systemagazin

Online-Journal für systemische Entwicklungen

Kontext 2019

Heft 1

Levold, Tom, Foertsch, Dörte, Bauer, Petra, Beher, Stefan & Bräutigam, Barbara (2019): Editorial: Die Kunst zu hören. In: Kontext, 50(1), S. 3-4.

Levold, Tom (2019): In eigener Sache. In: Kontext, 50(1), S. 5-7.

Rober, Peter (2019): Die Komplexität des Zuhörens in der Familientherapie. In: Kontext, 50(1), S. 8-25. 

 Abstract: Mit diesem Beitrag möchte ich unterstreichen, wie komplex und keineswegs selbstverständlich das Zuhören in der Familientherapie ist. Ich benenne drei Arten des Zuhörens: mit den Ohren, mit den Augen und mit dem Herzen. Mit den Ohren hört der/die Therapeut/in der Geschichte zu, die der/die Klient/in erzählt. Mit den Augen kann er/sie sehen, was das auf der emotionalen Ebene für den/die Klienten/Klientin bedeutet, und beobachten, wie die anderen Familienmitglieder darauf reagieren (z. B. ihr Zögern o. Ä.). Und dann ist da das Zuhören mit dem Herzen. Der/die Therapeut/in zeigt spontan Reaktionen auf das, was während der Sitzung geschieht, und indem er/sie darauf reagiert, kann er/sie wiederum bemerken und überrascht darüber sein, was das in ihm/ihr heraufbeschwört. Dieser Blick auf die Komplexität des Zuhörens wird durch Fallbeispiele illustriert, insbesondere durch den bemerkenswerten Fall von Mick und seinen Dinosauriern.

Levold, Tom (2019): Hören 1. und 2. Ordnung. In: Kontext, 50(1), S. 26-44. 

 Abstract: Im systemischen Diskurs sind visuelle Metaphern dominant, zum Hören und Zuhören ist hier wenig zu finden. Auch die Literatur zur Gesprächsführung ist primär an Fragen orientiert und nicht am Zuhören. Der Aufsatz beschreibt die Unterschiede zwischen Hören und Zuhören und arbeitet die Bedeutung des Zuhörens für Therapie und Beratung heraus. Sprechen und Zuhören werden als wechselseitiger Prozess dargestellt, in dessen Verlauf verborgene Aspekte des Problemerlebens als »Thema hinter dem Thema« sowie mögliche Lösungen erkennbar werden. Dabei spielt die Erfassung unterschiedlicher linguistischer und paralinguistischer Elemente von Klientennarrativen eine bedeutsame Rolle. Abschließend werden die Konsequenzen dieser Konzeption für die Frage einer aktiven Strukturierung von Therapiegesprächen erörtert.

Meier, Ulrike (2019): Zu/Hören im Zeitalter der konstruktivistischen Wende. In: Kontext, 50(1), S. 45-67. 

 Abstract: Der Beitrag nähert sich Prozessen des Verstehens und der Verständigung unter einem doppelten Fokus. Er untersucht das kommunikative Handeln aus der Perspektive des Zuhörens, das er zugleich in den Kontext einer konstruktivistischen Beobachtertheorie stellt. Während mit der Konstruktionshypothese von Wirklichkeit das hochdynamische Geschehen der Kommunikation als Konstruktions- und nicht als Übertragungsvorgang erkennbar wird, zeigt sich Kommunikation aus der Perspektive des Zuhörens darüber hinaus als ein Resonanzgeschehen, in dem besonders imaginäre Prozesse, Impulse, die sich der Sprachlichkeit entziehen, als dynamisierende Kräfte kommunikativen Handelns erkennbar werden. Wird das imaginäre Geschehen, das besonders gut in der persönlichen Begegnung erfahrbar wird, bewusst wahrgenommen, zeigen sich damit zugleich Regulative, die Kommunikation gestaltbarer sowie das Zuhören als Handlungsmacht erfahrbar machen. Mit einem konstruktivistischen Verständnis kommunikativen Handelns wandelt sich darüber hinaus das Aktive in ein Interaktives Zuhören.

Trip, Frank, Wirtz, Claudia & Volkerts, Claudia (2019): Schweigen in der Therapie – eine essenzielle Fähigkeit. In: Kontext, 50(1), S. 68-75. 

