systemagazin

Online-Journal für systemische Entwicklungen

systeme 1991

Heft 1

Gerhard Portele (1991): Gestalt als Selbstorganisation. In: systeme  5 (1), S. 3–21.

abstract:  Ausgangspunkt der Argumentation ist die Definition von „Gestalt“ als autonomer Selbstorganisationsprozess, wie sie Wolfgang Metzger im Anschluss an Max Wertheimer formuliert hat. Als Gegensatz sah Metzger die herkömmliche Auffassung der heteronomen Fremdorganisation: „Alle Ordnung der Natur ist fremdbedingt“. Es werden dann zehn Aspekte der Selbstorganisationstheorie dargestellt, nämlich Prozesshaftigkeit, Autonomie, Selbstreferentialitat, operationale Abgeschlossenheit, Konstruktivismus, „Wirklichkeit = Gemeinschaft“, strukturelle Koppelung, Sprache, Verantwortung, Nicht-Vorhersagbarkeit. Danach versuche ich darzulegen, wie der Glaube an die Fremdbestimmung vorherrschend wurde. Zum Abschluss stelle ich zwei Grundhaltungen zur Welt gegenüber, die auf Martin Bubers Ich-Es und Ich-Du-Beziehung beruhen und zeige Konsequenzen für Theorie, Forschung und Praxis in der Psychologie auf.

Jürgen Markowitz (1991): Referenz und Emergenz. Zum Verhältnis von psychischen und sozialen Systemen. In: systeme  5 (1), S. 22–46.

abstract:  Dieser Aufsatz versucht, das Verhältnis zwischen psychischen und sozialen Systemen zu bestimmen. Den Einstieg bietet die Figur der doppelten Kontingenz (Parsons, Luhmann). Der grundlegende analytische Bezugspunkt wird in der Tatsache gefunden, daß Menschen sich aufeinander beziehen, daß sie aufeinander referieren müssen, wenn sie ihr Verhalten aneinander orientieren wollen. Der dadurch entstehende Zirkel des Referierens auf Referieren auf Referieren … wird in seinen strukturellen Effekten untersucht. Dabei ergibt sich die Möglichkeit, die Entfaltung der drei Sinndimensionen zu studieren, vor allem aber zu sehen, welch dynamisches Verhältnis zwischen der Sachdimension auf der einen Seite sowie der Zeit- und Sozialdimension auf der anderen Seite besteht. Vor dem Hintergrund dieser Befunde wird deutlich, daß Theorien der Interaktion nicht gut beraten sind, wenn sie sich auf je einzelne pragmatische Typen – entweder auf Tausch, auf Konflikt, auf Diskurs usw. – kaprizieren und einen dieser Typen zum Inbegriff des Sozialen deklarieren.

Corina Ahlers (1991): Familientherapie und chronische Krankheit: Die Arbeit mit Angehörigen von Alzheimererkrankten. In: systeme  5 (1), S. 47–54.

abstract:  Innerhalb des weitläufigen Bereichs therapeutischer Möglichkeiten bei chronischen Krankheiten stellt die Alzheimererkrankung ein erschütterndes Beispiel für irreversible Veränderung dar. Sie ist als Abbauprozess nachweisbar und führt zu einem zunehmenden Defekt kognitiver Leistungen. Dieser beschränkt die Handlungskompetenz und das emotionale Erleben eines Individuums und damit die möglichen Eingriffe seiner Umgebung. An Hand eines Fallbeispieles möchte ich meine Erfahrungen in einem paartherapeutischen Setting mit dieser Krankheit schildern. Das Markenzeichen „systemisch“ vermeide ich, da es in diesem Bereich meiner Ansicht nach nicht halten könnte, was es verspricht, nämlich, dass geeignete Konstruktionen vieles machbar erscheinen lassen.

Heinz Jarmai (1991): Grundlagen lösungsorientierter Organisationsberatung. In: systeme  5 (1), S. 55–63.

abstract:  Das hier dargestellte Beratungskonzept ist im ersten Teil eine „Übersetzung“ der von Steve de Shazer und dem Team des Brief Family Therapy Centers in Milwaukee (2) erarbeiteten Verfahrens, auf die Beratung sozialer Systeme im Bereich Wirtschaft. Im weiteren basiert es auf unseren eigenen Erfahrungen bei der Entwicklung und Umsetzung „systemischer“ Ansätze für die Organisationsberatung. Das Ergebnis ist eine sehr komprimierte Vorge hensweise und soll Impuls für die Erarbeitung einer eigenen Konzeption der Beratung – in Relation zu den eigenen Ressourcen und dem konkreten Klientensystem – sein.

