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Online-Journal für systemische Entwicklungen

Peter Kruse (30.1.1955 – 1.6.2015)

Am 1.6. ist Peter Kruse völlig unerwartet im Alter von 60 Jahren an einem Herzversagen gestorben. Peter Kruse hatte sich als Psychologe schon seit Ende der 80er Jahre an der Universität Bremen (gemeinsam mit Michael Stadler) mit der Selbstorganisation neuronaler Prozesse beschäftigt und ist hierdurch auch einem größeren systemischen Publikum bekannt geworden. In den 90er Jahren wandte er sich dann als einer der ersten aus dem systemischen Feld dem Bereich der Unternehmensberatung zu und gründet mit nextpractice eine eigene Firma, die schnell mit ihrem Schwerpunkt der Anwendung und praxisnahen Übertragung von Selbstorganisationskonzepten auf unternehmerische Fragestellungen bekannt wurde. Mit Peter Kruses Tod hat das systemische Denken eine große Persönlichkeit verloren. In diesem Video vom Zukunftskongress sehen wir noch einmal ein Interview mit ihm, in dem er seine Abkehr von der Einpersonen-Psychologie hin zu einer aggregierten Netzwerk-Kultur-Theorie beschreibt.

 

Ein Kommentar

  1. Ein schönes Interview. Die Fähigkeit, die P. Kruse hier anspricht, also die Fähigkeit, bewusst als Teilnehmer eines (uns verborgenen) kulturellen, überindividuellen Wissensnetzwerks zu agieren, hat Kant bereits vor über 200 Jahren umfassend untersucht. Sie heißt bei ihm „Geschmacksurteil“: das Vermögen, die Mitteilbarkeit der mit einer Vorstellung unmittelbar (d. h. ohne Vermittlung eines Begriffs) verbundenen Gefühle a priori zu beurteilen. (Kritk der Urteilskraft § 40 „Vom Geschmacke als einer Art von sensus communis“).

    Mit Gregory Bateson gesagt: Abstraktes, rationales Denken und Sinn für Schönheit gehören untrennbar zusammen; „unser Verlust des Sinnes für ästhetische Einheit (war) ganz einfach ein erkenntnistheoretischer Fehler (..).“