systemagazin

Online-Journal für systemische Entwicklungen

27. September 2016
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Trialogie 2016 – Am Rande der Wüste. Ein Gespräch

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Vom 18.-25. Februar 2017 wird in Zagora/Marokko die vierte Trialogie-Tagung stattfinden. Im Heft 2/2016 des Kontext ist als eine Art alternativer Tagungsbericht zur Trialogie-Tagung 2016 in Zagora ein Beitrag von Susanne und Anna Altmeyer erschienen. Beide, Mutter und Tochter, haben diesen Bericht als Gespräch entwickelt, das mit freundlicher Genehmigung auch im systemagazin an dieser Stelle veröffentlicht wird.

Susanne und Anna Altmeyer: Am Rande der Wüste

Systemisch tagen in einem Riad am Rande der Sahara – seit 2014 bieten Liane Stephan, Mohammed el Hachimi und Tom Levold im Februar die Gelegenheit dazu auf ihren einwöchigen Trialogie-Tagungen. re-source hieß die erste, re-connect die zweite, re-mind die diesjährige dritte. Fokus sollte diesmal sein die Verbindung zu ungenutzten oder verlorenen Ressourcen oder Ideen und die Vernetzung mit denen von Kollegen und Kolleginnen.

Das Vorhaben fand statt an einem Ort, der ein soziales Projekt beinhaltet: Mohammed el Hachimi hat das Riad mit einem Freund vor Ort vor über 10 Jahren gebaut und lässt es nach und nach in die Selbstorganisation der Menschen vor Ort übergehen. Ziel ist es, die vorher ungenutzten Ressourcen des Ortes zum Wachsen und Blühen zu bringen. Der Gewinn fließt an die Angestellten, die Instandhaltung und in soziale Projekte vor Ort wie Brunnenbau und Beschulung von Mädchen.

Und diesmal endlich passte die Zeit für mich und ich reagierte schon im August auf die ansprechende Ausschreibung und meldete mich an. Und nicht nur mich, sondern auch meine 21jährige Tochter, die interessiert an Marokko und systemischer Therapie ist. Ich nutze die Chance, Informationen über diese Woche aus der Perspektive einer Neu-Einsteigerin ins systemische Feld zu bekommen und stelle ihr einige Fragen zu ihren Erfahrungen bei der Tagung. Weiterlesen →

22. September 2016
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G-BA: Partikularinteressen über das Gemeinwohl?

Das Ärzteblatt berichtete vorgestern, am 20.9., dass eine Studie, die von der privaten Stiftung Münch, hinter der der Rhön-Konzern-Gründer Eugen Münch steht, die Art der Entscheidungsfindung des Gemeinsamen Bundesausschusses „und die starke Abbildung von Partikular­in­teressen wie denen von Krankenkassen, Ärzten, Krankenhäusern sowie Patienten kri­ti­siert. Nach ihrer Ansicht müssten die Entscheidungen des G-BA stärker am Gemeinwohl orientiert sein.“ Justus Haucap, Direktor des Düsseldorfer Institutes für Wettbewerbsökonomie und zwischen 2008 und 2012 Vorsitzender der Monopolkommission der Bundesregierung, ist Hauptautor der Studie. „Als Fazit bemängeln die Autoren, dass es zu wenig Gemeinwohl­orientierung des G-BA gebe, da das Risiko bestehe, dass gegen Gruppen, die nicht im G-BA ver­tre­ten seien, ,Allianzen geschmiedet’ und diese somit benachteiligt würden. ,Es ist möglich, dass hier Partikularinteressen über das Gemeinwohl gestellt werden’, erklärte Haucap.“ Kritisiert wird zudem, dass häufig von Empfehlungen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen IQWIG abgewichen werde. Den Artikel gibt es hier zu lesen, die Studie ist ebenfalls im Internet zu lesen, und zwar hier …

21. September 2016
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2 von 10 der 2015 geborenen Babys hatten eine Mutter mit ausländischer Staatsangehörigkeit

WIESBADEN – Von den insgesamt 738 000 im Jahr 2015 geborenen Kindern hatten 590 000 eine deutsche Mutter und 148 000 eine Mutter mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, stieg damit der Beitrag ausländischer Frauen zu allen Geburten in Deutschland auf 20 %. Zwischen 1996 und 2014 hatte ihr Anteil stabil 17 % bis 18 % betragen.

