Heft 1
Kurt Ludewig (1997): Systemische Therapie: Machbarkeit oder Humanismus? In: systeme 11 (1), S. 4–14.
abstract: Nach einer kurzen semantischen Auseinandersetzung mit den Begriffspaaren systemisch/Therapie und Machbarkeit/Humanismus wird nahegelegt, die Bezeichnung ,systemische Therapie bzw. Psychotherapie‘ weiterhin als pragmatisches Kürzel mit vielfältiger Bedeutung zu verwenden. Hinsichtlich der zweiten Polarität wird zunächst die Nähe der frühen systemischen Therapie zum Machbarkeitspol problematisiert, um dann die gegenwärtige systemische Therapie vor dem Hintergrund eines systemischen, bio-psycho-sozialen Verständnisses des Humanen als Verwirklichung einer ,humanen Machbarkeit‘ aufzufassen.“
Martin Wainstein (1997): Konstruktivismus: Ein bedeutsamer Einfluß auf die interaktionelle Psychotherapie. In: systeme 11 (1), S. 15–23.
abstract: Seit den 80er Jahren erhöht sich der Einfluß des Konstruktivismus auf die Psychotherapie. speziell auf die interaktioneilen und strategischen Modelle. Die konstruktivistische Idee einer ungewissen äußeren Realität, welche nicht erkannt werden kann, und die konstruktivistische Fokussierung auf den subjektiven, sich selbst regulierenden Aspekt des Erkennens haben auf unsere klinische Praxis eingewirkt. Therapeuten und Therapeutinnen achten stärker auf ihre eigenen Prämissen. auf die Idiosynkrasie ihrer Klienten und Klientinnen und auf die Rolle von „Bedeutung“ in der Therapie. Das Risiko einer exzessiven Theoretisierung dieser Themen sollte ausgeglichen werden durch die Suche nach einer pragmatischeren Beschreibung dessen, was mit „Konstruktion“ in der klinischen Realität gemeint ist. Fragen wie, wer konstruiert, was wird konstruiert, wie wir konstruieren, wo wir konstruieren (entweder auf einer virtuellen oder auf einer empirischen Ebene) und wofür wir konstruieren, rufen nach praktischen, definitiven Antworten. Hier werden der interaktionellen Therapie einige nützliche Antworten gegeben, im Zusammenhang mit dem. was für diesen Ansatz am relevantesten ist: mit mündlicher Kommunikation.
Brigitte Hackenberg (1997): Das dialogische Planungskonzept zur Behandlung juveniler Psychosen. Ein Beitrag zur integrativen Behandlung der Schizophrenien. In: systeme 11 (1), S. 24–34.
abstract: Anhand einer Darstellung theoretischer und praktischer Wurzeln von Widersprüchen in der Schizophreniebehandlung mit dem Hauptaugenmerk auf dem paradigmatischen Spannungsfeld wird ein jugendpsychiatrisches Konzept mit integrativer Modellfunktion vorgestellt. Das dialogische Planungskonzept stellt die Utilisation von perspektivischen Unterschieden in den Mittelpunkt der Betrachtung und entwickelt daraus ein heuristisches Prinzip.
Sabine Klar & Ferdinand Wolf (1997): Musterbearbeitungen – eine neue, alte Metapher, betreffend die Integration unterschiedlicher systemischer Konzepte? Teil I: Voraussetzungen, Strategien der Musterbearbeitung, Arbeit mit spezifischen Metaphern. In: systeme 11 (1), S. 35–50.
abstract: in der Therapieliteratur findet sich eine große Bandbreite des Zugangs zur Beschreibung von Interaktionsphänomenen, die letztlich auch zu einer bestimmten therapeutischen Betrachtungs- und Vorgangsweise führt (wir denken hier an den oft strapazierten Begriff der Kybernetik erster und zweiter Ordnung). In einer vor angegangenen Arbeit haben wir versucht, auch die Riedischen Konzepte der evolutionären Erkenntnistheorie mit ihren Hypothesenbildungen für therapeutische Betrachtungen unter dem Aspekt der Bildung und Veränderung von Mustern nutzbar zu machen (Klar und Wolf 1995). Diese Arbeit stellt einen Versuch dar, Therapieverläufe unter dem Titel „Musterbearbeitung“ darzustellen und einer Diskussion zuzuführen.
Omar Saleh (1997): Multiple Persönlichkelten. Psychiatrisch Tätige und Ihr Spiel mit den Rollen. In: systeme 11 (1), S. 51-52.
Ina Manfredini & Sabine Klar (1997): Psychotherapieprojekte der ÖAS-Wien. In: systeme 11 (1), S. 53-57.
Kurt Ludewig (1997): Tagungsbericht – 3. Jahrestagung der Systemischen Gesellschaft – Deutscher Verband für systemische Forschung, Therapie, Supervision und Beratung e.V. in Berlin. In: systeme 11 (1), S. 58-59.
Karin Martens-Schmid, Günter Schiepek & Arist von Schlippe (1997): Verleihung des Wissenschaftlichen Förderpreises der Systemischen Gesellschaft. In: systeme 11 (1), S. 60-62.
Guni-Leila Baxa (1997): Rezension – Insa Sparrer & Matthias Varga von Kibéd (1996): Theorie und Praxis der systemischen Strukturaufstellungen (Band 1 und 2) VCR-VIdeo, Dortmund; Bd.i: 103 min., Bd.2: 102 min., VHS. In: systeme 11 (1), S. 64-65.
