systemagazin

Online-Journal für systemische Entwicklungen

23. August 2019
von Tom Levold
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Ronald D. Laing (7.10.1927-23.8.1989)

Heute vor 30 Jahren starb Ronald D. Laing im Alter von 61 Jahren beim Tennisspielen in St. Tropez in Südfrankreich. Er gehörte zur Antipsychiatrischen Bewegung der 60er Jahre und war in seiner Arbeit als Psychiater maßgeblich von der phänomenologischen Philosophie (insbesondere von Jean Paul Sarte, aber auch von Martin Buber Ludwig Binswanger u.a.) beeinflusst. In seiner „Phänomenologie der Erfahrung“ bezog er eine klare Position gegen eine szientistische Psychiatrie, die Verrücktheit einem biologistischen und naturwissenschaftlichen, verobjektivierenden Behandlungs-Paradigma unterwarf. Dagegen setzte er den Beziehungsaspekt einer personalen Begegnung mit Schizophrenen. In dem berühmten Sammelband „Schizophrenie und Familie“, der wichtige Artikel zur Familiendynamik psychiatrischer Phänomene von Gregory Bateson, Don D. Jackson, Lyman Wynnne, Jay Haley, Murray Bowen und anderen enthielt, erschien auch ein Artikel von Laing über „Mystifikation, Konfusion und Konflikt“ über die verwirrenden Kommunikationsstrukturen in Familien mit einem schizophrenen Indexpatienten. Die konsequente Interaktionsperspektive entfaltete Laing auch in seinen Arbeiten über „Das geteilte Selbst“, „Sanity, Madness and the Family“, „Das Selbst und die Anderen“ u.a. Weiterlesen →

22. August 2019
von Tom Levold
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Wenn Kinder größer werden. Familientherapie mit älteren Kindern und Jugendlichen

Grossmann Wenn Kinder größer werden

Lange war im Feld der systemischen Therapie das Familiensetting bzw. die Arbeit mit der ganzen Familie dominant – und Markenzeichen des systemischen Ansatzes. Das hat sich in den vergangenen Jahren verändert – in vielen Kontexten (von den aufsuchenden Familienhilfen abgesehen) hat die Arbeit im Einzelsetting einen viel größeren Stellenwert erhalten. Die Arbeit mit der Familie ist aufwendiger und komplexer, im Zuge der Anerkennung von Systemischer Therapie im Rahmen der sozialrechtlich gesicherten psychotherapeutischen Versorgung wird das Familientherapie-Setting nur noch in Ausnahmefällen praktiziert werden, so meine Prognose. Vor diesem Hintergrund ist es begrüßenswert, dass es mit dem vorliegenden Band von Konrad Peter Grossmann ein aktuelles und einladendes Buch zum Thema gibt, das die Relevanz der Arbeit mit der Familie noch einmal nachhaltig vor Augen führt. Ulrike Hollik hat es gelesen und empfiehlt die Lektüre:

Ulrike Hollick, Weimar:

Wenn Kinder größer werden – der Titel spricht einerseits direkt auf die Be-deutung an, die ältere Kinder und Jugendliche in der Familientherapie haben, zum anderen löst er wohl viele Assoziationen aus, die mit eben diesem Größer- werden in engem Zusammenhang stehen, nämlich die Herausforderungen, mit denen größer werdende Kinder und Jugendliche und ihre Familien konfrontiert sind und die Entwicklungsaufgaben, die sie zu bewältigen haben.

Grossmann ermutigt dazu, in der Praxis der Familientherapeuten vermehrt wieder die Vorteile der Arbeit mit der ganzen Familie zu nutzen und vor allem Kinder und Jugendliche ab circa zehn Jahren mit in das Setting einzubeziehen. Weiterlesen →

21. August 2019
von Tom Levold
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Jede vierte Person in Deutschland hatte 2018 einen Migrationshintergrund

