Heft 1
Cornelia Tsirigotis (2026): Editorial – Trauma: Folgen und ihr Umgang damit – unterschiedliche systemische Zugänge. In: Zeitschrift für systemische Therapie und Beratung 44 (01), S. 2-2.
Olaf Stähli (2026): Differenzierung der Traumafolgestörungsprozesse und deren Bedeutung für die traumasensible Arbeit. In: Zeitschrift für systemische Therapie und Beratung 44 (01), S. 3-9.
abstract: Wenn bewährte fachliche Ansätze von Fachpersonen unterschiedlichster sozialer, pädagogischer, psychologischer und medizinischer Berufe nicht greifen, kann dies an einer Traumafolgestörung der KlientInnen liegen. Das Verstehen von Trauma und den drei unterschiedlichen Traumafolgestörungsprozessen führt zu neuen Ansätzen, die es ermöglichen, wirksam mit den betroffenen Menschen zu arbeiten. In diesem Artikel wird aufgezeigt, wie eine Traumatisierung zu unterschiedlichen Traumafolgestörungsprozessen führt. Das traumapädagogische Anwendungsmodell TAM, das in der Differenzierung dieser Prozesse unterstützt und die Ableitung prozessspezifischer Ansätze ermöglicht, wird vorgestellt. Traumasensible Kompetenzbereiche und Haltungen sowie die zentrale Rolle von Zuversicht und Mögen werden erläutert.
Ben Furman & Tapani Ahola (2026): Von der Traumatherapie zum Wahrnehmungscoaching – KlientInnen mit lösungsfokussierten Fragen bei der Bewältigung kritischer Lebensereignisse unterstützen. In: Zeitschrift für systemische Therapie und Beratung 44 (01), S. 10-16.
abstract: In diesem Beitrag werden lösungsorientierte Arbeitsweisen in der Therapie von Menschen beschrieben, die traumatische Ereignisse durchlebt haben. Dabei wird der Blick der Klient*in auf ihre Bewältigungsstrategien und -ressourcen und auf Möglichkeiten in der Zukunft gerichtet. Dazu werden eine Vielzahl von lösungsorientierten Fragen gezeigt.
Angel Yuen (2026): Entdecken, wie Kinder traumatische Erfahrungen aktiv überstehen: Eine narrative Praxis zur Überlebensfähigkeit. In: Zeitschrift für systemische Therapie und Beratung 44 (01), S. 17-32.
abstract: Diskussionen über die Opferrolle, wie sie neuerdings häufig in Fällen von traumatisierten Kindern vorkommen, können erheblich dazu beitragen, dass daraus langfristig negative Schlussfolgerungen für deren Identität gezogen werden. Die Konzentration auf die Maßnahmen, die Kinder bei traumatischen Erfahrungen ergriffen haben, kann jedoch zu Gesprächen beitragen, die die hilfreiche Entwicklung einer alternativen Geschichte fördern, ohne Kinder oder Jugendliche erneut zu traumatisieren. Diese Art des Fragens kann sich auf die Widerstandsaktionen der Kinder, ihre Zufluchtsorte und andere Lebenskompetenzen konzentrieren. Dieser Artikel enthält Beispiele für eine Therapie, die sich an diesem Ansatz orientiert, und stellt einen Überblick über vier Frage-Ebenen für Gespräche mit Kindern und Jugendlichen vor, die ihre Maßnahmen bei ihren traumatischen Erfahrungen hervorlocken und darauf aufbauen.
Monika Moß (2026): Traumasensibles systemisches Elterncoaching – Elterliche Präsenz in komplex belasteten Familienkonstellationen stärken. In: Zeitschrift für systemische Therapie und Beratung 44 (01), S. 33-42.
abstract: Der Artikel beschreibt das Konzepts des traumasensiblen systemischen Elterncoachings (TSE) als konzeptübergreifendes integratives Angebot zur Stärkung der Präsenz von Eltern in komplex belasteten Familiensituationen. TSE hat mehrere Wurzeln, aus denen sich Haltung, Wissen und Methodik zusammensetzen. Neben dem systemischen Ansatz, der Neuen Autorität und den Konstrukten zu Parentaler Hilflosigkeit und Traumatischen Konstellationen in Familien fließen auch Erkenntnisse und Methoden aus Traumapädagogik, Bindungstheorie und weiterer Fachgebiete in die Arbeit ein.
Jay S. Efran (2026): Ein Experiment, jemand anderes zu sein. Kann Fixed-Role-Therapie KlientInnen helfen, sich aus festgefahrenen Mustern zu lösen? In: Zeitschrift für systemische Therapie und Beratung 44 (01), S. 43-46.
abstract: Jay Efran beschreibt ein ungewöhnliches therapeutisches Experiment – der Klient, Aaron – ging auf eine imaginäre zweiwöchige Urlaubsreise. Eine andere Person, gemeinsam konstruiert von Aaron und dem Therapeuten, nahm seinen Platz ein. Aaron reagierte während des „Urlaubs“ auf seinen Namen, sammelt aber, da er eine andere Person war, andere Erfahrungen.
Adrian Pogorzelski (2026): Soziale Diagnostik im Kinderschutz II – Vielfalt der praktischen Anwendung. In: Zeitschrift für systemische Therapie und Beratung 44 (01), S. 47-52.
abstract: Im zweiten Teil (Teil I erschien in ZSTB 3/2025, S. 129ff.) werden aufbauend auf dem bereits ausgeführten systemischen Kinderschutzverständnisses und der daraus resultierenden Kriterien an Soziale Diagnostik im Kinderschutz der Stuttgarter Kinderschutzbogen, Hausbesuche und Familienräte als Methoden zur Abschätzung gewichtiger Anhaltspunkte für Kindeswohlgefährdungen kritisch untersucht. Es zeigt sich, dass keine Methode allein und (ihre Ergebnisse) unreflektiert eingesetzt werden kann. Sie setzen unterschiedliche Schwerpunkte und sind je nach Anforderung und Situation in ihrer Wirksamkeit begrenzt.