systemagazin

Online-Journal für systemische Entwicklungen

systhema 2017

Heft 1

Loth, Wolfgang (2017): „Mitten im Leben.“ Ein Nachruf auf Ursel Winkler *20.08.1964 †01.12.2016. In: systhema 31 (1): 5-6.

Hennecke, Cornelia (2017): Nachruf auf Gisela Osterhold. In: systhema 31 (1): 7-8.

Schlippe, Arist von (2017): Beziehung an den Grenzen. Die Paarbeziehung im Werk der Künstler Auguste Rodin und Edgar Degas. In: systhema 31 (1): 9-24.

abstract: Obwohl sie Zeitgenossen waren und die Kunstgeschichte bis in die Gegenwart hinein geprägt haben, waren Rodin und Degas als Künstler sehr unterschiedlich. Der Text betrachtet das Werk der beiden unter einem spezi schen Blickwinkel: die im Werk der beiden Männer vermittelten Bilder von Paarbeziehungen und darüber hinaus generell vom anderen Geschlecht werden diskutiert. Es zeigen sich zwei extreme Formen: das Thema der idealisierenden Verschmelzung zwischen Mann und Frau bei Rodin, das des Betrachters, der sich der Frau nur beobachtend nähert, bei Degas. Beide, so die Schlussfolgerung, die auch ihre persönliche Geschichte jeweils mit einbezieht, haben einen wichtigen Aspekt von Partnerschaft nicht gelebt: die Ent- scheidung für eine lebenslange Bindung an einen anderen Menschen.

Schindler, Hans (2017): „Die systemische Familiendynamikaufstellung nach Bert Stierlinger wird nicht bezahlt“. Wohin bewegen sich die Familienaufsteller? In: systhema 31 (1): 25-33.

abstract: Der diesem Beitrag vorangestellte Ausspruch entstammt einem Gespräch mit einem Krankenkassen-Mitarbeiter, der wegen der Kostenübernahme für etwas ganz anderes, nämlich eine Systemische Familientherapie, befragt worden war (Reitz, 2014, S. 147). Die in diesem Satz zu Tage tretende Verwirrung gehört in der Fachöffentlichkeit längst der Vergangenheit an, doch Ende der 1990er-Jahre und Anfang dieses Jahrhunderts waren derartige Unklarheiten auch dort durchaus verbreitet. Dieser Beitrag zeichnet den Prozess des Familienstellens in den letzten zwei Jahrzehnten nach. Er ist Teil der Geschichte der Systemischen Therapie, kann aber auch als Beispiel dafür betrachtet werden, wie Therapieschulen versuchen, sich von auf den ersten Blick abseitigen Ideen abzugrenzen, die ihnen angedient werden, oder sie zugleich zumindest teilweise zu integrieren.

Finkbeiner, Jörg (2017): „Endlich hast du gesehen, was ich meinte!“. Wenn reden alleine nicht mehr ausreicht – Erfahrungsorientierte systemische Paar- und Familienberatung. In: systhema 31 (1): 34-47.

abstract: Wie begleitet man Eltern, die schon alles kennen, beratungsmüde sind oder sich zur Zusammenarbeit genötigt fühlen? Hier ist der Wunsch groß, eine Methode zu kennen, die überrascht, Spaß macht und anders ist als alles, was bisher in der Familienberatung eingesetzt wird. Die erfahrungsorientierte systemische Familienberatung (ESFB) ist eine neu entwickelte Methode, bei der Familien auf spielerische Art innerfamiliäre Prozesse erkennen können. Sie lädt ein, neue Umgangsformen auszuprobieren. Eltern schätzen an der Methode die Alltagsnähe und können oftmals die selbst gewonnenen Erfahrungen gut umsetzen. An einem Beispiel aus der Praxis wird die Methode vorgestellt und praxisnah erläutert.

Gonther, Uwe, Hans Schindler & Rose Schindler (2017): Interview mit Herrn Prof. Dr. Uwe Gonther, Ärztlicher Direktor am Ameos Klinikum Dr. Heines in Bremen durchgeführt von Rose und Hans Schindler. In: systhema 31 (1): 48-61.

