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Online-Journal für systemische Entwicklungen

OSC – Organisationsberatung Supervision Coaching 2021

Heft 1

van Kaldenkerken, Carla & Heidi Möller (2021): Die Rolle des Körpers/Leibes in Supervision, Coaching und Organisationsberatung. In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 28 (1), S. 1-4. 

Abstract: Die Beratungstätigkeit unter Beachtung der Hygienebedingungen während der aktuellen Coronavirus-Pandemie geben uns unübersehbare Hinweise zur Rolle des Körpers in der Beratung. Was sonst so selbstverständlich und unbewusst die Beratungsarbeit begleitet, rückt mehr in die bewusste Aufmerksamkeit. Das nonverbale, meist un- und randbewusste leibliche Geschehen, die latente Beteiligung, Rolle und Mitwirkung des Körpers im Beratungsprozess werden durch den Verlust von Nähe, Beweglichkeit, sichtbarer Mimik und Gestik so eindrücklich deutlich. Die Perspektive des „Embodiment“, der Verkörperung und Leiblichkeit kognitiver und psychischer Prozesse findet in der arbeitsweltlichen Beratung zwar noch etwas zögerlich, aber zunehmend mehr Beachtung. In den Referenzwissenschaften von Supervision und Coaching – Soziologie, Psychotherapie, Pädagogik, Kognitions-, Emotions- und Kommunikationswissenschaften – ist Embodiment als wissenschaftlicher Begriff für eine konzeptionelle Neuorientierung eingeführt und steht für seriöse wissenschaftliche Diskurse, die die Rolle des Körpers in dem gesamten Geschehen von Denken, Fühlen und Handeln hervorheben und berücksichtigen. Dieses Schwerpunktheft verfolgt das Anliegen, einen Einblick in Forschung und Praxis verkörperter bzw. embodimentorientierter Beratung zu geben, Anregungen aus den Verkörperungsdiskursen in den Referenzwissenschaften aufzugreifen und auf ihre Relevanz und Übertragbarkeit für die arbeitsweltliche Beratung zu prüfen.

van Kaldenkerken, Carla (2021): Der Eigensinn des Körpers. In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 28 (1), S. 5-21. 

Abstract: Embodiment (Verkörperung) ist als wissenschaftlicher Begriff für interdisziplinäre Diskurse eingeführt, die die enge, wechselseitige Verbundenheit von Körper, Geist und Umwelt untersuchen und eine systematische Integration der Kategorie „Körper“ in ihre Konzeptionen verfolgen. Ist es sinnvoll und lässt sich das überwiegend unbewusst ablaufende leibliche Geschehen absichtsvoll in die Beratung einbinden? Es wird für eine achtsame, den Eigensinn des Körpers respektierende und kenntnisreiche Übertragung des Konzepts in die Beratung plädiert. Bei einer konsequenten Beachtung der bidirektionalen Verbundenheit mit der Umwelt hat das Konzept auch eine politische Dimension.

Obermeyer, Klaus (2021): „Berühren ohne zu berühren“. Zum Verhältnis von Sprache und Körper in der Beratung. In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 28 (1), S. 23-38. 

Abstract: Auf Grundlage einer Übersicht zu den Entwicklungsschritten des Spracherwerbs begründet der Beitrag die untrennbare Verwobenheit von Sprache und Leiblichkeit und deren wechselseitige Interdependenz. In der Trias von Leib, Sprache und Weltbezug wirken Synästhesie, Bewegungssuggestionen und Machtverhältnisse als Brückenqualitäten. Diese werden in ihrer Relevanz für eine leibsensible Sprache in der Beratung beschrieben und anhand einer Fallskizze veranschaulicht.

Lienhard, Natascha & Hansjörg Künzli (2021): Körperorientierte Intervention im Coaching. In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 28 (1), S. 39-58. 

