systemagazin

Online-Journal für systemische Entwicklungen

Kontext 2017

Heft 1

Bräutigam, Barbara, Petra Bauer, Dörte Foertsch & Tom Levold (2017): Editorial: Vulnerabilitäten. In: Kontext 48 (1): 3-4.

Brandes, Christoph (2017): Wunde Punkte bei Müttern und bei Vätern. Konflikthaftes Verhalten zwischen Eltern im Spiegel der Forschung. In: Kontext 48 (1): 5-16.

abstract: In der Beratung von Eltern hat man manchmal mit Müttern zu tun, die trotz eigener Berufstätigkeit auf subtile Art ihre vorrangige Rolle bei der Versorgung der Kinder verteidigen, und mit Vätern, die sich gleichzeitig von der Partnerin und den Kindern zurückziehen. In beiden Fällen verbergen sich dahinter unerfüllte Bedürfnisse nach Anerkennung und Wertschätzung. Die Phänomene werden hauptsächlich unter den Bezeichnungen Maternal Gatekeeping und Fathering Vulnerability Hypothesis erforscht. Nach einem Überblick über den Stand der Forschung wird als ein möglicher Lösungsvorschlag vorgestellt, Kompetenzdiskurse zwischen den Eltern anzuregen.

Ludwig, Marion (2017): Die Bedeutung systemischer Aspekte in der Arbeit mit wohnungslosen Menschen. In: Kontext 48 (1): 17-29.

abstract: Dieser Artikel widmet sich der kritischen Auseinandersetzung mit dem Wohnungslosenhilfesystem in Berlin hinsichtlich der Schwierigkeiten in der Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen im niederschwelligen Bereich, der außerhalb der Gesetzlichen Krankenversicherung (SGB V) verortet ist. Zunächst werden die Aspekte der Wohnungslosigkeit und das Wohnungslosenhilfesystem um den systemischen Blickwinkel ergänzt. Der Beschreibung der Aufgaben und Arbeitsweisen in einem Übergangshaus gemäß § 67 SGB XII folgt eine kritische Auseinandersetzung mit dem Wohnungslosenhilfesystem anhand einiger Ergebnisse einer Studie bezüglich des Erfolges der Hilfen gemäß § 67 SGB XII. Anschließend wird ein Fallbeispiel der systemischen Beratung beschrieben, die im Rahmen meiner Ausbildung zur Systemischen Therapeutin stattfand. Dieses dient dem Einblick in eine mögliche Arbeitsweise innerhalb des stationären Wohnungslosenhilfebereiches. Die Schlussbetrachtung fasst mögliche Bedingungen für eine erfolgreiche Arbeit zusammen.

Limberger, René & Wilfried Schnepp (2017): Die Heimbeatmungssituation aus Sicht von Angehörigen und Familien. In: Kontext 48 (1): 30-44.

abstract: Betroffene Familien von beatmungspflichtigen Angehörigen, die zu Hause eine außerklinische Intensivpflege erleben, sind hohen psychosozialen Anforderungen ausgesetzt. Sie müssen einerseits die schwere Erkrankungssituation ihres Familienmitgliedes bewältigen und andererseits die fehlende Privatheit aushalten, die sich durch die 24-stündige Anwesenheit einer Pflegekraft ergibt. Zur Klärung der Frage, wie Familien und Angehörige die außerklinische Intensivpflege erleben, wurden narrative Interviews durchgeführt und durch die Methode der qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet. Die erhobenen Daten lassen sich in zwei zentrale Themen strukturieren: Die erlebten Belastungen, die den größten Raum in den Erzählungen der Familien und Angehörigen einnahmen, und die gesundheitserhaltenden Ressourcen, die sich auch aus dem Versorgungskontext ergeben können. Das Leben im öffentlichen Raum, die fehlende psychosoziale Unterstützung der Dienstleister sowie die mangelnde fachliche und soziale Kompetenz der Pflegenden im Umgang mit Familien, stehen für die erlebten Hauptbelastungen.