Pannen-Burchartz, Angelika (2017): Meine Wahrheit, deine Wahrheit. Über Kontingenz im Geschlechterverhältnis. In: systhema 31 (1): 62-68.

abstract: Die Anfänge der Familientherapie in den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts sind besonders gekennzeichnet durch die Pionierarbeit von Virginia Satir (1972). Sie schuf eine humanistische, wachstumsorientierte Familientherapie. Kennzeichnend ist ihr Blick auf den Selbstwert und die kongruente Kommunikation. Im Laufe der Jahre etablierte sich die Systemische Familientherapie in der Praxis und Lehre mit dem Blick auf die Wechselwirkungen zwischen Systemmitgliedern und interpersonellen Mustern. In den 80er-Jahren kam es unter der Überschrift „Kybernetik II“ zu einer nachhaltigen Richtungsänderung. TherapeutInnen beschlossen, Theorien aus der Biologie, der Philosophie und der Soziologie zur Reflexion und zur Neuorientierung ihres therapeutischen und beraterischen Tuns zu nutzen. Die Theorien der autopoietischen Systeme und die Systemtheorie des Soziologen Niklas Luhmann haben nachhaltige Wirkungen auf die systemische Lehre, auf das Verständnis der psychotherapeutischen Praxis und auf die Identität des Therapeuten entfaltet. Diese Neuorientierung lässt sich als „konstruktivistische Wende“ in der Systemischen Therapie bzw. Familientherapie bezeichnen. Zu ihr gehört auch der Einbezug des soziologischen Begriffs der Kontingenz nach Niklas Luhmann. Kontingenz soll hier unter dem Aspekt „Meine Wahrheit – deine Wahrheit. Kontingenz im Geschlechterverhältnis“ diskutiert werden. Selbstverständlich kann ich dieses weite Feld im Rahmen eines kurzen Artikels nur ansatzweise skizzieren.

Lieb, Hans (2017): Kontingenz und Gewissheit: Welchen Platz hat Gewissheit in der systemischen Praxis? Ein Plädoyer für die Unterscheidung zwischen Theorie und Handlungsanweisung. In: systhema 31 (1): 69-73.

abstract: Ich unterscheide im Folgenden zwischen Systemtheorie und systemischer Praxis. Letztere muss sich mit Ersterer beschreiben und begründen lassen. Zum Teil kann Letztere auch direkt aus Ersterer abgeleitet werden: Aus der Systemtheorie wurden viele kreative und erfolgreiche Methoden abgeleitet: Reframing, Wunderfrage, paradoxe Interventionen usw. Es gibt auch Ansätze, die in der Systemtherapie die Anwendung der systemischen Erkenntnistheorie in der Praxis sehen: Dekonstruktion von Landkarten, Aufzeigen von neuen Optionen. Das alles ist unbestritten. Und das muss ich für systemische Zuhörer (oder Leser) nicht weiter ausführen. Allerdings gebe ich zu bedenken: manche dieser Methoden haben auch andere Therapieschulen entwickelt und aus einer anderen Theorie abgeleitet, zum Beispiel gibt es die Wunderfrage auch in der Verhaltenstherapie. Warum nun hilft es vor diesem kurz umrissenen Hintergrund, zwischen Systemtheorie und systemischer Praxis oder Systemtherapie zu unterscheiden?

Molter, Haja (2017): Wenn Wahrheit die Erfindung eines Lügners ist, dann ist Heinz von Foerster ein Lügner. In: systhema 31 (1): 74-80.

Schindler, Hans (2017): In der wunderschönen Zeit dazwischen (7). In: systhema 31 (1): 81-89.

abstract: Vor knapp zwei Jahren hatte das IQUIG (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen) nach der Beauftragung durch den Unterausschuss Methodenbewertung des G-BA zur Begutachtung der Systemischen Psychotherapie bei Erwachsenen sein Stellungnahmeverfahren abgeschlossen und mit der Erarbeitung einer Begutachtung begonnen. Diese Begutachtung war die erste Bewertung eines Psychotherapieverfahrens durch dieses Institut. Häufigste bisherige Aufgaben waren Stellungnahmen zu neuen Arzneimitteln. Im Sommer letzten Jahres (2016) ist nun der Vorbericht erschienen. Mit mehr als 700 Seiten ist das Werk mehr als umfänglich.

Klink, Andreas (2017): Rezension – Kirsten von Sydow (2015). Systemische Therapie. München (Ernst Reinhardt Verlag). In: systhema 31 (1): 90-91.

Tsirigotis, Cornelia (2017): Rezension – Ulrich Tiber Egle, Peter Joraschky, Astrid Lampe, Inge Seiffge-Krenke & Manfred Cierpka (2016): Sexueller Missbrauch, Misshandlung, Vernachlässigung. Erkennung, Therapie und Prävention der Folgen früher Stresserfahrungen. 4. überarb. und erweiterte Auflage. Stuttgart (Schattauer). In: systhema 31 (1): 91-92.