Judith Illetschek (1997): Rezension – Johannes Herwig Lempp (1994): Von der Sucht zur Selbstbestimmung. Drogenkonsumenten als Subjekte. Dortmund (Borgmann). In: systeme 11 (1), S. 66-68.
Judith Illetschek (1997): Rezension – Kordula RIchelshagen (Hrsg) (1996): Suchtlösungen. Systemische Unterstellungen zur ambulanten Therapie. Freiburg (Lambertus). In: systeme 11 (1), S. 68-70.
Heft 2
Ludwig Reiter, Egbert Steiner & Victor W. Gotwald (1997): Kontinuität und Wandel. Die Entwicklungsdynamik der deutschsprachigen Familientherapie und Systemischen Therapie aus bibliometrischer Sicht. In: systeme 11 (2), S. 4–20.
abstract: Die Entwicklung der Familientherapie und Systemischen Therapie ist durch einen Paradigmenwechsel gekennzeichnet, der häufig als Übergang von der Kybernetik I zur Kybernetik II bezeichnet wird. Der vorliegende Beitrag, eine bibliometrische Studie aller in deutschsprachigen familientherapeutischen und systemischen Zeitschriften von 1976 bis 1995 publizierten Arbeiten und der darin zitierten Werke, zeichnet diese Entwicklung anhand von Autoren und Beiträgen nach. Mit Hilfe dieser Methode ist es möglich, sowohl die „Leitfiguren“ als auch die „klassisch“ gewordenen Arbeiten zu identifizieren und die Dynamik der Veränderungen im systemischen Feld darzustellen.
Christiane Thiele (1997): Selbstorganisation und Komplexität in der Psychotherapie. Eine Fallstudie. In: systeme 11 (2), S. 21–32.
abstract: In der Theorie Komplexer Dynamischer Systeme haben sich naturwissenschaftliche Begrifflichkeiten wie Ordnung, Chaos, Komplexität oder Selbstorganisation zu einem vielversprechenden Ansatz verdichtet, mit dem auch Therapieprozesse angemessen erklärt und untersucht werden können. Psychotherapie wird in dieser Lesart als ein komplexitätsreduzierender Vorgang verstanden. Durch systemeigene Leistungen (Selbstorganisation) werden die – in erster Linie kommunikativen – Prozesse kanalisiert und stabilisiert, wodurch das System in eine funktionale Ordnung transferiert wird (z.B. durch das Erarbeiten genauer Problemdefinitionen). In der nachfolgenden Fallstudie werden selbstorganisierte Ordnungsbildungsprozesse eines Therapiesystems durch die Reduktion der sprachlichen Komplexität nachgewiesen. Dafür wurden auf der Basis transkribierter Videoaufzeichnungen und einem inhaltssprachlichen Kategoriensystem binäre Sequenzen erstellt, die mit einem algorithmischen Komplexitätsmaß untersucht werden konnten. Der therapeutische Effekt der Ordnungsbildung ging mit einer Zunahme der sprachlichen Aktivität einher.
Sabine Klar & Ferdinand Wolf (1997): Musterbearbeitungen – eine neue, alte Metapher betreffend die Integration unterschiedlicher systemischer Konzepte? Teil II: Arbeit mit Metaphern in Paartherapien. In: systeme 11 (2), S. 33–44.
abstract: In der Therapieliteratur findet sich eine große Bandbreite des Zugangs zur Beschreibung von Interaktionsphänomenen, die letztlich auch zu einer bestimmten therapeutischen Betrachtungs- und Vorgangsweise führt (wir denken hier an den oft strapazierten Begriff der Kybernetik erster und zweiter Ordnung). In einer vorangegangenen Arbeit haben wir versucht, auch die Riedlschen Konzepte der evolutionären Erkenntnistheorie mit ihren Hypothesenbildungen für therapeutische Betrachtungen unter dem Aspekt der Bildung und Veränderung von Mustern nutzbar zu machen (Klar und Wolf 1995). Diese Arbeit stellt einen Versuch dar, Therapieverläufe unter dem Titel „Musterbearbeitung“ darzustellen und einer Diskussion zuzuführen.
Maria Blanca Moctezuma (1997): Kurztherapie mit sozial und kulturell benachteiligten Menschen. In: systeme 11 (2), S. 45–52.
abstract: Diejenigen von uns, die mit wirtschaftlich und kulturell benachteiligten Menschen therapeutisch arbeiten, sollten bedenken, daß die Therapeutenrolle direkt oder indirekt großen Einfluß auf die Klienten und Klientinnen erlaubt. Dieser Einfluß sollte zu deren Wohl genutzt werden. Psychotherapie ist ein kulturelles, politisches und historisches Phänomen, da sie vom vorherrschenden kulturellen und ideologischen Kontext nicht trennbar ist. Daher sollten bei der Auswahl von therapeutischen Modellen Konzepte wie Kultur, soziale Klasse, Geschlecht oder Religion berücksichtigt werden. Die Stärke der Überzeugungen und Werte einer Person ist eine bedeutende Variable in ihrem möglichen Veränderungsprozeß. Wenn die Klienten und Klientinnen sich in ihrer Situation verstanden und respektiert fühlen, sind sie eher bereit zu kooperieren und etwas Neues zu probieren. Daher ist meiner Meinung nach hier ein Gefühl dafür notwendig, den Klienten und Klientinnen „realistische Hoffnung“ zu machen, die aber nicht übertrieben sein darf, damit sie sich nicht mißverstanden fühlen.