Albrecht, Ralf (2017): Beratungskompetenz in der Sozialen Arbeit: Auf die Haltung kommt es an! In: Kontext 48 (1): 45-64.

abstract: Beratung ist eine wesentliche Handlungsform in nahezu allen Bereichen Sozialer Arbeit. Deshalb ist Beratungskompetenz für eine professionelle Berufspraxis der Fachkräfte entscheidend. Dieser Beitrag stellt ein Modell für Beratungskompetenz in der Sozialen Arbeit vor, das sich aus Haltung und Methoden sowie aus theoretischem und arbeitsfeldspezifischem Fachwissen zusammensetzt. Dabei orientiert sich das Modell vornehmlich an systemischen Konzepten. Der zentrale Kompetenzbereich ist die Beratungshaltung. Sie beruht auf spezifischen Einstellungen und Werten sowie der daraus hervorgehenden grundlegenden Handlungsorientierung der Sozialarbeiter und prägt den Einsatz von Methoden und die Vermittlung von Fachwissen im Beratungsprozess. Da das Modell inhaltlich konkret ist, kann es sowohl an die Beratungspraxis in der Sozialen Arbeit anknüpfen als auch Schwerpunkte für die Vermittlung von Beratungskompetenz im Studium der Sozialen Arbeit setzen.

Bräutigam, Barbara (2017): Genogrammatische Lektüren. In: Kontext 48 (1): 65-66.

Bräutigam, Barbara (2017): »Das achte Leben« von Nino Haratischwili. In: Kontext 48 (1): 67-69.

Crone, Ilke (2017): Rezension – H. Omer & A. von Schlippe (2016): Autorität ohne Gewalt – Coaching für Eltern von Kindern mit Verhaltensproblemen – »Elterliche Präsenz« als systemisches Konzept (11. Aufl.). Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht); Autorität durch Beziehung – die Praxis des gewaltlosen Widerstands in der Erziehung (9. Aufl.). Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht); Stärke statt Macht – Neue Autorität in Familie, Schule und Gemeinde (3. Aufl.). Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht); H. Omer & E. Lebowitz (2015): Ängstliche Kinder unterstützen – die elterliche Ankerfunktion (2. Aufl.). Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht). In: Kontext 48 (1): 71-75.

Crone, Ilke (2017): Rezension – Therese Steiner (2015): Wenn Kinder und Jugendliche sich zurückziehen. Spickzettel für Lehrer, Band 12. Heidelberg (Carl-Auer). In: Kontext 48 (1): 75-76.

Thiele, Christian (2017): Rezension – Diana Drexler (2015): Einführung in die Praxis der Systemaufstellungen. Heidelberg (Carl-Auer). In: Kontext 48 (1): 76-78.

Stimpfle, Peter (2017): Rezension – Ortwin Meiss (2016): Hypnosystemische Therapie bei Depression und Burnout. Heidelberg (Carl-Auer). In: Kontext 48 (1): 78-79.

ten Venne, Mario (2017): Rezension – U. Gehrmann (2015): Ressource Jugendhilfe: Systemische Sozialpädagogik in stationären Jugendwohngruppen. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht). In: Kontext 48 (1): 79-80.


Heft 2

Bauer, Petra, Barbara Bräutigam, Dörte Foertsch & Tom Levold (2017): Editorial: Systemische Zugänge. In: Kontext 48 (2): 109-111.

Lohmüller, Torben (2017): Homo sapiens amans-amans oder wie lieben autopoietische Systeme? In: Kontext 48 (2): 112-123.

abstract: Der vorliegende Essay stellt vor dem Hintergrund der jüngeren Schriften Humberto Maturanas die Frage nach den Möglichkeiten der Beziehungsgestaltung zwischen autopoietischen Systemen in Beratungskontexten. Dabei wird in Hinblick auf das Konzept der Autopoiesis der spezifisch eigene Weg im Denken Maturanas hervorgehoben, der hierzulande durch die Prominenz der Luhmann’schen Systemtheorie aus der Diskussion geraten ist. Eine liebende Haltung, verstanden als bedingungslose Legitimierung des Anderen, liefert die Grundlage für die Praxis des befreienden Gesprächs, die Maturana in den vergangenen Jahren gemeinsam mit Xímena Dávila entwickelt hat.