 Abstract: Für Therapeut/innen jeder Schule ist neben allen Fragetechniken, Methoden und möglichen Interventionen eine weitere Fähigkeit essenziell – das Schweigen. Es kann von Bedeutung werden, sich damit zu befassen, wann es an der Zeit ist, Fragen zu stellen und wann es eher gut sein kann, bewusst nichts zu sagen. Kann das Schweigen Effekte auf den Verlauf therapeutischer Gespräche haben? Im Verlauf der vierjährigen Weiterbildung am BIF wurde deutlich, dass Klienten besonders dann zu eigenen Lösungen verholfen werden kann, wenn gewusst wird, wann es sinnvoll ist, Fragen zu stellen und wann, auch bewusst nichts zu sagen. Dieser Erfahrung soll im Folgenden in einem Vergleich zu Pausen und Unterbrechungen in der Musik nachgegangen werden. Dazu wird beispielhaft in kurzer Form die Bedeutung von Pausen in der Musik erörtert. Im Bereich der Musik und der Musikwissenschaften gibt es darüber erheblich mehr Literatur. Dargestellt wird der Versuch, theoretische Beispiele aus der Musik auf das therapeutische Handeln zu übertragen.

Lieb, Beate (2019): Tagungsbericht: „Die Kunst zu hören“ – Viele verschiedene Ebenen! Berlin, 14.4.2018. In: Kontext, 50(1), S. 76-78. 

Bleckwedel, Jan (2019): Plädoyer für einen aufgeklärten Humanismus – Zuversicht in Zeiten der Gegenaufklärung. In: Kontext, 50(1), S. 79-86. 

Mietz, Jürgen (2019): Rezension – Harald Pühl (2018): OrganisationsMediation – Grundlagen und Anwendungen gelungenen Konfliktmanagements. Gießen (Psychosozial-Verlag). In: Kontext, 50(1), S. 88-89. 

Herwig-Lempp, Johannes (2019): Rezension – Sandra Rendgren (2018): Information Graphics. Köln (Taschen). In: Kontext, 50(1), S. 90-91. 

Räthke, Ricarda (2019): Rezension – Andreas Patrzek & Stefan Scholer (2018). Systemisches Fragen in der Kollegialen Beratung. Weinheim (Beltz). In: Kontext, 50(1), S. 91-92. 

Schenk, Marion (2019): Rezension –  Günther Mohr (2017): Resilienzcoaching für Menschen und Systeme. Köln (EHP-Verlag). In: Kontext, 50(1), S. 93-94. 

Saechtling, Leonie (2019): Rezension – Roman Hoch & Heliane Schnelle (2018): Systemische Therapie und Beratung mit Bildimpulsen. Weinheim (Beltz). In: Kontext, 50(1), S. 94-95. 

Beyer, Thomas (2019): Rezension – Elmar Brähler & Wolfgang Herzog (Hrsg.)(2018): Sozialpsychosomatik. Das vergessene Soziale in der Psychosomatischen Medizin. Stuttgart (Schattauer). In: Kontext, 50(1), S. 95-96. 

Schenk, Marion (2019): Rezension – Alexander Cherdron (2014): Väter und ihre Söhne: Eine besondere Beziehung. Heidelberg (Springer). In: Kontext, 50(1), S. 96-98. 

Müller, Norbert (2019): Rezension – Harald Wenske (2016): Systemische Einwandbehandlung. Der Dialog macht den Unterschied. Heidelberg (Carl-Auer). In: Kontext, 50(1), S. 98-100.


Heft 2

Beher, Stefan, Bauer, Petra, Bräutigam, Barbara & Levold, Tom (2019): Editorial. In: Kontext, 50 (2), S. 129-130. 

Bünder, Peter, Sirringhaus-Bünder, Annegret & Baatz-Kolbe, Christel (2019): Würde statt Scham. Wertschätzung als Element einer systemischen Grundhaltung und entwicklungsfördernder Impuls in der video-basierten MarteMeo-Methode. In: Kontext, 50 (2), S. 131-148. 

Abstract: Der Artikel beschreibt – basierend auf einer systemischen Grundhaltung – die Essentials der video-basierten MarteMeo-Methode in Bezug auf die Dimensionen Wertschätzung und Respekt, um insbesondere den Menschen eine Hilfe anbieten zu können, die in ihrem Leben oftmals Beschämung und Entwürdigung erfahren haben.