WIESBADEN – Im Jahr 2018 hatten rund 20,8 Millionen Menschen in Deutschland einen Migrationshintergrund. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) auf Basis des Mikrozensus weiter mitteilt, entsprach dies einem Zuwachs gegenüber dem Vorjahr von 2,5 % (2017: 20,3 Millionen). Eine Person hat einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurde. Dies traf 2018 auf jede vierte Person in Deutschland zu. Im Jahr 2018 waren rund 52 % der Bevölkerung mit Migrationshintergrund Deutsche und knapp 48 % Ausländerinnen beziehungsweise Ausländer. Etwa die Hälfte der 10,9 Millionen Deutschen mit Migrationshintergrund besitzen die deutsche Staatsangehörigkeit seit ihrer Geburt (5,5 Millionen). Sie haben einen Migrationshintergrund, weil mindestens ein Elternteil ausländisch, eingebürgert, deutsch durch Adoption oder (Spät-)Aussiedlerin oder Aussiedler ist.
Fast die Hälfte der Zugewanderten gibt familiäre Gründe für Migration an.
Von den 20,8 Millionen in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund waren rund 13,5 Millionen Menschen nicht hierzulande geboren, sondern sind im Laufe ihres Lebens zugewandert. Als wichtigstes Migrationsmotiv nannten die Zugewanderten familiäre Gründe (48 %), bei weiteren 19 % war es die Aufnahme beziehungsweise Suche nach einer Beschäftigung in Deutschland. Für 15 % der Zugewanderten stellten Flucht und Asyl das Hauptmotiv dar. 5 % gaben an, zum Studieren beziehungsweise wegen einer Aus- oder Weiterbildung nach Deutschland gekommen zu sein. Weiterlesen →

9. August 2019
von Tom Levold
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Vom Vorgegebenen zum Aufgegeben

Im Carl-Auer-Verlag ist im vergangenen Jahr Bruno Hildenbrands „Genogrammarbeit für Fortgeschrittene. Vom Vorgegebenen zum Aufgegebenen“ erschienen. Hartwig Hansen hat es rezensiert. Sein Fazit: „Fazit: Der »neue Hildenbrand« ist für alle Genogramm-Fans eine ebenso anspruchsvolle wie kurzweilige Lektüre eines vor Ideen sprühenden Tausendsassas mit langjähriger Erfahrung!“

Hartwig Hansen, Hamburg

»Ich selbst bin ein Erstgeborener mit einer neun Jahre jüngeren Schwester. Wenn mich jemand sensu König etikettieren würde, hätte er mit ernsthaften Schwierigkeiten zu rechnen.«

Bei dieser Fußnote 110 (von insgesamt 135) musste ich schmunzeln – wie im- mer wieder bei der Lektüre »des neuen Hildenbrands«. An dieser Fußnote lässt sich einiges in Bezug auf den Geist dieses Buches ablesen:

  • Der Autor scheut sich nicht, seinen persönlichen Hintergrund einzubringen. Im Gegenteil.
  • Er verwahrt sich energisch gegen zu plumpe und rasche Zuschreibungen und Interpretationen. Denn: »Es kommt, wie immer, auf den Einzelfall und damit auf den Kontext an.« (91)
  • Vom »König-Sein« will er (trotz seiner unbestrittenen Verdienste in diesem Feld) nichts wissen.
  • Und er droht (eventuell doch im Sinne eines erstgeborenen großen Bruders und das noch als 70-Jähriger) humorvoll »eine blaue Nase« an.

Der Autor mag mir diese persönliche Deutung verzeihen, denn er schreibt selbst: »In der menschlichen Welt kann das Deuten nicht eliminiert werden.« (63)

Neben der stattlichen Zahl an Fußnoten – wohl dem am Ende des Buches erwähnten »Stapel der Notizen aus den letzten Jahren« geschuldet – gibt es unter den sechs Kapitelüberschriften 1. Einführung, 2. Vornamen als Deutungsressourcen, 3. Geschwisterbeziehungen, 4. Weiterentwicklungen in der Genogrammarbeit, 5. Integrative Darstellung und 6. Immer wieder gestellte Fragen, ungefähr hundert Unterüberschriften auf 212 Buchseiten.

Das macht das Lesevergnügen einerseits kleinteilig und andererseits komplex. Der Autor bekennt als emeritierter Professor für Sozialisationstheorie und Mikrosoziologie: »Es ist meine Sache nicht, dem süßen Gift der Vereinfachung zu erliegen …« (196) Das Buch wendet sich also im doppelten Sinne an »Fortgeschrittene«.

