, diesmal beim vorweihnachtlichen Frühstück mit unserem Lehrtrainer Markus Schwemmle. Er ist gerade 50 geworden und schafft es, neben 4 kleinen Kindern und dem Aufbau seines Unternehmens sich immer neue Inspirationen rein zu holen. Wir reden davon, inwieweit die Fixierung auf IT-Technik analoge und menschliche Begegnung aushebelt. Oder ist das Pendel bereits wieder am zurückschwingen und das Unbehagen an Überbetonung von Internet und medialer Kommunikation wächst?

Markus erzählt von einem Blog, in dem dargelegt wurde, warum in Asien weniger Scheu besteht, sich z.B. im Alter von einem Roboter pflegen zu lassen. Im Taoismus sei das Göttliche eben auch im Roboter zu finden. Interessant. Hatten wir in unserer christlichen Welt nicht auch so was? Gott in allen Dingen! (Ignatius von Loyola) Was ist dann eigentlich der Unterschied? Mir fällt Luhmann ein und die Frage, was ist die Leitdifferenz, von der ausgehend wir differenziert zu denken versuchen.

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