Hörmann, Martina (2019): Neues im Möglichkeitsraum. Impulse für die systemische Beratung im 21. Jahrhundert und deren Konsequenzen für die Aus- und Weiterbildung. In: Kontext, 50 (2), S. 149-162. 

Abstract: Systemische Beratung im 21. Jahrhundert kann auf langjährig bewährte Konzepte zurückgreifen. Zugleich gilt es aktuelle gesellschaftliche und fachliche Diskurse aufzugreifen und zu integrieren. Dazu gehören beispielsweise die Idee einer gender- und diversitysensiblen Beratung, die Auseinandersetzung mit neuen Möglichkeiten von digitaler Beratung sowie die eigenständige Profilierung von Beratung in Abgrenzung zur Psychotherapie. Inwiefern diese Impulse zur Weiterentwicklung von systemischer Beratung beitragen können, wird an einem Beispiel diskutiert. Dabei wird der Begriff des Möglichkeitsraumes im Beitrag in einer doppelten Weise verwendet: Zum einen will systemische Beratung Möglichkeitsräume von und für Klientinnen und Klienten öffnen und erweitern und so neue Lösungen ermöglichen. Zum anderen gilt es, didaktische Möglichkeitsräume für Beratungslernende in einem kompetenzorientierten Lernprozess zu schaffen.

Klenke-Lüders, Bettina (2019): Systemische Kinderwunschberatung. Effektive Unterstützung in einer belasteten Lebensphase. In: Kontext, 50 (2), S. 163-178. 

Abstract: Ungewollte Kinderlosigkeit führt zu einer tiefgreifenden Veränderung des alltäglichen Lebens. Frauen und Männer finden in dieser belasteten Lebensphase durch die psychosoziale Kinderwunschberatung eine wertvolle Unterstützung. Nach einer Definition der ungewollten Kinderlosigkeit werden die Arbeitsweise der psychosozialen Kinderwunschberatung vorgestellt und die gängigen Interventionen der systemischen Beratung in einem Tableau visualisiert. Die besonderen Möglichkeiten eines spezifisch systemisch ausgerichteten Beratungsprozesses werden herausgearbeitet und durch Beispiele aus der Praxis illustriert. Familienplanung ist ein biografisches Thema: im Lebensverlauf findet das krisenhafte Ereignis der ungewollten Kinderlosigkeit in der Gegenwart des Erwachsenenalters statt – zwischen Kindheit und Jugend im Herkunftssystem und der erhofften Familienbildung samt Generationenfolge in der Zukunft. Diese transgenerationale Betrachtungsweise wird in einer spezifisch systemischen Kinderwunschberatung berücksichtigt. Das geplante Wunschkind von Anfang an als Systemmitglied zu würdigen, ermöglicht einen Perspektivenwechsel. Insbesondere bei den Überlegungen im Rahmen einer geplanten Gametenspende, also einer Familienbildung mit Hilfe Dritter, ist die Einbeziehung der Interessen des Wunschkindes ein Gewinn. Denn angesichts der Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin, der ethischen Gesichtspunkte und rechtlichen Vorgaben entfaltet die ungewollte Kinderlosigkeit über die private Ebene hinaus eine politische Dimension. In einer systemisch ausgerichteten Kinderwunschberatung können diese vielfältigen Implikationen auch in Verantwortung und Vorsorge für das geplante Wunschkind und zukünftige Familiensystem reflektiert werden.

Schwertl, Walter & Staubach, Maria (2019): Dialoge der Liebenden oder Bekämpfung von Krankheit – Eine Streitschrift. In: Kontext, 50 (2), S. 179-192. 

Abstract: Wir sprechen von Paarberatung (wahlweise von Interviews) in Abgrenzung von Paartherapie. Die Logik von Psychotherapie (Heilung von Krankheit) ist mit der Logik von Paarberatung nicht vereinbar. Die primäre Setzung ist Liebe. Paare lassen sich als Beobachter 1. Ordnung verstehen. Paarberatung fordert Beobachtung 2. Ordnung. Die gewählte Sprache muss zur Setzung Liebe passen. Das Neutralitätsgebot ist als konstituierendes Merkmal von Paarberatung unverzichtbar. Männer und Frauen konzipieren ihre Lebensentwürfe in einer bestimmten Zeit, einer bestimmten Epoche, in einer sozialen Schicht. Kurz gesagt, in einer bestimmten Kultur. Die in dieser Kultur entwickelten Lebensentwürfe sind in Partnerschaften eingewoben. Die Auflösung von Partnerschaften hat daher immer eine Zäsur des Lebensentwurfs zur Folge. Kunden, Fachliteratur, Literatur über die Liebe von Männern und Frauen und das eigene gelebte Leben haben uns zu folgendem Schluss kommen lassen: Alle gemachten Aussagen und Behauptungen sind kontingent und als einstweilig anzusehen. In Paarberatung bleibt uns nur Wandel als stabiler Faktor.