Hildenbrand geht in seiner Arbeit von den ältesten verfügbaren Daten der (Index-)Familie aus und rekonstruiert sequentiell Generation um Generation – siehe seine »Einführung in die Genogrammarbeit« von 2005, dessen Lektüre durch sein hier vorgestelltes Buch nicht ersetzt werden kann, wie er schreibt. Er sagt: »Mich interessiert der Prozess des Werdens. Ich möchte nicht anfangen mit dem, was ist, sondern rekonstruieren, was wird.« (186)

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1. August 2019
von Tom Levold
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Bedingtheiten und Möglichkeiten

Das aktuelle Heft des Kontext befasst sich mit unterschiedlichen Themen wie Würde statt Scham, Beratung an einer Hochschule, Kinderwunschberatung und Paarberatung. Im Editorial heißt es: „Würde, so schrieb einmal Karl Kraus: das sei die konditionale Form von dem, was einer ist. Es wird Ihnen also sofort einleuchten, liebe Leserin und lieber Leser, dass wir es hier mit einem Thema von höchster Relevanz für Therapie und Beratung zu tun haben. Bedingtheiten wollen aufgelöst, der Möglichkeitsraum will schließlich vergrößert werden, erarbeitet, durchschritten und erreicht. Erst Möglichkeiten, das glauben Systemtheoretiker, erzeugen in Differenz zu Wirklichkeiten Sinn. Und der Möglichkeits-Sinn war immerhin die paradoxerweise bestechendste Eigenschaft des Mannes ohne Eigenschaften, Ulrich, in Robert Musils gleichnamigen Roman, dem bekannten Standardwerk konstruktivistischen Denkens.

Sie sehen: Wir haben uns allerhand vorgenommen für das neue Heft, das vielleicht auch deshalb ein ziemlich dickes geworden ist. Den Auftakt machen Peter Bünder und Kolleginnen, die Würde allerdings nicht vom Unbedingten, sondern von Scham unterscheiden – also umgekehrt gerade von den Eingeschränktheiten, von Störungen der Selbst-Identifikation. Die Autorengruppe beleuchtet, auch an zwei Praxisbeispielen, wie ein so verstanden würde-voller und Scham vermeidender Rahmen durch die Marte-Meo-Methode gerade bei solchen Klienten erzeugt werden kann, die in ihrer Vergangenheit bereits stark durch Beschämungen verletzt wurden.

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28. Juli 2019
von Tom Levold
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Ciompi goes online

Luc Ciompi, der in diesem Jahr unglaubliche 90 Jahre alt wird, hat die Entwicklung des systemischen Ansatzes seit Beginn der 80er Jahre nicht nur mit seinen revolutionären Strategien zur Behandlung psychiatrischer Patienten in Bern, sondern vor allem mit seinen Arbeiten zu affekt- und emotionstheoretischen Fragestellungen begleitet. „Affektlogik“ ist sein bekanntestes Werk aus den 80er Jahren. Auch heute ist er ungebrochen kreativ, nicht nur als Maler, sondern auch mit wissenschaftlichen und biografischen Beiträgen. Auf der website des Verlages Vandenhoeck & Ruprecht hat er in diesem Jahr einen Blog gestartet, in dem er unter den Rubriken-Titeln „Mein Stand des Irrtums“, „Mein Blick aufs Ganze“ und „Mein Weg mit der Schizophrenie“ Einblicke in seine eigene Entwicklungsgeschichte und die damit verbundenen Einsichten in die Zusammenhänge von Affekten, Kognitionen und Körper, von Denken, Fühlen und Handeln, von Schizophrenie und ihrer Bewältigung eröffnet. Diese Geschichte ist maßgeblich durch seine Erfahrungen mit einer Mutter geprägt, die selbst unter einer „schleichenden Schizophrenie“ litt. Seine Fähigkeit, die eigenen privaten und beruflichen Lebenserfahrungen u.a. auch schreibend zu reflektieren und damit auch zu bewältigen, macht diesen Blog unbedingt lesenswert – ein großes Geschenk eines wirklichen Meisters an seine Leserschaft.