Abstract: In der Coaching-Literatur sind körperorientierte Interventionen untervertreten oder haben nicht den Stellenwert, der ihnen zukommen könnte. Zu der Frage, ob und in welchem Ausmaß sich dies auch in der Coachingpraxis spiegelt, führten wir im Herbst 2020 eine Online-Umfrage durch. Insgesamt 242 Coaches beantworteten 45 Fragen zu vier Themenkreisen körperorientierter Interventionen. Die meisten der befragten Coaches setzen körperorientierte Interventionen ein, betrachten sie als zielführend und sinnvoll für Coaching und wollen sie in Zukunft gleich oft oder noch intensiver einzusetzen. Große Unterschiede sind festzustellen hinsichtlich der Art der eingesetzten Interventionen. Körperhaltung und Mimik wird von fast allen Coaches als Erkenntnisquelle genutzt. Die aktive Arbeit mit dem Körper, z. B. in Form von Bewegungsübungen, wird weniger oft eingesetzt. Das Thema Körperorientierte Intervention im Coaching ist noch weitgehend unerforscht. Ebenso entsteht der Eindruck, dass der Begriff „körperorientierte Intervention“ im Coaching noch sehr unterschiedlich gedeutet wird.

Siegrist, Ulrich (2021): Die Rolle des Felt Sense im Coaching. Veränderung im Kontext körperlich-emotionalen Erlebens. In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 28 (1), S. 59-72. 

Abstract: Im experienziellen Veränderungskonzept des Focusing spielt der Felt Sense eine besondere Rolle. Für das Coaching stellt sich vor dem Hintergrund neurowissenschaftlicher Erkenntnisse die Frage nach dem Einbezug affektiver und körperbezogener Aspekte. Im Rahmen einer explorativen Studie entwickelte der Autor ein auf Coaching bezogenes Veränderungsmodell, an dessen Ausgangspunkt Trilemma-Situationen im Sinne einer Spannung zwischen Situationsbezug und kontradiktorischen Anteilen der affektiv-kognitiven Wahrnehmung stehen. Der Felt Sense bzw. das ihm zugrunde liegende Experiencing kann als Ressource für einen themenbezogenen Klärungs- und Lösungsprozess genutzt werden.

Tschacher, Wolfgang & Bettina Bannwart (2021): Embodiment und Wirkfaktoren in Therapie, Beratung und Coaching. In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 28 (1), S. 73-84. 

Abstract: Die Kognitionswissenschaften betonen die Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen geistigen und körperlichen Prozessen und deren Einbettung in die soziale und physikalische Umwelt („Embodiment“). Dieser Ansatz erbringt Implikationen für das Verständnis von sozialer Interaktion, die durch körperliche Synchronie und allgemeine Wirkfaktoren gekennzeichnet ist. Auf Basis der Forschung zeigt sich, dass Psychotherapie, Beratung, Coaching und Lehr-Lern-Prozesse als Tätigkeiten im Bereich des sozialen Lernens in analoger Weise mit der Verkörperung des Geistes und den therapeutischen Wirkfaktoren in Beziehung stehen. Die Therapeutenfaktoren von resilienter Abstinenz und Achtsamkeit kennzeichnen auch das lösungsorientierte Coaching.

Schwarz, Renate (2021): Supervision und Coaching als Resonanzraum für berührende Transformation. In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 28 (1), S. 85-96. 

Abstract: Im Zusammenhang von Supervision und Coaching wird folgender Dreiklang untersucht: das auf einem phänomenologischen Ansatz basierende Prinzip Resonanz und die damit entstehende Intersubjektivität; das Phänomen der Transformation als möglicher Effekt von Resonanz; die Entstehung eines Resonanzraums, eines Ermöglichungsraums für berührende, das heißt sinnerweiternde Transformation im Rahmen von Beratung.

Dehe, Kerstin (2021): Psychische Belastungen bei Müllwerkern – Konsequenzen für die Beratungstätigkeit. In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 28 (1), S. 97-107. 