Schirmer, Uta (2017): Trans*Beratung im systemischen Kontext. In: Kontext 48 (2): 124-139.

abstract: Angesichts einer fast ausschließlich zweigeschlechtlich strukturierten gesellschaftlichen Wirklichkeit sehen sich transgeschlechtliche Lebensweisen nach wie vor mit besonderen Herausforderungen konfrontiert. Der Beitrag beleuchtet, inwiefern Ansätze einer systemisch orientierten Beratung dazu beitragen können, Trans*Menschen in ihren vielfältigen Umgangsweisen mit solchen Herausforderungen zu unterstützen. Systemisches Denken, so wird argumentiert, erweist sich als anschlussfähig an Ansätze, die Geschlecht als eine wirkmächtige soziale Konstruktion begreifen: eine Konstruktion, die bislang überwiegend binär strukturiert ist, aber auch anders sein könnte und in manchen sozialen Kontexten auch hier und heute bereits anders ist. (Auch) durch diese Anschlussfähigkeit scheinen systemische Ansätze besonders geeignet zu sein für nicht-pathologisierende, wertschätzende und unterstützende Formen der Beratung von Trans*Menschen, wie sie in Deutschland – vorwiegend im Sinne einer community-basierten Beratung – mittlerweile in einigen Städten praktiziert werden. Vor dem Hintergrund von bislang vorherrschenden diagnostisch-festschreibenden Perspektiven auf Transgeschlechtlichkeit können Beratungsansätze, die sich an Grundprinzipien einer systemischen Haltung orientieren, einen Unterschied machen, der einen Unterschied macht – im Sinne einer Unterstützung »eigensinniger Praxen« der Gestaltung vielfältiger (trans-) geschlechtlicher Lebensweisen.

Schubert, Iris (2017): Supportive ConSenT-Therapie im Krankenhaus – selbstreferenzielle Unterstützung zum Wohlbefinden bei Schwererkrankung. In: Kontext 48 (2): 140-155.

abstract: Chronische Erkrankungen und insbesondere Schwererkrankungen sind ein Wendepunkt in der Lebensführung. Sie sind mit einer Beeinträchtigung von Lebensqualität und Wohlbefinden verbunden. Diese Perspektiven wirken sich bereits bei der Krankenhauseinweisung auf das subjektive Wohlbefinden aus. Daher wird die medizinische Behandlung immer häufiger um Interventionen ergänzt, die eine psychosoziale Krankheitsbewältigung unterstützen. Als ein therapeutisches selbstreferenzielles Supportivverfahren hat sich die supportive CliC-Therapie bei verschiedenen Krankheitsbildern bewährt. Sie zielt darauf ab, die »Compliance« der Patient/innen im stationären Setting und deren individuelle Handlungsspielräume für eine wohlbefindliche Lebensgestaltung trotz Erkrankungsfolgen zu erweitern. Das erfolgt im Wesentlichen über reaktivierte individuelle Fähigkeiten und der Bereitschaft, die durch Erkrankung beeinträchtigten Ressourcen wieder zu entdecken, anzunehmen und für die veränderte Lebensgestaltung zu nutzen. Unter dieser Perspektive wird in dem vorliegenden Beitrag die supportive CliC-Therapie als eine selbstreferenzielle Unterstützung zur psychosozialen Krankheitsbewältigung – mit Akzentuierung von Schwererkrankung im Alter – vorgestellt und anhand von zwei skizzierten Fallbeispielen verdeutlicht.

Falk, Alexandra, Dina Cremerius, Wiebke Großpietsch & Miriam Marburger (2017): Das videogestützte Reflecting Team. Die Annäherung einer systemischen Methode an die aktuelle Berufspraxis. In: Kontext 48 (2): 156-163.

abstract: Unsere Idee ist es, einen Beitrag zur theoretischen und vor allem praktischen Umsetzung einer videogestützten Variante des »Reflecting Team« (RT) im Beratungs- und Therapiekontext zu leisten. Der hohe finanzielle, personelle und zeitliche Aufwand beim klassischen RT veranlasste uns mit einer veränderten Form zu experimentieren. In unserer modifizierten Variante geht es um die Videoaufzeichnung einer Therapiesitzung zur Präsentation vor einem RT. Die Kommentare der RT-Beteiligten dazu werden ebenfalls aufgezeichnet und den Klient/innen als Videobotschaft vorgestellt. Abschließend erfolgt eine gemeinsame Auswertung mit den Therapeut/innen. Mit der Entwicklung einer neu interpretierten RT-Vorgehensweise entstand mit Lehrtherapeut/innen aus dem BIF e. V. sowie interessierten Kolleg/innen eine kontroverse und ideenreiche Diskussion zu diesem Explorationsprozess. Es werden folgend Überlegungen aufgegriffen: zur Wirksamkeit, zum Vertrauen zwischen Klient/innen, Therapeut/innen und den Reflektierenden, sowie zur Gefahr wissentlich oder unterbewusst einen Manipulationsprozess in Gang zu setzen. Mit diesem Artikel wird das Anliegen verbunden, den Kreis des fachlichen Austausches zu erweitern, um die gewonnenen Erkenntnisse vielfältiger zu diskutieren und weiterzuentwickeln.