Tsirigotis, Cornelia (2017): Rezension – Franziska Vogt-Sitzler, Wilhelm Körner & Manfred Vogt (2017): Das Okay und Hey-Stopp!-Spiel. Das Spiel für Psychotherapie mit übergriffigem Verhalten. Manfred Vogt Spieleverlag in Kooperation mit Ravensburger. In: systhema 31 (1): 93-94.

Tsirigotis, Cornelia (2017): Rezension – Axel Rachow & Johannes Sauer (2015): Der Flipchart-Coach. Pro-Tipps zum Visualisieren und Präsentieren am Flipchart. Bonn (Managerseminare). In: systhema 31 (1): 94-95.

Tsirigotis, Cornelia (2017): Rezension – Arist und Björn von Schlippe (2016). Paradoxe Momente. und verwirrte Beziehungen. Stuttgart (Klett-Cotta). In: systhema 31 (1): 95-96.


Heft 2

Kleve, Heiko (2017): Die Wechselseitigkeit von Geben und Nehmen. Netzwerke als soziale Systeme. In: systhema 31 (2): 110-121.

abstract: Auf der Basis der Systemtheorie werden Vernetzung und Netzwerke als soziale Systeme beschrieben und wie gesellschaftliche Funktionssysteme erklärt. Denn soziale Netzwerksysteme gründen auf einem Erfolgsmedium der Kommunikation, nämlich auf Reziprozität, sind durch die Wechselseitigkeit von Geben und Nehmen codiert und entwickeln eine eigene Selbstorganisation (Autopoiesis), die bestimmte Personen einbezieht und andere ausschließt.

Weinblatt, Uri (2017): Sorry is the hardest word: Wie man Entschuldigungen nutzt, um Schamgefühle in Beziehungen zu mindern. In: systhema 31 (2): 122-135.

abstract: Scham ist eine häufige und schmerzhafte Emotion, die im alltäglichen Leben entsteht, wenn Menschen sich verletzt, herabgesetzt, nicht respektiert oder von anderen ignoriert fühlen. Obwohl Entschuldigungen eine der wirksamsten Interventionen sind, um Scham in Beziehungen zu reduzieren, werden sie nicht oft genug geäußert oder wenig effizient genutzt. In diesem Artikel werden die Hindernisse beschrieben, die Menschen davon abhalten, sich erfolgreich zu entschuldigen, und es wird untersucht, wie eine angemessene Entschuldigung die eigene Scham, Schamgefühle in einer Beziehung oder die anderer Personen regulieren kann. Um diese Ziele zu erreichen, sollten Therapeuten die Täter/Opfer-Unterscheidung überwinden und stattdessen auf Entschuldigungen als Mittel zur Schamregulierung fokussieren.

Hüdepohl, Sibylle & Martin Steinkamp (2017): Fest verankert – Vernetzung in der Jugendhilfe Hagen. In: systhema 31 (2): 136-146.

abstract: Vernetzung gehört in der Sozialraum- und Lebensweltorientierung zu den zentralen Leitideen, wenn es um Fragen der Ausgestaltung und Ausrichtung von Jugendhilfe geht. Wir beschreiben nachfolgend unsere vernetzenden Aktivitäten als Verknüpfung zwischen Akteuren und auch Konzepten. Die Art der Vernetzung haben wir auf Unterschiedlichkeit hin reflektiert als Prozess vom ICH zum WIR beschrieben. Und wir nehmen eine Bewertung vor, worin wir sowohl den Nutzen als auch die Hürden sehen. Die meisten der beschriebenen Aktivitäten haben wir im gemeinsamen Tun als Leitung des Beratungszentrums Rat am Ring realisiert. Unsere Beheimatung in unterschiedlichen Professionen scheint in einzelnen Textpassagen durch.

Klink, Andreas & Thomas Rüth (2017): Bündnisse in kriminalpräventiven Netzwerken. In: systhema 31 (2): 147-161.

abstract: Der Artikel beruht auf einem Workshop und einem Vortrag während der Tagung „Kluge Wege der Vernetzung“ vom 2. bis 4. März 2017 an der Universität Witten/Herdecke. Er beschreibt die Etablierung von Vernetzungs- und Bündnisstrukturen anhand eines spezifischen kriminalpräventiven Netzwerks, das seit 2011 in einem Essener Stadtteil entstanden ist. Meilensteine bei der Etablierung dieses Netzwerks sind zum einen eine aufsuchende Befragung und zum anderen der daraus resultierende Aufbau des Netzwerkes und die langjährige Kooperation der Netzwerkpartner im Rahmen von Maßnahmen, Aktionen und Interventionen.