Die Zahl der Geborenen stieg im Vergleich zum Jahr 2014 insgesamt um 22 650. Dazu trugen vor allem Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit bei (+ 17 280). Die Zunahme der Geborenen von deutschen Frauen fiel dagegen mit + 5 370 Kindern eher gering aus. Der Geburtenanstieg des Jahres 2015 unterscheidet sich damit deutlich von dem des Jahres 2014. Im Jahr 2014 wurden rund 33 000 Kinder mehr als im Vorjahr geboren. Zu dieser Geburtenzunahme hatten mit 22 000 Babys in erster Linie Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit beigetragen. Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit hatten 11 000 Kinder mehr als im Jahr zuvor zur Welt gebracht. Weiterlesen →

19. September 2016
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Ludwig von Bertalanffy (19.9.1901-2.6.1972)

Ludwig von Bertalanffy

Ludwig von Bertalanffy

Heute würde Ludwig von Bertalanffy, der Begründer der „Allgemeinen Systemtheorie“ seinen hundertfünfzehnten Geburtstag feiern (Foto). Auch wenn in der Öffentlichkeit als Biologe bekannt, beschäftigte er sich vorrangig mit naturphilosophischen Fragestellungen, über er die er auch bei Moritz Schlick promovierte, dem Mitbegründer des legendären Wiener Kreises. Ihn beschäftigte die theoretische Integration biologischer, psychologischer, philosophischer und soziologischer Gegenstandsbereiche zu einer allgemeinen Theorie lebender Systeme, für die die Beschäftigung mit Organismen nur den Ausgangspunkt darstellt. Damit nahm er von Anfang an eine transdisziplinäre Perspektive ein, die ein Kennzeichen des systemischen Ansatzes ist. Entscheidender Motor für die Entwicklung der Systemtheorie war Bertalanffys Kritik am reduktionistischen physikalisch-mechanistischen Weltbild seiner Zeit. Dem setzte er ein Verständnis von Organismen als in Bezug auf Austausch von Energie, Materie und Information offene Systeme gegenüber, die sich unter den Gesichtspunkten von Ganzheit, (Selbst-)Organisation, Zielorientierung, Hierarchie, Regulation usw. beschreiben lassen. Damit löste er sich früh vom klassischen „Paradigma des Ganzen und seiner Teile“ und ersetzt diese „traditionelle Differenz (…) durch die Differenz von System und Umwelt“, woran später auch Luhmann mit seiner Theorie sozialer Systeme anschloss. Sein Hauptwerk „General System Theory. Foundations, Development, Applications“ kann man übrigens jetzt auch im Internet lesen, eine gute, aber ebenfalls englischsprachige Einführung gibt es von dem polnisch-kanadischen Sozialwissenschaftler Thaddus E. Weckowicz (1919-2002), die bereits 1989 als Working Paper No. 89-2 des Center for Systems Research in Edmonton AB: University of Alberta erschienen und hier zu lesen ist.

 

16. September 2016
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A Tale of Two Epistemologies: Wider eine individualistische Diagnostik