Joachim Hinsch (1991): Das Salzburger Symposium – Ein reflektierender Prozess. 2. und 3.11.1990. In: systeme  5 (1), S. 64–65.

Ludwig Reiter (1991): Kurzbericht: vom »Reflektierenden Team« zum »Fokussierenden Team«. In: systeme  5 (1), S. 64–65.

abstract:  Im November 1987 begann ein Team unter der Leitung des Autors im Institut für Ehe- und Familientherapie in Wien mit einem Pilot-Projekt über die therapeutische Wirksamkeit des von Tom Andersen vorgeschlagenen „Reflecting Team“ (R.T.). Im Zeitraum vom November 1987 bis zum Sommer 1990 wurden insgesamt 30 Familien bzw. Paare im Institut therapiert, wobei ein standardisiertes Vorgehen gewählt wurde. Eine Katamnese ein Jahr nach Abschluss jeder Therapie sollte aus der Sicht der Klientinnen zweierlei Information bringen: a) Was hat sich durch die Therapie verändert, b) Wie erlebten Paare und Familien das „Reflektierende Team“. Die Klientendaten sollten mit Einschätzungen des Therapeutenteams (Interviewer und R.T.), erhoben nach Abschluss der jeweiligen Therapie, in Beziehung gebracht werden.

Peter Kaimer & Bernd Fricke (1991): Tagungsbericht: HERBSTAKADEMIE „Selbstorganisation und Klinische Pschologie“ Vom 01.10. bis zum 05.10.1990 an der Universität Bamberg. In: systeme 5 (1), S. 68-69.

Gerda Klammer (1991): Familien stärken – Familientherapie stärken? Bericht über die 48. Konferenz der American Association of Marriage and Family Therapy (AAMPT) in Washington D.C. vom 4.-7. Okotber 1990. In: systeme 5 (1), S. 70-72.

Sabine Klar (1991): Tagungsbericht – Ethics – Epistemologies – New Methods. Systems and Family Therapy 4.-6.10.1990; Paris. In: systeme 5 (1), S. 73-75.

Ludwig Reiter (1991): Rezension – Hanko Bommert, Thomas Henning & Dieter Wälte (1990): Indikation zur Familientherapie. Stuttgart (Kohlhammer). In: systeme 5 (1), S. 76-76.

Sabine Klar (1991): Rezension – Richard Gisser, Ludwig Reiter Helmuth Schattovits & Lieselotte Wilk (Hg.) (1990): Lebenswelt Familie. Familienbericht 1989. Wien (nstitut für Ehe- und Familie). In: systeme 5 (1), S. 76-77.

Sabine Klar (1991): Rezension – Karl W. Kratky & Elfriede Maria Bonet (Hrsg.)(1989): Systemtheorie und Reduktionismus. Wiener Studien zur Wissenschaftstheorie 3. Wien (Verlag der Österreichischen Staatsdruckerei). In: systeme 5 (1), S. 77-79.

Egbert Steiner (1991): Rezension – Gerhard Portele (1989): Autonomie, Macht, Liebe. Frankfurt/M. (Suhrkamp). In: systeme 5 (1), S. 79-79.

Hans R. Böttcher (1991): Rezension – Bernd Roedel (1990): Praxis der Genogrammarbeit. Die Kunst des banalen Fragens. Dortmund (Verlag Modernes Lernen). In: systeme 5 (1), S. 80-80.

Peter Kaimer (1991): Rezension – Dirk Revenstorf (Hrsg.) (1990): Klinische Hypnose. Berlin/Heidelberg (Springer). In: systeme 5 (1), S. 81-83.

Sabine Klar (1991): Rezension – Steve de Shazer (1989): Der Dreh. Überraschende Wendungen und Lösungen in der Kurzzeittherapie. Heidelberg (Carl-Auer). In: systeme 5 (1), S. 83-84.

Ferdinand Wolf (1991): Rezension – Roswitha Königswieser & Christian Lutz (Hrsg.) (1990): Das systemisch-evolutionäre Management. Der neue Horizont für Unternehmer. Wien (Orac). In: systeme 5 (1), S. 84-85.

Karl W. Kratky (1991): Rezension – Wolfgang Tschacher (1990): Interaktion in selbstorganisierten Systemen. Grundlegung eines dynamisch-synergetischen Forschungsprogramms in der Psychologie. Heidelberg (Roland Asanger Verlag). In: systeme 5 (1), S. 85-86.

