Heute vor 15 Jahren starb der Soziologe und Sozialtheoretiker Niklas Luhmann, dessen Werk im systemischen Feld mehr denn je beträchtliche Resonanz erhält. Gleichwohl dürfte die Lektüre seiner komplexen, abstrakten und weitausgreifenden Texte für viele Leserinnen und Leser keine leichte Übung (gewesen) sein. Martin Hafen (Foto: www.fen.ch), der an der Hochschule für Soziale Arbeit in Luzern am Institut für Sozialmanagement, Sozialpolitik und Prävention auch Systemtheorie lehrt, setzt sich in einem Beitrag für die Systemische Bibliothek im systemagazin mit seinen eigenen Lektüreerfahrungen, ihren biografischen Auswirkungen und ihrer Umsetzung in die Tätigkeit als Dozent auseinander. In seinem Fazit hält er fest: Wenn ich auf die 17 Jahre seit der ersten Konfrontation mit der soziologischen Systemtheorie zurückblicke, dann bereue ich den Entscheid nicht, bereits in der ersten Phase meines Studiums den Fokus auf diese Theorie zu richten. Die Systemtheorie hat mir (als Spätstudierendem) einen beruflichen Werdegang eröffnet, der in dieser Form ohne meine umfassende Nutzung der Theorie nicht möglich gewesen wäre. Andererseits habe ich auch gelernt, dass es in bestimmten Kontexten (z.B. der Eingabe von Forschungsprojekten) auch klug sein kann, die Fokussierung auf Systemtheorie ein wenig in den Hintergrund zu stellen. Zudem bringt mich die Auseinandersetzung mit andern Theorien in Soziologie, Philosophie, Psychologie etc., auch als Systemtheoretiker weiter, und ich bedaure, dass ich in der Zeit vor meinem Soziologiestudium fast ausschliesslich Belletristik gelesen und mich kaum mit Theorien auseinander gesetzt habe. Schliesslich schätze ich auch den Einfluss, den die Theorie auf meine persönliche Entwicklung gehabt hat. Die theorie-geleitete Beobachtung der Welt hat meine privaten und berufliche Orientierungssicherheit erhöht und mich gleichzeitig mit einem gut entwickelten Kontingenzbewusstsein ausgestattet, das mir ermöglicht, der Entwicklung der Dinge gelassener gegenüber zu stehen, als dies vor meinem ersten Kontakt mit der Theorie der Fall war. Ich kann andern daher nur empfehlen, sich auf das Abenteuer einer vertieften Auseinandersetzung mit der soziologischen Systemtheorie einzulassen – im vollen Bewusstsein, dass sich die Erfahrungen von den meinen unterscheiden werden. Ob im guten oder schlechten, das kann nur die Zukunft (resp. die zukünftige Gegenwart) zeigen.
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6. November 2013
von Tom Levold
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Heute wird Salvador Minuchin, einer der großen Pioniere der Familientherapie – tja, es ist nicht klar, ob er nun heute 90 oder schon 92 Jahre alt wird. Im Internet sind unterschiedliche Angaben zu finden. Auf jeden Fall hat er heute Geburtstag und systemagazin gratuliert von Herzen. Seinen Ansatz der strukturellen Familientherapie hat er in den frühen 60er Jahren in der Arbeit mit deklassierten Familien und ihren delinquenten Jugendlichen entwickelt – der Klassiker„Families of the Slums“ gehört zu den wichtigsten familientherapeutischen Büchern, ist aber leider nie ins Deutsche übersetzt worden. Minuchin wurde in San Salvador in Argentinien geboren, ist Pädiater und Kinderpsychiater und leitete in den 60er Jahren die berühmte Child Guidance Clinic in Philadelphia. Seit Ende der 80er Jahre leitete er ein eigenes Ausbildungsinstitut in New York, auch jetzt noch im hohen Alter ist er immer noch tätig.Einen guten Überblick über seinen strukturellen Ansatz findet sich im Überblicksband familientherapeutischer Konzepte und Methoden von Michael P. Nichols und Richard C. Schwartz (Pearson, Australien), der auch im Internet