Norbert Wetzel gehört zum Urgestein der deutschsprachigen Fwetzel_norbertamilientherapie-Szene. Er gehörte Mitte der 70er Jahre mit Ingeborg-Rücker-Embden und Michael Wirsching zu den ersten Mitarbeitern von Helm Stierlin an der Abteilung für „Psychoanalytische Grundlagenforschung und Familientherapie“ der Universität Heidelberg. Ergebnis dieser Zusammenarbeit war der Band „Das erste Familiengespräch“, in der 8. Auflage immer noch auf der Backlist von Klett-Cotta. Anfang der 80er Jahre übersiedelte er in die USA, wo er von 1980 bis 1991 Paar- und Familientherapie an der Rutgers’ Graduate School of Applied and Professional Psychology unterrichtete. 1982 gründete er gemeinsam mit Hinda Winawer das Princeton Family Institute, das den Schwerpunkt seiner Arbeit auf die Unterstützung von Menschen legt, die aufgrund ihrer sozialen und ökonomischen Lage oder ihrer ethnischen, religiösen oder sexuellen Identität benachteiligt werden. Therapeutische und beraterische Angebote sind vor diesem Hintergrund zwangsläufig auf den erweiterten Kontext der Familie, Nachbarschaft und Gemeinde bezogen. Betrachtet man die Menschen in ihrem Lebenskontext, zeigt sich, dass diagnostische Klassifikationen wie das DSM oder die ICD dieser Perspektive in keiner Weise gerecht wird. In einem interessanten Text, den Norbert Wetzel im Internet veröffentlicht hat, kritisiert er, dass auch die berechtigte Kritik am DSM, nämlich dass sie die Medikalisierung der Psychotherapie weiter vorantreibt, an dieser Stelle zu kurz greift, weil sie die damit verbundene individualistische Perspektive noch längst nicht aufhebt. Statt des dieser individualistischen Perspektive zugrunde liegenden Paradigmas eines „Objektiven Realismus“ fordert Wetzel einen „relationalen, perspektivischen Realismus”. Weiterlesen →

15. September 2016
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Kultur und Migration IV

ZSTB-2016-03

Von den deutschsprachigen systemischen Zeitschriften setzt sich die Zeitschrift für Systemische Therapie und Beratung unter ihrer Herausgeberin Cornelia Tsirigotis in ganz besonderem Maße mit dem Thema Kultur und Migration auseinander. Das aktuelle Heft 3/2016 ist das vierte Themenheft in den vergangenen Jahren und bezieht sich in erster Linie auf die Arbeit mit Flüchtlingen. Im Editorial schreibt Tsirigotis: „Die größten Fluchtbewegungen auf der Welt seit dem Ende des zweiten Weltkriegs, eine beeindruckende Unterstützungs- und Hilfewelle, die unglaublich schnelle Wiedererrichtung von Stacheldraht in Europa, ein besorgniserregender Wertewandel mit gewaltigem politischen und kulturpolitischem Ausmaß, der zugleich schleichend und wenig wahrnehmbar erscheint- seit dem letzten Heft zu diesem Thema vor einem Jahr hat sich eine aus meiner Sicht sehr rasante Entwicklung in unterschiedliche Richtungen vollzogen, die ihre Schatten zwar vorauswarf und zugleich noch schwer vorstellbar erschien. Grund genug also, sich im diesjährigen Heft der ZSTB zum Themenschwerpunkt Kultur und Migration der Arbeit mit Geflüchteten zuzuwenden. Dazu wurden Autorinnen und Autoren aus unterschiedlichen Kontexten eingeladen. Den Auftakt der Beiträge zum Thema „Systemisches Arbeiten mit Geflüchteten“ macht Alexander Korittko. Als Spezialist für eine systemische Perspektive auf Trauma und traumatischen Stress beschreibt er in seinem Beitrag, dass mit dem Ankommen in Deutschland der traumatische Stress für die Geflüchteten noch kein Ende hat und dass es viel länger dauert, bis von post-traumatischer Belastung gesprochen werden kann. Haja Malter und Kerstin Schmidt richten ihre Perspektive auf kultursensibles systemisches Denken und Handeln in der Arbeit mit Geflüchteten. Gleich zwei Beiträge beschäftigen sich mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen: Angela Teresa Ott zeigt die Erfordernisse professioneller psychosozialer Hilfe an berührenden Beispielen auf. Mahsa Mitchell bereichert systemische Sichtweisen durch einen psychoanalytischen Blick auf die eindrucksvollen Träume von unbegleiteten jugendlichen Geflüchteten.“ Darüber hinaus runden Beiträge von Kirsten Dierolf und Johannes Herwig-Lempp das Heft ab. Alle abstracts und bibliografischen Angaben gibt es wie immer hier…