Meng, Reinhard (2017): Die „präsente“ Führungskraft in Verbindung mit dem Konzept der Professionellen Präsenz und dem Modell der Neuen Autorität. In: systhema 31 (2): 162-166.

abstract: Die in diesem Beitrag beschriebene Verbindung von Führungsverständnis und Unternehmenskultur mit dem Konzept der Elterlichen und Professionellen Präsenz bezieht sich auf einen Vortrag, den der Autor im Rahmen der Tagung „Kluge Wege der Vernetzung – Elterliche und Professionelle Präsenz“ vom 2. bis 4.03.2017 an der Universität Witten/Herdecke gehalten hat. Die Evangelische Jugendhilfe Iserlohn-Hagen (gegr. 1776) ist eine Einrichtung mit ca. 450 Mitarbeitern, die in den unterschiedlichen Feldern der Jugendhilfe Erziehung, Beratung, Betreuung und Förderung anbietet. Seit ca. vier Jahren beschäftigt sich die EJH intensiv mit dem Konzept der Elterlichen und Professionellen Präsenz mit dem Ziel der Implementierung und Etablierung dieses Konzepts in das gesamte Unternehmen. In diesem Artikel erläutert der Autor die Möglichkeiten, innerhalb eines Unternehmens anhand des Modells der Neuen Autorität ein Konzept von Führungsverständnis und daraus abzuleitenden Handlungen zu entwickeln.

Förster, Jens (2017): Bericht über die Tagung Kluge Wege der Vernetzung – Elterliche und Professionelle Präsenz in Witten/Herdecke (2. bis 4. März 2017). In: systhema 31 (2): 167-177.

abstract: Dies ist ein Bericht der Tagung „Kluge Wege der Vernetzung – Elterliche und Professionelle Präsenz“ in Witten/Herdecke, in dem es vor allem um die Standortbestimmung und die Reichweite des Konzepts der Präsenz geht. Einige Vorträge werden kurz zusammengefasst.

Hüdepohl, Sibylle (2017): Strickmuster. Präsenz als Orientierung für Supervision. In: systhema 31 (2): 178-184.

abstract: Das Konzept der Präsenz wird normalerweise im Bezug auf elterliches Verhalten und auch professionelles Handeln differenziert diskutiert. Jedoch wirkt Präsenz auch in die Supervision, als Reflexionsraum für diese Dimensionen, hinein. Aus meiner supervisorischen Praxis heraus verbinde ich beide Stränge mit Blick auf die Haltung und auf das Tun.

Omer, Haim & Arist von Schlippe (2017): Gestern, Hier und Morgen der „Neuen Autorität“. Ein Interview-Spiel mit Haim Omer und Arist von Schlippe. In: systhema 31 (2): 185-190.

Schilling, Caroline (2017): Let’s talk about. life! Wie sexy darf, soll oder muss Systemische Beratung und Therapie sein? In: systhema 31 (2): 191-203.

abstract: Der Artikel beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit Sexualität als Basis der menschlichen Lebendigkeit Eingang ndet in systemische Beratungs-, Therapie- und Supervisionsprozesse. Hierfür werden soziokulturelle Konstruktionen zu sexuellem Verhalten, die Emergenz sexueller Identitäten sowie Kommunikationsmuster hierüber in den Blick genommen. Befragt werden die Möglichkeiten zur Entwicklung einer professionellen Persönlichkeit unter Einbezug der eigenen sexuellen Sozialisation und Identität der systemisch Beratenden auch in Hinblick auf die Ausbildungsinhalte Systemische Beratung und Systemische Therapie.

Loth, Wolfgang (2017): Rezension – Wilhelm Rotthaus (2017): Suizidhandlungen von Kindern und Jugendlichen. Heidelberg (Carl-Auer). In: systhema 31 (2): 204-205.

Warning-Peltz, Sophie (2017): Rezension – Thomas Köhler-Saretzki & Anika Merten (2017). Wo ist Wilma? Ein Bilderbuch über Bindungsmuster. Köln (Balance buch + medien). In: systhema 31 (2): 205-206.

Crone, Ilke (2017): Rezension – Hans Hopf (2017). Flüchtlingskinder – gestern und heute. Eine Psychoanalyse. Stuttgart (Klett-Cotta). In: systhema 31 (2): 206-207.

Loth, Wolfgang (2017): Rezension – Karin Martens-Schmid (2016). Wo Coaching zu Hause ist. Beratungsräume und ihre Gestaltung im kulturell-gesellschaftlichen Kontext mit Fotogra en von Olaf Pascheit. Wiesbaden (Springer). In: systhema 31 (2): 207-208.

Crone, Ilke (2017): Rezension – Holger Lindemann (2016). Die große Metaphern-Schatzkiste – Band 2: Die Systemische Heldenreise. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht). In: systhema 31 (2): 208-209.

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