Bedauerlicherweise ist die website des Verlages derzeit nicht wirklich voll funktionsfähig – so gelangt man nur durch die Suchfunktion auf die Beiträge im Blog und nicht durch eine vernünftige Menüführung – das sollte mit diesem Link aber gelingen. Einer Lektüre des Blogs, den man wohl auch nicht abonnieren kann, sollte das aber nicht im Wege stehen. Zu den Beiträgen geht es hier …

20. Juli 2019
von Tom Levold
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Auswirkungen systemischer Beratung und Therapie in einer Erziehungs- und Familienberatungsstelle auf die Bindungssicherheit verhaltensauffälliger Kinder im Grundschulalter

In einem von der DGSF geförderten Forschungprojekt hat der Dipl.-Soz.Päd. Mathias Berg die Veränderung im Bindungsverhalten von Grundschulkindern im Zuge der Beratung an einer EFL untersucht. Die vollständige Studie, die auch als Dissertation an der Universität Siegen eingereicht wurde, ist im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht erschienen.

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16. Juli 2019
von Tom Levold
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Jede fünfte Person lebte 2018 in einem Einpersonenhaushalt

WIESBADEN – Im Jahr 2018 gab es 41,4 Millionen private Haushalte in Deutschland. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach Ergebnissen des Mikrozensus weiter mitteilt, hatten darunter Einpersonenhaushalte mit 42 % den größten Anteil. Damit lebten rund 17,3 Millionen Menschen oder etwa jede fünfte Person in Deutschland in einem Einpersonenhaushalt. In 58 % der Haushalte (24 Millionen) lebten zwei oder mehr Personen. Unter den
Mehrpersonenhaushalten hatten Zweipersonenhaushalte mit 34 % aller Haushalte den größten Anteil. Dreipersonenhaushalte machten 12 % und Vierpersonenhaushalte 9 % aus. Nur in 3 % der Haushalte lebten fünf oder mehr Personen. Damit hielt der langfristige Trend zu kleineren Haushalten an: Von 1991 bis 2018 ging die durchschnittliche Haushaltsgröße von 2,27 Personen auf 1,99 Personen zurück.
(Quelle: Statistisches Bundesamt https://www.destatis.de/pressemitteilungen)

15. Juli 2019
von Tom Levold
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Systemischer Forschungspreis 2020

Die Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF) und die Systemische Gesellschaft (SG) vergeben gemeinsam einen wissenschaftlichen Forschungspreis.

Mit ihrem wissenschaftlichen Forschungspreis verfolgen die systemischen Verbände das Ziel, den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern, die Weiterentwicklung der Forschungs- und Praxismethoden im Kontext des systemischen Denkens anzuregen und die Bedeutung des systemischen Ansatzes für die therapeutische und beraterische Praxis zu verdeutlichen.

Der Preis ist als Förderpreis konzipiert. Angenommen werden Masterarbeiten, Dissertationen, Habilitationen oder Forschungsarbeiten aus einem Projekt, das in oder auch außerhalb der Hochschule durchgeführt wurde. Erwünscht sind aktuelle Forschungsarbeiten, die nicht oder bei Einreichung nicht länger als ein Jahr veröffentlicht sind.