Abstract: Um die psychischen Belastungen von Müllwerkern zu erheben, wurde eine Bestandsaufnahme mit der Berufsgruppe vorgenommen, die Erkenntnisse für die spätere Beratungstätigkeit lieferte. Die Erhebung der Belastungen in Gruppendiskussionen wurde durch eine teilnehmende Beobachtung ergänzt, was einen psychodynamischen Blick auf die Besonderheiten der Organisation rund um den Müllwagen und die Charakteristika der Müllwerker erlaubte. Die Ergebnisse zeigen, dass ein Zusammenhang zwischen den Belastungen und dem beruflichen Selbstverständnis besteht. Dieses Wissen war für die weitere Beratung der Organisation hilfreich.

West-Leuer, Beate, Marga Löwer-Hirsch & Martin Gerstädt (2020): Coaching-Weiterbildung in Zeiten der Maske. In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 28 (1), S. 109-119. 

Abstract: Coaching-Weiterbildungen in Zeiten der Ansteckung stehen vor neuen Herausforderungen. Besonders in großen Gruppen sind die gesundheitlichen Risiken allen Teilnehmer/innen sehr bewusst. Maskengebote durch die Veranstalter treffen jedoch nicht nur auf Zustimmung, sondern rufen auch Widerstand hervor. Besonders in Psychodynamischen Workshops mit Selbsterfahrungsanteilen war der Verzicht auf Vorgaben bisher Programm. Das Tragen der Maske beschneidet die mimische Kommunikation und erschwert Vertrauen. Doch die äußere Maske macht sichtbar, was jeder weiß: Ein Leben ohne Maskierung gibt es gar nicht. Wir alle inszenieren uns täglich in unterschiedlichsten Rollen. Diese Erkenntnis kann den Transfer erleichtern und den Anspruch an authentische Führung differenzieren.

Bachmann, Thomas (2021): „The King’s Speech“ oder „My Castle, my Rules“ – Zur Prozessgestaltung in der Beratung. In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 28 (1), S. 121-126. 

Abstract: Anhand der Art und Weise, wie der Therapeut im Film „The King’s Speech“ (GBR, USA, AUS, 2010) die Arbeitsbeziehung gestaltet, wird die Verantwortungsdynamik in einem ko-kreativen Veränderungsprozess beschrieben und analysiert. Es werden Elemente der Beziehungsgestaltung für Therapie, Coaching und Beratung dargestellt und Handlungsmöglichkeiten für die Auftragsklärung abgeleitet.

van Kaldenkerken, Carla & Roland Kunkel (2021): Rezension – Thomas Fuchs (2020): Verteidigung des Menschen. Grundfragen einer verkörperten Anthropologie. Berlin (Suhrkamp). In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 28 (1), S. 127-129. 

Buer, Ferdinand (2021): Rezension – Martin Schröder (2020): Wann sind wir wirklich zufrieden? Überraschende Erkenntnisse zu Arbeit, Liebe, Kindern, Geld (2. Auf.). München (C. Bertelsmann). In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 28 (1), S. 129-133. 

Webers, Thomas (2021): Rezension – Britt Wrede & Bernhard Zimmermann (2020): Mini-Handbuch Coaching und Digitalisierung. Weinheim (Beltz). In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 28 (1), S. 133-134. 

Riepl, Roswitha (2021): Rezension – Inge-Marlen Ropers (2020): Stehen Sie doch einfach mal auf! Supervision und Coaching szenisch-kreativ. Fallgeschichten aus der psychodramatischen Praxis (mit einer Einführung von Ferdinand Buer). Gevelsberg (EHP). In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 28 (1), S. 134-135. 

Flies, Ellen (2021): Rezension – Thomas Webers (2020): Systemisches Coaching – Psychologische Grundlagen (2., überarb. u. erw. Aufl.). Berlin (Springer). In: Organisationsberatung Supervision Coaching, 28 (1), S. 136-136. 

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