13. September 2016
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1,9 % mehr Schwangerschaftsabbrüche im 2. Quartal 2016

WIESBADEN – Im zweiten Quartal 2016 wurden knapp 25 000 Schwangerschafts­abbrüche in Deutschland gemeldet. Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, waren das 1,9 % mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Knapp drei Viertel (73 %) der Frauen, die im zweiten Quartal 2016 einen Schwangerschaftsabbruch durchführen ließen, waren zwischen 18 und 34 Jahre alt, 17 % zwischen 35 und 39 Jahre. Rund 7 % der Frauen waren 40 Jahre und älter. Die unter 18-Jährigen hatten einen Anteil von 3 %. Rund 39 % der Frauen hatten vor dem Schwangerschaftsabbruch noch keine Lebendgeburt.

96 % der gemeldeten Schwangerschaftsabbrüche wurden nach der Beratungsregelung vorgenommen. Medizinische und kriminologische Indikationen waren in 4 % der Fälle die Begründung für den Abbruch. Die meisten Schwangerschaftsabbrüche (62 %) wurden mit der Absaugmethode (Vakuumaspiration) durchgeführt, bei 21 % wurde das Mittel Mifegyne® verwendet. Die Eingriffe erfolgten überwiegend ambulant, und zwar 78 % in gynäkologischen Praxen und 18 % ambulant im Krankenhaus. 7 % der Frauen ließen den Eingriff in einem Bundesland vornehmen, in dem sie nicht wohnten.

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres ist die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche um 0,8 Prozent auf 51 200 gegenüber dem ersten Halbjahr 2015 gestiegen.

Detaillierte Informationen zu den Schwangerschaftsabbrüchen sind in den Tabellen Schwangerschaftsabbrüche (23311) in der Datenbank GENESISOnline abrufbar.

Quelle: Pressemitteilungen – 1,9 % mehr Schwangerschaftsabbrüche im 2. Quartal 2016 – Statistisches Bundesamt (Destatis)

12. September 2016
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Klinische Familienpsychologie. Familien verstehen und helfen

Wolfgang Loth, Bergisch Gladbach:

Wolfgang Hantel-Quitmann ist Professor für Klinische Psychologie und Familienpsychologie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. In den 1990er Jahren hat er mit seinem vierbändigen Arbeits- und Lesebuch „Beziehungsweise Familie“ auf sich aufmerksam gemacht und hat seitdem eine Reihe von praxisorientierten Büchern zu Paarbeziehungen und zu Familienpsychologie veröffentlicht. Mit dem nun vorliegenden Kompendium zur Klinischen Familienpsychologie schließt er daran an. 0999_HantelQuitmann_Basiswissen.inddDie Klinische Familienpsychologie habe „eine stürmische Entwicklung hinter sich“, heißt es im Vorwort. „Sie hat als Systemtheorie und als Familientherapie mit einem revolutionären Schwung begonnen. Die Systemtheorie musste einsehen, dass sich mit ihr nicht alles erklären, und die Familientherapie musste einsehen, dass sich mit ihr nicht alles behandeln lässt“ (S. 12). Hantel-Quitmann sieht jetzt ihren Platz innerhalb einer „integrativen Therapie-Theorie“. Im Vergleich zu den engagierten Debatten um ein umfassenderes Verständnis Systemischer Therapie erscheint das vorliegende Buch somit wie ein Gruß aus der Umwelt. Entsprechend wenig finden sich hier Bezüge zu explizit systemischen Konzeptionen. Dennoch erscheint mir die Lektüre des vorliegenden Bandes interessant und nützlich, vielleicht sogar gerade wegen dieser recht eindeutigen Position außerhalb des systemischen Debattengeschehens. Aus den vorzüglichen, teils ungemein spannenden Beschreibungen familiärer Verstörungen, Konfliktthemen und Leidenserfahrungen ergeben sich immer wieder Anregungen hinsichtlich des Zusammentreffens der eher formal-grammatikalisch ansetzenden spezifisch systemischen Praxisideen mit den Lebenswirklichkeiten von Ratsuchenden. Hier bordet Hantel-Quitmann geradezu über vor Erfahrungswissen und Forschungserkenntnissen zu den Fragen substanziell verstörten Familienlebens. Weiterlesen →

