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Online-Journal für systemische Entwicklungen

OSC – Organisationsberatung Supervision Coaching 2022

Heft 1

Bäcker, Rainer & Heidi Möller (2022): Editorial: Agile Erzählungen. In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 29 (1), S. 1-4.

Erlinghagen, Robert (2022): Agilität – Angepasste Individualität. In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 29 (1), S. 5-19.

Abstract: Agilität bedeutet Anpassungsfähigkeit. Zugleich werden agile Konzepte und Methoden oft gleichgesetzt mit dem Ausbau von Selbstorganisation, von Empowerment, von Möglichkeiten zur Entfaltung individueller Potenziale. Das Spannungsverhältnis zwischen dem Zwang zur Anpassung und der Freiheit zur Selbstentfaltung wird bei der Auseinandersetzung mit dem Schlagwort Agilität gern übersehen. Dieser Beitrag skizziert einige Facetten dieses Spannungsverhältnisses und die Herausforderungen, die sich daraus für Supervisor/innen, Coaches und Organisationsberater/innen ergeben.

Bäcker, Rainer (2022): Agile (Ver‑)Führung – Psycho-Logie eines Mindset. In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 29 (1), S. 21-35.

Abstract: Seit einigen Jahren ist Agilität in Unternehmen und Organisationen auf dem Vormarsch. Während es zunächst um die Anwendung agiler Arbeitsmethoden ging, tritt zunehmend die komplette agile Transformation von Organisationen und die Etablierung eines agilen Mindset in den Vordergrund. Zeit also, sich von Seiten der Psychologie damit zu befassen, was es mit dieser Sehnsucht nach Agilität psychologisch auf sich hat. Deshalb haben wir eine psychologische Studie mit Tiefeninterviews durchgeführt, und sind dabei auf interessante Erkenntnisse zu einer „Psychologie des Agilen“ gestoßen.

Musati, Martina (2021): Agilität – ein Organisationsmodell für öffentliche Verwaltungen. In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 29 (1), S. 37-49.

Abstract: Dieser Artikel zeigt auf, weshalb das Organisationsmodell Agilität als Reformkonzept für öffentliche Verwaltungen geeignet ist und einen wesentlichen Beitrag zu den noch offenen Themen aus bisherigen Reformen leisten kann. Dies wird entlang den Dimensionen Legitimation (Strategie), Governance (Struktur und Prozesse), Digitalisierung (Technik) und Führung begründet. Führungskräften in öffentlichen Verwaltungen kommt eine zentrale Schlüsselrolle bei den anstehenden Reformen zu. Das Führungsset „Agile Five“, das eine Kombination von fünf zentralen Leadership-Konzepten umfasst, befähigt Führungskräfte, die nächsten Reformschritte anzugehen.

Möller, Heidi & Thomas Giernalczyk (2021): New Leadership – Führen in agilen Unternehmen. In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 29 (1), S. 51-66.

Abstract: Das Prinzip der Agilität stellt Führungskräfte vor die Herausforderung, Führung neu zu denken und umzusetzen. Sie verlieren Positionsmacht und müssen sich auf Augenhöhe einlassen und ihre Macht teilen. Unsere Reflexionsfragen helfen Führungskräften, vom „Nowland“ zum „Nextland“ zu kommen. Wir zeigen auf, wie sie durch agile Führung Handlungsspielraum und Einfluss auf gesellschaftliche Entwicklungen gewinnen, und stellen das Konzept „Psychologische Sicherheit“ als hilfreiche Methode zur Selbststeuerung vor.

Lobbe, Carmen Elisabeth & Kathrin Reinke (2021): Das Potenzial Positiver Psychologie in der Arbeitswelt. In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 29 (1), S. 67-81.

Abstract: Das Wohlbefinden von Mitarbeitenden ist ein entscheidender Einflussfaktor für diverse organisationale Erfolgsgrößen wie Arbeitsleistung oder -zufriedenheit. Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Frage, ob und durch welche Wirkmechanismen Interventionen der Positiven Psychologie das Wohlbefinden in Arbeitnehmerstichproben erhöhen und organisationale Ergebnisgrößen beeinflussen können. Die Studienergebnisse unter Einbezug bisheriger Forschung legen nahe, dass Positive Interventionen bei langfristiger Anwendung das Potenzial haben, Wohlbefinden und persönliche Ressourcen von Beschäftigten zu steigern. Implikationen für die Praxis werden diskutiert.

