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KYBERNETIK UND SYSTEMTHEORIE aus der Sicht der Miedizin: KOGNITIVE NETZWERKE ALS GESCHLOSSENE UND OFFENE SYSTEME

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1991 veröffentlichten E. von Goldammer und H. Spranger in„Kybernetik und Systemtheorie“ eine Arbeit über die Modellierung lebener Systeme (hier am Beispiel des Immunsystems) als offene bzw. geschlossene Systeme. Ihr Ausgangspunkt ist dabei eine Kritik an dem naturwissenschaftlichen Paradigma der Medizin:„Die Untauglichkeit der naturwissenschaftlichen Ansätze zur Beschreibung von Leben werden heute jedoch nicht nur in der Medizin, sondern vor allem auch im Bereich der kognitiven Wissenschaften sowie in den Computerwissenschaften spürbar. Vereinfacht ausgedrückt ist es der Dualismus, d.h. die Unvereinbarkeit von Begriffen wie Geist & Materie, Seele & Körper (Psyche & Soma) oder Subjekt & Objekt, die ein noch immer weitgehend ungelöstes methodologisches Problem darstellt. Für eine Theorie lebender Systeme ist eine vermittelnde wissenschaftliche Beschreibung solcher komplementärer Begriffspaare jedoch unumgänglich. In der Medizin hat diese ungelöste Problematik zu einem beispiellosen wissenschaftlichen Leerlauf gerade im Bereich der chronischen Erkrankungen geführt, aus dem auch die Flut immer neuer wissenschaftlicher Einzelerkenntnisse wie sie unter anderem z.B. von seiten der Genetik auf die Medizin herabstürzen, nicht herausführt. Eine wissenschaftstheoretische Auseinandersetzung mit dieser Thematik erscheint daher notwendiger denn je. Dabei fehlt es nicht an Bemühungen neue Ansätze zu entwickeln. Die Ursache für das Defizit an adäquaten wissenschaftlich fundierten Theorien liegt tiefer, nämlich in der dem wissenschaftlichen Denken zugrunde liegenden dualistischen Denkweise, die den methodologisch unüberbrückbar erscheinenden Denk- und Sprachraum vorgibt. Diese Problematik ist seit Jahrzehnten bekannt und hat in der modernen Kybernetik mittlerweile zu einem fundamentalen Paradigmenwechsel geführt, der im Bereich der Medizin bis heute kaum zur Kenntnis genommen wurde, so daß die in der Kybernetik entwickelten methodologischen Ansätze bisher nur sehr vereinzelt im Bereich medizinischer Grundlagenforschung appliziert wurden“ Die Autoren stellen fest, dass die Frage offener oder geschlossener Systeme nicht in einem einzigen logischen Bereich zu beantworten ist, wir es vielmehr mit unterschiedlichen logischen Domänen zu tun haben und daher eine polykontexturale Logik (G. Günther) benötigen:„Die Einführung zweier logischer Domänen für die Behandlung offener und geschlossener Netzwerke bedeutet für den Fall der Immunologie, daß im Rahmen des Experimentes (innerhalb der molekularen Domäne) von offenen Netzen oder Systemen und im Kontext der Kognitionstheorie (innerhalb der kognitiven Domäne) von geschlossenen Netzen oder Systemen gesprochen werden kann. Damit wird aber lediglich die bereits bekannte Situation noch einmal aus logischer Sicht skizziert, so wie sie sich heute präsentiert, die sich durch eine Polarisierung, d.h. durch die Existenz zweier sich diametral entgegengesetzter und sich gegenseitig ausschließender Modellvorstellungen auszeichnet. Die Forderung nach einer Vermittlung, nach einer Relation zwischen beiden Modellen läßt sich auf diesem Wege nicht einlösen und genau hierin liegt das wissenschaftslogische Problem“
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