Liebe systemagazin-Leserinnen und -Leser,
wie jedes Jahr möchte ich Sie auch in diesem Jahr wieder einladen, einen kleinen Beitrag für den systemagazin-Adventskalender beizusteuern. Seit langer Zeit ist er der geneigten Leserschaft lieb geworden, die Beiträge werden gerne gerne gelesen und diskutiert. Nie war er am 1.12. fertig, sondern immer für mich eine Art „Work in Progress“ – und mit der Spannung verbunden, ob alle Türchen bis zum 24.12.2018 besetzt werden. Auch dieses Mal bin ich zuversichtlich, dass das klappt.
Wie in den vergangenen Wochen möchte ich auch den diesjährigen Kalender Jahr unter ein Leithema setzen. Die 10er Jahre dieses Jahrhunderts sind für die systemische Szene sehr stark von den Bemühungen um die sozialrechtliche Anerkennung der Systemischen Therapie als kassenfinanziertes Therapieverfahren gekennzeichnet gewesen. Gleichzeitig sind die systemischen Verbände SG und DGSF außerordentlich gewachsen, der systemische Ansatz ist in vielen Bereichen psychosozialer Arbeit nicht nur populär geworden, sondern nimmt oft schon eine fast dominante Rolle ein. Das Label „systemisch“ ist überall zu finden, aber ist auch immer „systemisch“ drin, wenn „systemisch“ drauf steht? Und wohin führt uns das?
Mich würden Ihre Ideen, Hypothesen und Prognosen interessieren, wohin sich das systemische Feld in den kommenden Jahren entwickeln wird. Welche Konzepte werden Bestand haben, welche kommen unter die Räder (des Mainstreams, des Fortschritts, des Rückschritts)? Was bleibt in Erinnerung, was wird vergessen? Was geschieht mit den Verbänden, Instituten und Interessengruppen? Mit welchen Auflösungen, Spaltungen, Fusionen und Neuformationen wird zu rechnen sein? Was wird man in 10 Jahren unter „systemisch“ verstehen? Wie schätzen Sie Ihre eigene Zukunft unter diesen Prämissen ein? Angenommen, Sie schauen 2028 auf 10 turbulente Jahre zurück, was ist alles an erfreulichen und deprimierenden Ereignissen geschehen?
Da wir in die Zukunft schauen, sind Ihrer Phantasie keine Schranken gesetzt. Wie immer bleibt die Form Ihnen ganz überlassen. Analysen, Pamphlete, zirkuläres Hypothetisieren, reflektierende Dialoge, Horoskope, Briefe aus der Zukunft in die Vergangenheit, Geschichten, Weissagungen, Satire, persönliche Bekenntnisse – alles hat seinen Platz, und der ist im Internet nicht begrenzt. Kleine Bedingung: Ihr Text sollte etwas mit den gestellten Fragen zu tun haben 🙂
Ich hoffe, dass ich Ihnen Lust gemacht habe, ein Türchen zu gestalten und freue mich schon jetzt auf alle Zusendungen an: levold@systemagazin.com – für alle wird Platz im Kalender sein (auch wenn es mehr als 24 werden sollten).
Mit herzlichen Grüßen
Tom Levold
Herausgeber systemagazin


Heute vor 20 Jahren ist Niklas Luhmann (8.12.1927 – 6.11.1998) gestorben. Auch wenn sein primäres Interesse einer Systemtheorie der Gesellschaft galt, ist seine Ausstrahlung und Bedeutung im Feld der systemischen Beratung und Therapie ungebrochen. In der Zeitschrift systhema haben Haja Molter und Karin Nöcker 2012 versucht, Aspekte der Theorie der sozialen Systeme nach Niklas Luhmann, insbesondere seiner Kommunikationstheorie, auf den Nutzen und mögliche Konsequenzen für die systemische Praxis zu befragen.
Heute feiert Fritz B. Simon seinen 70. Geburtstag (auch die systemischen Youngster der frühen 80er kommen in die Jahre 🙂 – und systemagazin lässt ihn hochleben. Seine vielfältigen Beiträge zur Entwicklung der systemischen Theorie, Praxis und Weiterbildung in den Feldern der Psychotherapie, Beratung, Supervision, Coaching, Organisationsentwicklung sind gar nicht mehr zu zählen, die Liste seiner Bücher und Aufsätze zu allen möglichen Themen und Fragestellungen könnte schon selbst ein kleines Buch ergeben – mit dem Carl-Auer-Verlag hat er den ersten rein systemisch orientierten Verlag mitbegründet. Seine internationalen Aktivitäten, vor allem die Entwicklung der systemischen Therapie in China und seine Arbeit für die Europäische Familientherapie-Vereinigung EFTa, nicht zu vergessen. All das hier noch einmal aufzuzählen, hieße Eulen nach Athen tragen.