Urbon, Pierre-Pascal (2022): Im Osten was Neues – Agile Transformation bei KOMSA. In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 29 (1), S. 83-96.

Abstract: Der europäische ITK-Dienstleister KOMSA setzte unter Führung des neuen Vorstandsvorsitzenden und Finanzvorstands Pierre-Pascal Urbon mit dem Projekt Transformation 2020 in nur 7 Monaten die größte Veränderung seit der Unternehmensgründung um. Mit den Ideen und Impulsen der Mitarbeiter hat KOMSA die Komplexität reduziert und eine neue Führungs- und Steuerungsfunktion eingeführt. Im Rahmen des Projekts führte der Vorstand eine Leadership Journey durch, um ein neues Führungsverständnis zu vermitteln. Die Umsetzung erfolgte mit agilen Methoden, sowohl vor Ort als auch aus dem Home-Office. Der Artikel beschreibt die Ausgangslage, die Mentalität der Mitarbeiter des sächsischen Familienunternehmens, den Prozess sowie die Sichtweisen der Aufsichtsratsvorsitzenden Kerstin Grosse und der Führungskraft Andrea Fiedler-Braunschweig.

Staff, Jörg (2022): Agile Transformation. In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 29 (1), S. 97-108.

Abstract: Aufgrund des derzeit enormen Veränderungsdrucks in der Finanzbranche begann die Fiducia & GAD IT AG (heute Atruvia AG) eine disruptive Transformationsreise. Dieser Artikel beleuchtet, wie crossfunktionale, standortübergreifende und hierarchieübergreifende Teams mit agilen Methoden in Sprints die Transformation des Unternehmens aktiv gestalten. Von einer Aufbauorganisation mit mehr Eigenverantwortlichkeit (Ende zu Ende) am Ort der Fachkompetenz und kleinen, flexiblen Einheiten, über ein Rollenmodell, in dem die neue Führung von Teams auf zwei Personen aufgeteilt ist (fachliche und personelle Führung), bis hin zu neuen Karrieremodellen und Lernreisen. Auch die dazu notwendigen Rahmenbedingungen, sowohl tarifvertraglich, als auch räumlich (aktivitätsbezogene Arbeitsplätze) und ein kulturelles Umdenken – auch im Vorstand – sind essenziell.

Bachmann, Thomas (2022): New Organizing: Ein Gespräch über New Work und Agilität. In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 29 (1), S. 109-116.

Abstract: Im folgenden Artikel werden die Entstehung, Entwicklungen und Auswirkungen von New Work und die damit verbunden Konzepte im Dialog zwischen Experten und Expertinnen aus Organisationspsychologie und Beratung diskutiert. Schwerpunkte des Gesprächs sind die derzeitigen Umbrüche in der Arbeitswelt, das Spannungsfeld zwischen New Work und Old Work, Auswirkungen auf Berufswege, Entgrenzung der Arbeit, das agile Mindset, die Rolle des Managements bei agilen Transformationsprojekten sowie die neuen Anforderungen an Beratung in diesem Feld.

Hagemann, Alexander, Nathalie Lehmann & Kim Marsh (2022): Rechte Radikalisierung und Deradikalisierung – Perspektiven in der psychologischen Beratung. Zum Film „Skin“ von Guy Nattiv. In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 29 (1), S. 117-129.

Abstract: Vor dem Hintergrund des Films „Skin“ von Guy Nattiv (2018) wird ein Einblick in die Dynamiken von Radikalisierungsprozessen gegeben unter Einbeziehung einer multifaktoriellen Perspektive. In einem zweiten Schwerpunkt werden die Gelingens- und Rahmenbedingungen von Deradikalisierungsprozessen erörtert. Der Beitrag schließt mit der Darstellung eines Beratungsansatzes zur Deradikalisierung.

Buer, Ferdinand (2022): Demokratie praktizieren durch ästhetisch-emotionale Bildung in Prozessen professioneller Beratung. Rezension – Josef Früchtl (2021): Demokratie der Gefühle. Ein ästhetisches Plädoyer. Hamburg (Meiner). In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 29 (1), S. 131-134.