8. September 2016
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Neoliberaler Alltag, Migration und Flucht, systemisches Know-how – DGSF-Jahrestagung in Frankfurt

Unter der Überschrift „Unser neoliberaler Alltag“ widmet sich die diesjährige wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF) gesellschaftpolitischen Fragen. „Migration und Flucht“ ist ein weiterer Schwerpunkt des Kongresses vom 22. bis 24. September 2016 in der Frankfurter Goethe-Universität, zu dem rund 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet werden.

Eröffnet wird die Tagung von Armutsforscher Professor Christoph Butterwegge mit dem Vortrag „Armut, Prekarität und soziale Ausgrenzung in Deutschland“. Weitere Vortragende des gesellschaftpolitischen Themenstrangs sind unter anderem die international renommierte Soziologieprofessorin und Wirtschaftwissenschaftlerin Saskia Sassen, der radikale Wachstumskritiker Professor Niko Paech und Professor Claus Leggewie, Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen.

Der DGSF-Kongress steht unter dem Motto: „Systemisch – Wirksam – Gut“ und thematisiert ein breites Spektrum von bewährten und innovativen Methoden „systemischer Veränderungsarbeit“. Veranstalter der DGSF-Jahrestagung 2016 auf dem Campus Westend der Frankfurter Uni ist die wispo AG – Wissenschaftliches Institut für systemische Psychologie und Organisationsentwicklung, Frankfurt/Wiesbaden.

Das Tagungsprogramm findet sich unter www.dgsf-tagung-2016.de.

28. August 2016
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George Spencer-Brown (2.4.1923-25.8.2016)

Im hohen Alter von 93 Jahren ist George Spencer-Brown am 25. August gestorben. Berühmtheit hat der britische Mathematiker durch sein Hauptwerk Laws of Form erlangt, deren wichtigster Rezipient Niklas Luhmann war, der auf der Differenztheorie Spencer-Browns seine eigene soziologische Theorie Sozialer Systeme aufbaute. In Wikipedia heißt es über die Laws of Form u.a.: „Sein Hauptwerk sind die Laws of Form (deutsch: Gesetze der Form) aus dem Jahr 1969. Es behandelt klassische Probleme der Logik in einer heute unüblichen Herangehensweise. Das besondere ist, dass Spencer-Brown für seine „Gesetze“ lediglich zwei verschiedene Zeichen benutzt: Zum einen das bekannte Gleichheitszeichen, zum anderen eine Art Negations- oder Abgrenzungs-Operator. Das Buch ist unter Experten umstritten: Die einen betrachten es als genial, andere als zwar originell, aber vom Erkenntniswert banal, weil es lediglich eine operationale Umformulierung der Aussagenlogik darstelle. Tatsächlich folgt der Kalkül früheren Versuchen von Charles Sanders Peirce und Maurice Sheffer,[…] die Boolesche Algebra mit nur einem Zeichen zu schreiben. Spätere Arbeiten von Peirce, zunächst entitative, dann existentielle Graphen zu schreiben,[…] mit denen dieses Ziel weiterverfolgt werden konnte, blieben Spencer-Brown nach eigener Aussage unbekannt. Die Originalität des von Spencer-Brown in den Laws of Form entwickelten Calculus of Indications liegt in der Einführung des unmarked state und der Entdeckung seiner Bedeutung. Erst mit dem unmarked state wird der Kalkül selbstreferenz- und paradoxietauglich.[…] Auf dem Umweg über the void führt die Form der Unterscheidung zurück auf den Beobachter, der die Unterscheidung trifft. Dabei wird die Unterscheidung (und mit ihr der Beobachter) jedoch zugleich, was sie nicht ist, eine Referenz auf die Ununterscheidbarkeit als Voraussetzung jeder Unterscheidung.[…] Die Laws of Form haben unter anderem das Denken der Wissenschaftler Heinz von Foerster, Louis Kauffman, Niklas Luhmann, Humberto Maturana und Francisco Varela beeinflusst und geprägt.[…]  Weiterlesen →