Hansen, Hartwig (2017): Stich-Wort: Das Wörtchen »doch« und seine vergiftende Wirkung in Beziehungen. In: Kontext 48 (2): 165-167.

Reinders-Schmidt, Steffi (2017): Rezension: Jörn Borke, Eva-Maria Schiller, Angelika Schöllhorn & Joscha Kärtner (2015): Kultur – Entwicklung – Beratung. Kultursensitive Therapie und Beratung für Familien mit Säuglingen und Kleinkindern. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht). In: Kontext 48 (2): 168-170.

Schenk, Marion (2017): Rezension – Elisabeth Wagner & Ulrike Russinger (2016): Emotionsbasierte systemische Therapie. Intrapsychische Prozesse verstehen und behandeln. Stuttgart (Klett-Cotta). In: Kontext 48 (2): 170-171.

ten Venne, Mario (2017): Rezension – Nana Kutschera(2014): Helen und die Schildkröte: Ein Märchen aus fernen Ländern und fremden Küchen. Wuppertal (Bundes-Akademie-Verlag). In: Kontext 48 (2): 171-172.

Pleyer, Karl Heinz (2017): Rezension – Alexander Korittko (2016): Posttraumatische Belastungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen – Störungen systemisch behandeln. Heidelberg (Carl-Auer). In: Kontext 48 (2): 172-173.

List, Sandy (2017): Rezension – Barbara Innecken & Eva Madelung (2015): Im Bilde sein – Vom kreativen Umgang mit Aufstellungen in Einzeltherapie, Beratung, Gruppen und Selbsthilfe (4. Aufl.). Heidelberg (Carl-Auer). In: Kontext 48 (2): 174-175.

Munk-Oppenhäuser, Viktoria (2017): Rezension – Dagmar Kumbier (2016): Aufstellungsarbeit mit dem inneren Team. Methoden- und Praxisbuch für Gruppen. Stuttgart (Klett-Cotta). In: Kontext 48 (2): 175-176.

Mietz, Jürgen (2017): Rezension – Klaus Obermeyer & Harald Pühl (Hrsg.) (2016): Die innere Arbeit des Beraters – Organisationsberatung zwischen Befangenheit und Bewegungsfreiheit. Gießen (Psychosozial-Verlag). In: Kontext 48 (2): 176-177.

ten Venne, Mario (2017): Rezension – Alexander Thomas (2016): Interkulturelle Psychologie: Verstehen und Handeln in internationalen Kontexten. Göttingen (Hogrefe). In: Kontext 48 (2): 177-178.

Sell, Gudrun (2017): Rezension – Birgit Möller, Marlies Gude, Jessy Herrmann, Florian Schepper (2016): Geschwister chronisch kranker und behinderter Kinder im Fokus. Ein familienorientiertes Beratungskonzept. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht). In: Kontext 48 (2): 178-180.


Heft 3

Rohr, Dirk (2017): Editorial: Standpunkte zu „Aus- und Weiterbildung in Beratung“. In: Kontext 48 (3): 209-216.

Zwicker-Pelzer, Renate & Dirk Rohr (2017): Kontexte von Beratungs-Weiterbildungen – Lernen in Weiterbildungen der DGSF. In: Kontext 48 (3): 217-233.

abstract: In diesem Artikel werden wir auf Basis definitorischer, geschichtlicher und verbandsbezogener Aspekte das Feld von (systemischen) Beratungs-Weiterbildungen erörtern. Aktuelle Herausforderungen an Beratungs-Weiterbildungen werden thematisiert – wie z. B. europäische, bundesdeutsche, wissenschaftliche, verbandsübergreifende (DGSF, DGfB, EAC). Hierbei greifen wir auf unsere langjährigen Erfahrungen in Hochschulreformen zurück. Erkenntnisse aus der Erwachsenenbildung, Hochschuldidaktik, und der »Lehre von Beratung« werden dargestellt und in ihrer Bedeutung für Beratungs-Weiterbildungen diskutiert. Kompetenzorientierung in der Lehre, Learning Outcomes (Lernziele statt Lehrziele), Diversität und Peer Learning werden – als zunehmend an Bedeutung gewinnende – Facetten von individualisierter und Lernenden orientierter Lehre skizziert. Dies hat eine Abkehr von Weiterbildungen im Stile einer Meister/in-Schüler/in-Beziehung zur Folge.