Der Preis ist mit 3.000 Euro dotiert. Weiterlesen →

13. Juli 2019
von Tom Levold
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Die Person in der Institution …

… lautet das Schwerpunktthema der aktuellen Ausgabe der Familiendynamik. In ihrem Editorial schreiben die Herausgeberinnen dieses Heftes, Ulrike Borst und Ann-Kristin Hörsting: „Was stört uns eigentlich daran, wenn in Teams gesagt wird: »Der Patient (der Jugendliche/der Gefangene/etc.) hat sich gut bei uns eingelebt«? Wir (Gast-) Herausgeberinnen waren bzw. sind viele Jahre in Institutionen tätig und fragen uns schon lange, wie Institutionen gestaltet sein sollten, damit die darin – zeitweise – lebenden Personen möglichst gut aus ihnen austreten und im »wirklichen Leben« weiterleben können. Auf diese Frage richten wir den Fokus der vorliegenden Ausgabe. Eine von uns (UB) hatte in den ersten Jahren ihrer Tätigkeit in einer Psychiatrischen Klinik ein Schlüsselerlebnis: Ein Professor der Universität Konstanz wollte mit seinen Studentinnen und Studenten anreisen, um zu untersuchen, ob die Klinik noch Merkmale einer totalen Institution aufweise. Die überaus engagierte, der Klinik und ihrem Chef loyal verbundene Psychologin überflog das einschlägige Standardwerk von Erving Goffman und befand: Alles längst überwunden! Wir sind offen, haben die Rehabilitation vom ersten Tag an im Blick, schicken die Patientinnen und Patienten am Wochenende nach Hause. Gegenüber den Besuchern argumentierte sie überzeugend. – In den nächsten Ferien las sie das Buch gründlich und erkannte zu ihrem Entsetzen in den mikrosoziologischen Analysen Goffmans vieles wieder, was auch im 3. Jahrtausend noch zum Klinikalltag gehört.“
Asmus Finzen und. Bruno Hildenbrand steuern Beiträge zum Thema „Totale Institution“ bei, darüber hinaus geht hier in weiteren Beiträgen um das Soteria-Konzept und geschlossene Einrichtungen zur Krisenintervention für Jugendliche. Ein Bericht aus Shanghai beschreibt die Implementation des SYMPA-Projektes in eine große psychiatrische Klinik der Region.

Alle bibliografischen Angaben und Abstracts zu diesen und vielen anderen Beiträgen finden Sie hier…

6. Juli 2019
von Tom Levold
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Personalien

1. Fritz B. Simon in der Hamburger Elbphilharmonie mit dem WinWin-Innovationspreis des Mediation DACH e.V. geehrt

Wie der Carl-Auer-Verlag mitteilt, wurde im Rahmen der 18. Internationalen Mediationstage in Hamburg Fritz B. Simon der renommierte WinWinno-Preis des Verbandes für Mediation DACH Deutschland, Austria, Schweiz für sein Lebenswerk verliehen. Mit dem WinWin-Innovationspreis – hierfür steht das Kürzel WinWinno – werden Menschen und Organisationen geehrt, die sich in besonderer Weise für den WinWin-Gedanken engagieren. Die Verleihung fand in der Hamburger Elbphilharmonie statt.
Glücklicherweise hat Fritz Simon die Preisverleihung überlebt, was offensichtlich für ihn keine Selbstverständlichkeit war: „Ich habe gezögert den Preis anzunehmen. Denn als ich das letzte Mal einen Preis für mein Lebenswerk bekommen habe, lag ich anschließend eine Woche im Koma und wäre beinahe gestorben – offenbar hatte ich das mit dem Lebenswerk falsch verstanden…“, so Fritz B. Simon in seiner launigen Dankesrede.

2. Hans Schindler zum Präsidenten der Bremer Psychotherapeutenkammer gewählt

Die 40. Kammerversammlung der Psychotherapeutenkammer Bremen hat am 18. Juni 2019 den Systemischen Therapeuten und langjähriges Vorstandsmitglied der SG Hans Schindler zum Vorsitzenden der Kammer in Bremen und Nachfolger von Karl Heinz Schrömgens gewählt. Damit ist hat erstmals ein Systemiker das Amt eines Präsidenten einer deutschen Psychotherapeutenkammer angetreten.

3. Dirk Rohr zum Präsidenten der “European Association for Counselling (EAC)” gewählt

Im April dieses Jahres wurde DGSF-Mitglied Dr. Dirk Rohr, Sprecher der Fachgruppe Systemische Beratung, zum Präsidenten der “European Association for Counselling (EAC)” gewählt. Die EAC ist der Beratungs-Dachverband in Europa. Sie besteht aus ‚Individual Members‘ und nationalen Verbänden. DGSF-Mitglieder können ihr als Einzelpersonen beitreten und sich zertifizieren lassen, gleichzeitig ist die DGSF über die Deutsche Gesellschaft für Beratung (DGfB) als Verband in der EAC vertreten. Alle National Associations deligieren eine Person in den erweiterten Vorstand der EAC. Seit April 2017 ist Dirk Rohr als DGfB-Vertreter in eben diesem ‚Governing Board‘ tätig. 2018 richtete er mit seinem Arbeitsbereich Beratungsforschung der Universität zu Köln die EAC Annual Conference mit 600 Teilnehmer*innen aus. Seit April gehört er nun als deren Präsident zum Executive Council und will v.a. die Berater-Rolle der EAC für die Europäische Union ausbauen.

systemagazin gratuliert den Preis- und Amtsträgern von Herzen!