27. August 2016
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„Mr Trump’s campaign now has all the classic signs of a failed family business“

In einem interessanten Economist-Article (danke an Arist von Schlippe für den Hinweis) wird der Versuch von Donald Trump kritisch analysiert, Politik und die Präsidentschaftswahlen in den USA als Familienunternehmen zu führen – und dabei zu scheitern: „And before dismissing the Trumps’ dynastic campaign as a weird aberration it is worth remembering that America is no stranger to political families. The Donald may be the first candidate to run his campaign like a family business but the Adamses, Kennedys, Rockefellers, Bushes and, of course, the Clintons have all regarded politics as a family business. Hillary Clinton is as professional as Mr Trump is slapdash. Yet there are some similarities. Mrs Clinton relies heavily on family members—not just on her husband, Bill, but also on her daughter, Chelsea. (The similarities between Chelsea and Ivanka are uncanny: they are, among other things, both in their mid-30s, and both married to men whose fathers have done time in prison). Mrs Clinton is also prey to conflicts of interest, particularly over the Clinton Foundation, which would be much more fiercely debated now if it weren’t for Mr Trump’s follies. Even if he loses the election America will not be rid of the problems that are created when families, businesses and politics“. Quelle: The Economist

24. August 2016
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International Systemic Research Conference 2017 Heidelberg: Third Announcement

Im März 2017 findet die nächste systemische Forschungstagung in Heidelberg statt. Jochen Schweitzer und Matthias Ochs laden als Konferenzpräsidenten dazu mit diesem Schreiben ein:

Liebe Freundinnen und Freunde,

wir möchten Sie gern erneut ganz herzlich zur International Systemic Research Conference vom 8. – 11. März 2017 nach Heidelberg einladen. Bis zum 1. Oktober haben Sie die Möglichkeit, sich zum Frühbuchpreis anzumelden – einfach und schnell via www.isr2017.com/register/.

Es wird sieben Keynote-Vorträge, 40 Symposia und 20 Workshops zu Forschungsmethoden geben, inklusive einem abwechslungsreichen Abendprogramm um Heidelberg.

Die APA-Präsidentin Susan McDaniel wird die Konferenz eröffnen, Psychotherapiepioniere Peter Fonagy und Eia Asen halten den Schlussvortrag.

Es wird spannende Beiträge zu systemtheoriebasierter Forschung in den Bereichen der Psychotherapie, Organisationberatung, Sozialen Arbeit und Sozialpolitik geben. Zu den prominenten Themen gehören Relationale Neurobiologie, die Vor- und Nachteile psychiatrischer Diagnosen, Flüchtlingshilfe, psychische Gesundheit im Beruf sowie Emotionen bei Paaren und innerhalb von Unternehmen.

Führende KollegInnen aus den Bereichen der systemischen Therapie und Beratung, die HerausgeberInnen zahlreicher systemischer Fachzeitschriften sowie die PräsidentInnen und Vorstandsmitglieder systemischer Verbände werden anwesend sein. Wir freuen uns über die bisherigen Anmeldungen von TeilnehmerInnen aus ganz Europa, Nordamerika, Ostasien und Südafrika.

Es gibt noch einige wenige offene Programmformate für Kurzvorträge und Posterpräsentationen – wenn Sie Ihre Ideen und Arbeiten einbringen möchten, reichen Sie bitte bald ihre Vorschläge ein.

Mit freundlichen Grüßen und besten Wünschen,

für das Konferenzteam

Jochen Schweitzer and Matthias Ochs (Konferenzpräsidenten)

Antonia Drews (Konferenzsekretariat)