Kriz, Jürgen (2017): »Angemessene Verstörung« als Schlüsselkonzept für Beratungsprozesse. In: Kontext 48 (3): 234-242.

abstract: Zunächst wird der Unterschied zwischen zwei Perspektiven betont: »Die Welt« (von außen) zu beschreiben und sie (von innen, als Subjekt) zu erleben sind zwei komplementäre Perspektiven, die beide wichtig sind, aber nicht gegeneinander ausgespielt werden können. Danach wird gezeigt, wie der Bereich der Beratung im Vergleich zu dem der Psychotherapie wesentlich komplexer ist, weil er nicht durch diagnostische Kategorien und »evidenzbasierte« Interventionen vorstrukturiert ist. Dies ist einerseits eine Herausforderung, andererseits eine Chance, professionelles Handeln eher am Menschen und den konkreten Situationen auszurichten und weniger an Kategoriensystemen von Symptomen. Auf der Basis der »Personzentrierten Systemtheorie« wird das Konzept der »angemessenen Verstörung« als Schlüsselkonzept für Beratungsprozesse vorgeschlagen, weil es aus einer Metaperspektive in der Lage ist, das Spektrum unterschiedlicher »Techniken« von diversen »Schulen« zu integrieren und auf ihre wesentliche Wirkung zurückzuführen: Die meisten Probleme, mit denen Menschen um Beratung nachsuchen, können als überstabile »Lösungen« verstanden werden, die sich neuen Herausforderungen in der Entwicklung nicht angepasst haben und daher dysfunktional geworden sind. Abschließen wird diskutiert, warum die Verstörung »angemessen« sein muss: ist diese zu gering, wird vermutlich gar nichts verändert, ist sie zu groß, reagieren Menschen eher im Sinne der Abwehr was zu einer Verfestigung der Problemstrukturen führt. Allerdings ist das, was jeweils »angemessen« ist, von den Bedeutungszuweisungen der Subjekte abhängig und kein Gegenstand eines wie immer gearteten äußeren Beobachters mit manualisierten Beurteilungen. Vielmehr geht es um eine Gratwanderung im Kontext einer Begegnung.

Arnold, Rolf & Michael Schön (2017): Ermöglichungsdidaktik und die Unmöglichkeit, Beratung zu lehren. In: Kontext 48 (3): 243-252.

abstract: Systemische Beratung ist nicht lehrbar, sehr wohl aber lernbar. Diese zunächst widersprüchlich wirkende Behauptung wird im Beitrag aus einer ermöglichungsdidaktischen Perspektive heraus erläutert. Ermöglichungsdidaktik wird als eine Theorie der Selbstorganisation von Lernen und Kompetenzentwicklung definiert und bildet damit einen Gegenpol zu Konzepten klassischer Input-Didaktik. An die Stelle reiner Vermittlung beziehungsweise Intervention muss die Konstruktion durch die Lernenden selbst treten. Zukünftigen Beraterinnen und Berater muss ermöglicht werden, durch Selbstlernprozesse eigenen Wirkmechanismen nachzuspüren und diese zu ergründen. Ein selbstreflexiver Zugang zur eigenen Beratungsfunktion kommt ohne eine elementare Fundierung der eigenen Beobachterposition nicht aus, um Gewissheiten radikal in Frage zu stellen. So wird dem (selbsteinschließenden) Reflektieren im Laufe dieses Prozesses eine zentrale Stellung zugewiesen. Schlussendlich gehört eine gezielte Irritation zum Lernprozess, um Selbstlernprozesse zu aktivieren und zu provozieren. Wirksame Beratung schafft und ermöglicht gezielt günstige Gelegenheiten für reflexives Lernen aller Akteure.