Christian Stahl (1991): Rezension – Helmut Willke (1989): Systemtheorie entwickelter Gesellschaften. Dynamik und Riskanz moderner gesellschaftlicher Seihstorganisation. Weinheim (Juventa). In: systeme 5 (1), S. 86-88.


Heft 2

Lynn Hoffman (1991): Harry Goolishian – Eine Würdigung. In: systeme  5 (2), S. 99-100.

Eugene Epstein & Margaret Kellenbenz Epstein (1991): Nachruf auf Harry Goolishian. In: systeme  5 (2), S. 100-101.

Tom Andersen (1991): Beziehung, Sprache und Vor-Verstehen in reflektierenden Prozessen. In: systeme  5 (2), S. 102–111.

abstract:  In diesem Beitrag wird die Entwicklung vom „Reflektierenden Team“ zum „Reflektierenden Prozess“ in den Jahren seit 1985 nachgezeichnet. Dabei sind Theorien und Methoden zunehmend in den Hintergrund, Sprechen, Hören und Verstehen in den Vordergrund gerückt. Dies hat auch die Leitfragen unserer Arbeit mit Klienten verändert. Von „Was meinen Sie damit?“ sind wir zu „Können Sie mir sagen, was Sie dachten, als Sie das sagten?“ übergegangen. Es wird nicht mehr das Wissen der Klienten adressiert, sondern das Verhältnis von äußerem und innerem Dialog rückt ins Zentrum.

Hanno Birken-Bertsch (1991): Vom zweiten Ende der Konstanzannahme. Gestaltpsychologie und radikaler Konstruktivismus. In: systeme  5 (2), S. 112–116.

abstract:  Mit der Gestaltpsychologie nahm in der Psychologie von 1912 an ein Denken seinen Anfang, das sich heute unter den Namen wie „Radikaler Konstruktivismus“ in den Wissenschaften durchzusetzen beginnt – Nun ist es eher so, dass man für beinahe alles Vorläufer finden kann, wenn man nur lange genug sucht und sich mit äußerlichen Übereinstimmungen begnügt. Beachtliche Ähnlichkeiten wurden beispielsweise zwischen dem Begriff der Gestalt und der Idee der Seibstorganisation bemerkt. Die Spontaneität und Einfachheit von Gestalten hat sicher einiges mit Phänomenen der Selbstorganisation zu tun. Doch solte man, wenn es um die Gestaltpsychologie geht, insbesondere wenn es wie hier um die Berliner Schule der Gestaltpsychologie geht. sich nicht von dem Namen dieser Richtung in die Irre führen lassen. Ihre entscheidende Tat bestand nicht darin, eine Theorie der Gestalt geliefert zu haben. Vieles, ob an Phänomenen oder Begriffen war bereits gängige Ware. Anderes wurde später gründlich widerlegt – wie etwa der geistige Dinosaurier mit Namen „Isomorphismus“. So richtungsweisend diese Untersuchungen oft waren, gerade weil sie auf sich selbst organisierende und erhaltende Phänomäne aufmerksam machten – es waren letztlich tastende Bewegungen von der Einsicht aus, die epochal waren.

Ludwig Reiter (1991): Wissenschaft als System. In: systeme  5 (2), S. 117–131.

abstract:  Wissenschaft wird in zunehmenden Maße als selbstorganisierendes System begriffen. Das Konzept der Reputation spielt in deser Theorie eine Schlüsselrolle als Steuerungssystem zur Reduktion von Komplexität. Anhand von Daten wird die Hypothese der Ausdifferenzierung der Familientherapie/systemischen Therapie untersucht. Die zu einem Index wissenschaftlicher Reputation zusammengefassten Daten bestätigen de These von der radikalen Konzentration wissenschaftlicher Reputation auf einige wenige Autoren und deren Publikationen. Dies legt den Bezug zu Theorien organisierter Komplexität wie etwa der Synergetik zur Erklärung des Systems Wissenschaft nahe.

Stefan Strohschneider & Harald Schaub (1991): Konnektionismus und kognitive Psychologie. In: systeme  5 (2), S. 132–152.