Schweitzer, Jochen & Bräutigam, Barbara (2019): Ich persönlich halte die Mehrpersonenorientierung für wichtiger als die Erkenntnistheorie. Jochen Schweitzer im Gespräch mit Barbara Bräutigam. In: Kontext, 50 (2), S. 193-208. 

Editorische Vorbemerkung: Ich habe bei Jochen Schweitzer den größten Teil mei- ner familientherapeutischen Ausbildung gemacht und bin ihm seit vielen Jahren – soweit das im Rahmen der doch nicht unbeträchtlichen geografischen Ent- fernung zwischen Heidelberg und Stralsund möglich ist – fachlich und freund- schaftlich verbunden. Insbesondere in den Zeiten, in denen ich vorwiegend klinisch-praktisch gearbeitet habe, habe ich mich innerlich viel mit »meinem« innerlich repräsentierten Jochen unterhalten – also lieber Jochen wie würdest du jetzt diesen sturen Bock von Vater einladen, sich an einer famosen syste- mischen Intervention zu beteiligen, jetzt sag schon!!! Insofern finde ich es jetzt äußerst reizvoll, die reale Gelegenheit zu haben, ihn nach Lust und Laune zu befragen. Das Gespräch findet im Mutterhaus des Vandenhoeck & Ruprecht- Verlags in Göttingen statt.

Herwig-Lempp, Johannes (2019): Rezension – Janusz Korczak (2018): Wie man ein Kind lieben soll (17., überarb. Neuaufl.). Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht). In: Kontext, 50 (2), S. 210-211. 

Wackenroder, Sabine (2019): Rezension – Astrid Riedener Nussbaum & Maja Storch (2018): Ich pack‘s! Selbstmanagement für Jugendliche – ein Trainingsmanual für die Arbeit mit dem Züricher Ressourcen Modell (4., unveränd. Aufl.). Bern (Hogrefe). In: Kontext, 50 (2), S. 212-214. 

Gebhardt, Tina (2019): Rezension – Detlef Scholz (2018): Die Kunst des unglücklichen Lehrens. Eine Anleitung in neun Schritten. Heidelberg (Carl-Auer). In: Kontext, 50 (2), S. 214-215. 

Berg, Mathias (2019): Rezension – Kirsten von Sydow & Ulrike Borst (Hrsg.) (2018): Systemische Therapie in der Praxis. Weinheim (Beltz). In: Kontext, 50 (2), S. 215-217. 

Grotmann, Elisabeth (2019): Rezension – Gerhard Bliersbach (2018): Mit Kind und Kegel. Ein Ratgeber für Patchworkfamilien. Gießen (Psychosozial-Verlag). In: Kontext, 50 (2), S. 217-218. 

Kallenbach, Ingo M. (2019): Rezension – Eckard König & Gerda Volmer (2018): Handbuch Systemische Organisationsberatung (3., komplett überarb. Aufl.). Weinheim (Beltz). In: Kontext, 50 (2), S. 218-220. 

Hollick, Ulrike (2019): Rezension – Konrad P. Grossmann (2018): Wenn Kinder größer werden. Familientherapie mit älteren Kindern und Jugendlichen. Heidelberg (Carl-Auer). In: Kontext, 50 (2), S. 220-221. 

Hansen, Hartwig (2019): Rezension – Bruno Hildenbrand (2018): Genogrammarbeit für Fortgeschrittene – Vom Vorgegebenen zum Aufgegebenen. Heidelberg (Carl-Auer). In: Kontext, 50 (2), S. 221-223. 

Schlipf, Thomas (2019): Rezension – Thea Bock & Gerhard Dieter Ruf (2018): Eine Frage der Haltung: Psychosen verstehen und psychotherapeutisch behandeln. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht). In: Kontext, 50 (2), S. 223-224. 

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