Schmid, Bernd (2017): Von der Gruppendynamik zur Lernkultur im Team. In: Kontext 48 (3): 253-261.

abstract: Für gesellschaftliche Entwicklung und befriedigende Lebensläufe sind zukunftsweisende Konzepte für Weiterbildung im beruflichen und gesellschaftlichen Raum entscheidend. Systemintelligente Personenqualifikation und personensensible Systemqualifikation müssen dafür Hand in Hand gehen und entscheidend weiterentwickelt werden. In diesem Beitrag sollen einige Perspektiven für diesen Weg aufgezeigt werden.

Weinhardt, Marc (2017): Subjektorientierte Professionalisierung, lebenslanges Lernen und der EQR/DQR in der systemischen Fort- und Weiterbildung. In: Kontext 48 (3): 262-277.

abstract: Der Artikel beschreibt aktuelle Veränderungen in der Fort- und Weiterbildung entlang subjektorientierter Professionalisierung, lebenslangem Lernen und dem Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR).

Höcker, Marc, Annette Hummelsheim & Dirk Rohr (2017): »Don’t play what’s there. Play what’s not there« – Vom Spielen beim Beraten und in der Beratungslehre. In: Kontext 48 (3): 278-291.

abstract: Berater/innen sind in der Metapher des Spiels keine Wissensexpert/innen, sondern reine Expert/innen für die Prozessgestaltung, indem sie – in der Haltung des Nichtwissens und einer improvisierenden Haltung – Spielräume kreieren, in denen sich das gemeinsame Driften im Berater/innen-Klient/innen-System kreativ und spielerisch-lustvoll vollzieht. Erfahrung erweist sich dann möglicherweise als hinderlich, da Erfahrung sich durch einen konservativen Charakter auszeichnet. Ebenso wie Erfahrung kann (unreflektierte) Intuition fehlleiten. Im Gegensatz zur Situationslogik von Alltagssituationen, die durch Handlungsdruck und Dringlichkeit bestimmt sind, bietet das Beratungssetting einen Reflexions- und Experimentierraum, in dem eine andere Zeitlichkeit mit der Möglichkeit des Aufschubs und der Verzögerung gegeben ist. Konsequenterweise kann eine solche spielerische Beziehungsgestaltung nicht »einseitig« gelehrt werden. Aber Lehrende können den Lernenden mit der gleichen Haltung des Nichtwissens und einer improvisierenden Haltung begegnen sowie Lernende – auf Augenhöhe und von Beginn an – als Mitspielende in einem gemeinsamen Erkunden und Erproben neuer Möglichkeiten anerkennen.

Crone, Ilke (2017): Rezension – Tom Levold, Hans Lieb & Uwe Britten (2017): Für welche Probleme sind Diagnosen eigentlich eine Lösung? Tom Levold und Hans Lieb im Gespräch mit Uwe Britten. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht); Rosemarie Piontek, Björn Süfke & Uwe Britten (2017): Typisch Frau, typisch Mann? Die Bedeutung von Genderfragen für die Psychotherapie. Rosemarie Piontek und Björn Süfke im Gespräch mit Uwe Britten. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht). In: Kontext 48 (3): 294-296.

Chmielorz, Markus (2017): Rezension – Kirsten v. Sydow & Andrea Seiferth (2015): Sexualität in Paarbeziehungen. Göttingen (Hogrefe). In: Kontext 48 (3): 296-298.

Wahlster, Andreas (2017): Rezension – Renate Jegodtka & Peter Luitjens (2016): Systemische Traumapädagogik – Traumasensible Begleitung und Beratung in psychosozialen Arbeitsfeldern. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht). In: Kontext 48 (3): 298-300.

Süfke, Björn (2017): Rezension – Andreas Eickhorst & Ansgar Röhrbein (Hrsg.) (2016): »Wir freuen uns, dass Sie da sind!«: Beratung und Therapie mit Vätern. Heidelberg (Carl-Auer). In: Kontext 48 (3): 300-301.

Schenk, Marion (2017): Rezension – Gerhard Roth & Alica Ryba (2016): Coaching, Beratung und Gehirn. Stuttgart (Klett-Cotta). In: Kontext 48 (3): 302-303.

Funk, Barbara (2017): Rezension – Daniel J. Dietrich (2016): So gelingen Veränderungen! Mit hypnosystemischen Lösungen werden, wer Sie sein können. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht). In: Kontext 48 (3): 303-304.