Webers, Thomas (2022): Konsolidierung und Weiterentwicklung im Business-Coaching. Rezension – Christopher Rauen (Hrsg.)(2021): Handbuch Coaching (4., vollst. überarb. u. erw. Aufl.). Göttingen (Hogrefe). In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 29 (1), S. 135-136.

Webers, Thomas (2022): Coaching meets Research – Coaching Essentials 1980–2050. 6. Internationaler Coaching-Fachkongress (Online) 18. bis 19. November 2021. In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 29 (1), S. 137-139.


Heft 2

v. Schlippe, Arist & Christoph Schmidt-Lellek (2022): Editorial: Geschichten – „Gebilde aus Zuckerwatte“. In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 29 (2), S. 143-146. 

Gruber, Doris (2022): Creative Narratives: Erzähl- und diskursanalytische Ansätze in der Beratung. In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 29 (2), S. 147-162. 

Abstract: Im Beitrag werden Ansätze aus Erzähltheorie, Text- und Diskursanalyse in einen Zusammenhang mit Beratungsprozessen gebracht. Beratung ist gemeint als prozessorientierte Beratung: Coaching, Supervision und Organisationsberatung über das zentrale Medium der Sprache. Diskutiert werden 1. psychoanalytische Zugänge zu Sprache und hermeneutischer Praxis; 2. die Rolle von Kreativität im Hinblick auf literarische und Beratungsprozesse; 3. diskursanalytisch geprägte Fragen nach Macht und Historizität und ihre mögliche Relevanz für Beratungsprozesse. Daraus ergeben sich neue Betrachtungen für das Verständnis von Beratungsprozessen sowie die Rolle der beratenden Person.

Erlach, Christine & Michael Müller (2022): Was zählt, steckt in den Geschichten. Storylistening-Methoden in der narrativen Organisationsentwicklung. In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 29 (2), S. 163-178. 

Abstract: Narrative Methoden sind in der Organisationsentwicklung in den letzten Jahren immer wichtiger geworden: Organisationsentwickler:innen und -berater:innen entdecken zunehmend, in welchem Ausmaß narrative Strukturen Kultur, Grundannahmen, Handlungsmuster, Sinnstiftung und Werte in einer Organisation bestimmen. Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem Storylistening zu, also der Arbeit mit den Geschichten, die in der Organisation vorhanden sind oder in geschützten Erzählräumen produziert werden. Dieser Beitrag stellt die Grundlagen dieses Ansatzes dar und beschreibt wichtige Storylistening-Methoden für Change, Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch.

Gehmann, Ulrich (2022): Management und Mythos. In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 29 (2), S. 179-191. 

Abstract: Management ist beileibe kein nur rationaler, lediglich auf Funktionalität hin orientierter Vorgang. Der Beitrag behandelt die mythische Natur des Managements und dessen weltanschaulichen Grundlagen, die als „ungedacht Gewusstes“ wirksam sind. Der Managementmythos erzeugt die Wirklichkeiten, die ihm gemäß sind, von leitenden Annahmen bis zu praktischen Ergebnissen wie etwa der Wertschöpfungskette. Die so geschaffenen ökonomischen wie lebensweltlichen Wirklichkeiten dienen nun zur Rechtfertigung des Mythos.

Balz, Hans-Jürgen & Marascha D. Heisig (2022): Selbstführung und Selbstfürsorge – Leitbegriffe im Führungskräfte-Coaching? In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 29 (2), S. 193-208. 

Abstract: Mit der Stärkung der Selbstführungskompetenz und der Selbstfürsorge werden Antworten auf komplexe Führungsanforderungen und die in diesem Zusammenhang erlebten psychischen Belastungen gesucht. Der Beitrag beschreibt und vergleicht die Begriffe Selbstmanagement, Selbstführung, Selbstfürsorge und Achtsamkeit, ordnet diese in ihren theoretischen und Anwendungsbezügen ein. Es wird die Frage diskutiert, welchen Stellenwert die Konzepte im Kontext von Coaching einnehmen und inwieweit sie einen Beitrag zur Profilbildung des Führungskräfte-Coachings leisten können.

Gutjahr, Fabienne & Heidi Möller (2022): Weinen im Coaching – oder: Gehört der Taschentuchspender in jede Coachingpraxis? In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 29 (2), S. 209-224. 