abstract:  Der Aufsatz versucht eine Übersicht über die historischen Wurzeln, die theoretischen Grundlagen und die Hauptanwendungsgebiete des so genannten „Konnektionismus“ zu geben. In einem einleitenden Abschnitt beleuchten wir die historischen Wurzeln dieser Modellklasse, bevor im zweiten Abschnitt ausführlich auf die allgemeine Grundstruktur konnektionistischer  Systeme eingegangen wird. Dabei werden die verschiedenen Funktionen, die ein solches „neuronales Netzwerk“ ausmachen, auch formal definiert. Darauf aufbauend erläutern wir die Kognition psychologisch interessanter Eigenschaften konnektionistischer Systeme, gehen aber auch kritisch auf problematische Aspekte dieses Ansatzes ein. Im nächsten Kapitel werden die zentralen Unterschiede zwischen konnektionistischen Theorien kognitiver Prozesse und dem Gedankengut der konventionellen Künstlichen Intelligenz („Physical Symbol Approach“) diskutiert. Anschließend stellen wir einige Versuche der Anwendung neuronaler Simulationsmodelle zur Erklärung kognitionspsychologisch interessanter Phänomene (interpolatives Problemlösen, Sprachverstehen, Interpretation von Schemata) vor. Einige zusammenfassende Bemerkungen schließen den Aufsatz ab.

Manfred Pawlik (1991): Systemische Familientherapie und berufliche Praxis. Eine Evaluation der Ausbildung systemischer Familienberater. In: systeme  5 (2), S. 153–171.

abstract:  Die vorliegende Studie „Systemische Familientherapie und berufliche Praxis“ wurde vom Kuratorium des Vereins für Familie und Beratung (VFB) 1989 in Auftrag gegeben. Der Verein, der eine Ausbildung zum systemischen Familien-. Partner- und Sexualberater organisiert, war an einer Evaluation der Ausbildung durch die Absolventen des ersten Curriculums, das im Juni 1988 abgeschlossen wurde, interessiert. Diese Evaluation sollte einerseits ergeben, inwieweit die Absolventen, die in der Ausbildung erworbenen Fähigkeiten aus ihrer Sicht im Berufsalltag einsetzen, andererseits sollten durch die Ergebnisse der Studie Anregungen für die weitere Entwicklung der Ausbildung gewonnen werden. Die Erhebung wurde an allen 19 Absolventen dieses Currlculums in Form einer systemischen Aktionsforschung mittels Experteninterviews im Sommer 1989 durchgeführt. Die Fragen betrafen die Darstellung des beruflichen Kontextes in Bezug auf die erworbene systemische Kompetenz, die Einschätzung der Ausbildung aus Sicht des derzeitigen Berufsfeldes, eine Erhebung der Situation „ein Jahr danach“ und welche Aktivitäten für die Erweiterung systemischer Kompetenz hilfreich sein könnten.

Ferdinand Wolf (1991): Tagungsbericht – 2. Herbstakademie „Selbstorganisation und Klinische Psychologie“ Bamberg. In: systeme  5 (2), S. 159-160.

Sigrid Lexel-Gartner (1991): Rezension – Hannes Brandau (Hrsg.) (1991): Supervision aus systemischer Sicht. Salzburg (Otto Müller Verlag). In: systeme  5 (2), S. 161-162.

Bernhard Stark (1991): Rezension – Wolfgang Krohn & Günther Küppers (Hrsg) (1990): Selbstorganisation – Aspekte einer wissenschaftlichen Revolution. Braunschweig/Wiesbaden (Vieweg). In: systeme  5 (2), S. 162-165.

Peter Kaimer (1991): Rezension – Wolfram Dorrmann (1991): Suizid. Therapeutische Interventionen bei Seibsttötungsabsichten. München (Pfeiffer). In: systeme  5 (2), S. 165-166.

Ferdinand Wolf (1991): Rezension – Karl W. Kratky & Friedrich Wallner (1990): Grundprinzipien der Selbstorganisation. Darmstadt (Wiss. Buchgesellschaft). In: systeme  5 (2), S. 166-167.

Ferdinand Wolf (1991): Rezension – Steve de Shazer (1991): Putting difference to work. New York/London (Norton). In: systeme  5 (2), S. 167-167.

Erwin Rössler (1991): Rezension – Michael Kierein, Alfred Pritz & Gemot Sonneck (1991): Psychologengesetz – Psychotherapiegesetz. Kurzkommentar. Wien (ORAC). In: systeme  5 (2), S. 167-168.

Eva Reznicek (1991): Rezension – Terry S. Trepper & Mary Jo Barrett (1991) Inzest und Therapie. Ein systemtherapeutisches Handbuch. Dortmund (verlag modernes lernen). In: systeme  5 (2), S. 168-169.

Peter Kaimer (1991): Rezension – Günter Schiepek (1991): Systemtheorie der Klinischen Psychologie. Braunschweig (Vieweg). In: systeme  5 (2), S. 169-170.

Eva Reznicek (1991): Rezension – Wilhelm Rotthaus (Hrsg) (1991): Sexuell deviantes Verhalten Jugendlicher. Dortmund (verlag modernes lernen). In: systeme  5 (2), S. 171-171.