27. Juni 2019
von Tom Levold
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Die Kunst zu hören

Im April 2018 hat das Berliner Institut für Familientherapie, Systemische Therapie, Supervision, Beratung und Fortbildung (BIF) sein 35-jähriges Jubiläum mit einer Fachtagung zu einem Thema gefeiert, das im systemischen Diskurs bislang nicht sonderlich gut vertreten war: »Die Kunst zu hören«. Initiatorin dieser Tagung war für das BIF Regina Riedel. Die unterschiedlichen wissenschaftlichen, praktischen und sinnlichen Beiträge zu dieser Tagung inspirierten die Herausgabe eines Kontext-Themenheftes, das als Heft 1/2019 erschien, das die beiden Hauptvorträge der Tagung sowie einen weiteren Originalbeitrag enthält.

Peter Rober von der Universität Löwen in Belgien eröffnet das Heft mit seinem Beitrag über die Komplexität des Zuhörens in der Familientherapie, vor allem unter Einbezug auch der jüngeren Kinder. Ihm geht es in seinem narrativen Zugang zu den Geschichten der Familien um verschiedene Arten des Zuhörens, nämlich das Zuhören mit den Ohren, mit den Augen und mit den Herzen. Nur im Zusammenklang dieser drei Arten des Zuhörens entsteht so etwas wie empathische Responsivität.

Tom Levolds Arbeit zielt darauf, dem Zuhören einen bedeutsameren Platz im systemischen Diskurs zu verschaffen, der einerseits von einer Dominanz visueller Metaphern geprägt ist, anderseits hinsichtlich der Gesprächsführung eher mit Fragen als mit Zuhören beschäftigt ist. Er arbeitet die Unterschiede zwischen Hören und Zuhören und die Bedeutung der Erfassung unterschiedlicher linguistischer und paralinguistischer Elemente von Klientennarrativen im therapeutischen Gespräch heraus, in dessen Verlauf verborgene Aspekte des Problemerlebens als »Thema hinter dem Thema« sowie mögliche Lösungen erkennbar werden.

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21. Juni 2019
von Tom Levold
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Mara Selvini Palazzoli (15.8.1916 – 21.6.1999)

Mara Selvini Palazzoli

Heute vor 20 Jahren starb in Mailand Mara Selvini Palazzoli, die ab 1971 aufgrund ihrer Auseinandersetzung mit Batesons Kybernetik und Watzlawicks Kommunikationstheorie gemeinsam mit Luigi Boscolo, Gianfranco Cecchin und Giuliana Prata eine Wegbereiterin der systemischen Therapie wurde. Nach ihrer gemeinsamen Veröffentlichung von Paradoxon und Gegenparadoxon wurde die Vorgehensweise des Viererteams als Mailänder Modell weltbekannt. Nach der Trennung von Luigi Boscolo und Gianfranco Cecchin gründete Selvini Palazzoli gemeinsam mit Giuliana Prata 1982 ein neues Institut unter dem Namen Nuovo Centro per lo Studio della Famiglia.

1984 erschien im Journal of Strategic and Systemic Therapies ein Artikel des Psychiaters Vincenzo DiNicola mit dem Titel „Road Map to Schizo-Land: Mara Selvini Palazzoli and the Milan Model of Systemic Family Therapy“, in dem die theoretische Entwicklung von Mara Selvini nachgezeichnet wird. Im Abstract heißt es: „This article examines the development of Selvini Palazzoli’s thinking that has led to her current exploration of the ?invariant? prescription. Her previous contributions in the understanding of such areas as the referring person problem, hypothesizing, circularity, neutrality, and positive connotation are reviewed as is her more recent concern with the isomorphisms between families and larger systems. The ?invariant? prescription is described in some detail.“
Der Artikel kann hier heruntergeladen werden…

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