Abstract: Das Weinen als fundamentaler menschlicher Emotionsausdruck wirft innerhalb verschiedener Fachdisziplinen seit jeher Fragen auf. In den letzten Jahren lässt sich auch innerhalb der klinischen Forschung eine zunehmende Beschäftigung mit diesem Thema beobachten. U. a. konnte im Rahmen einer Untersuchung an der Universität Kassel eine Systematisierung über verschiedene Formen des Weinens in der Psychotherapie und unterschiedliche therapeutische Verhaltensweisen im Umgang damit entwickelt werden. Im vorliegenden Artikel werden die Erkenntnisse dieser Untersuchung auf den Bereich des berufsbezogenen Coachings übertragen und nutzbar gemacht. Die Bedeutung des Weinens für das Coaching wird im Allgemeinen sowie im Zusammenhang mit Trauerprozessen und krisenhaften Entwicklungen diskutiert. Es werden verschiedene Implikationen für die beraterische Praxis abgeleitet.

Stiens, Annchen (2022): Welchen Herausforderungen begegnen Kreativdirektor/innen in Werbeagenturen? Exploration einer neuen Zielgruppe für Beratung. In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 29 (2), S. 225-240. 

Abstract: Obwohl creative leadership zu den buzzwords der letzten Jahre gehörte, sind Kreativdirektor/innen in Werbeagenturen von der Wissenschaft in Deutschland bislang unbeachtet geblieben. Die vorliegende qualitative Untersuchung hat im Rahmen von sechs Interviews mit Kreativdirektor/innen analysiert, welchen Herausforderungen diese Zielgruppe in ihrem Berufsalltag begegnen. Das Ergebnis der Untersuchung zeigt, dass neben der Vereinbarung von kreativem Arbeiten mit Führungsaufgaben neue Organisationsformen, der digitale Wandel, die Auseinandersetzung mit nachfolgenden Generationen und das eigene Älterwerden die größten Herausforderungen darstellen.

Zwack, Mirko (2022): Narratives Coaching mit der Zeitlinie. Arbeit mit Geschichten, Emotion und Identität im Einzelsetting. In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 29 (2), S. 241-256. 

Abstract: Der Artikel stellt anhand eines Fallbeispiels narratives Arbeiten im Einzelsetting mit der Zeitlinie vor. Entlang des Dialogs zwischen Klientin und Coach wird die Durchführung der Methode erläutert. Auf diese Weise werden wir für die vielen kleinen Entscheidungen von uns als Berater:innen im Gesprächsverlauf sensibilisiert und erfahren Anregungen für das eigene Fragenrepertoire. Insbesondere die Rolle emotionaler Aktivierung zur Veränderung des handlungsleitenden Narrativs und die Möglichkeit, diese beim Wandern durch die imaginierte Zeit im Raum zu fördern, werden so deutlich.

Klose, Bernd (2022): Die Wiederkehr traumaassoziierter Introjekte in filmischer Darstellung. Zum Film „Rosen für den Staatsanwalt“. In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 29 (2), S. 257-265. 

Abstract: Die Thematik dieses Films von 1959 wird auf die Kernaussagen der viel später entwickelten psychodynamischen Traumatheorie abgebildet, mit der damals verleugneten, aber untergründig im Alltagsleben ungebrochen wirksamen Naziideologie parallelisiert. Würdigung finden dabei die subtilen Regie- und Darstellungstechniken zur Gestaltung einer satirischen Konfrontation mit dieser beunruhigenden Dynamik. In Überlegungen zur transgenerationalen Weitergabe unbewältigter Introjekte verdeutlicht sich die Aktualität dieses 63 Jahre alten Films.

Beumer, Ullrich (2022): Zur professionellen Identität von Solo-Selbstständigen in Beratungsberufen. Rezension von Rolf Th. Stiefel (2020): Erfolgreich als Solo-Trainer und -Berater. Geschäftsideen für Solo-Unternehmer in der Personal- und Führungskräfte-Entwicklung. Gevelsberg (EHP). In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 29 (2), S. 267-269. 

Webers, Thomas (2022): Roboter verstehen nur Maschinensprache, Beziehung können nur Menschen. Rezension von Catrin Misselhorn (2021): Künstliche Intelligenz und Empathie. Vom Leben mit Emotionserkennung, Sexrobotern & Co. Stuttgart (Reclam). In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 29 (2), S. 271-274. 

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