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Zitat des Tages: Thomas Fuchs

Die intersubjektive Zeit lässt sich als eine relationale Ordnung von individuellen und sozialen Prozessen betrachten, die grundsätzlich durch Synchronisierungen und Desynchronisierungen charakterisiert sind. Während die gelebte oder implizite Zeit grundsätzlich mit Synchronie verbunden ist, entsteht das explizite Zeiterleben vor allem in desynchronisierten Zuständen: Die

Th. Fuchs et al. (2014): Das leidende Subjekt

Th. Fuchs et al. (2014):
Das leidende Subjekt

Irreversibilität und die „Herrschaft“ der Zeit erfahren wir vor allem in Diskrepanzen, Remanenzen oder Trennungen von anderen, auf die unsere gelebte Zeit primär bezogen ist. Zeit wird besonders in der Ungleichzeitigkeit erfahrbar: als das „Zu-früh” oder „Zu-spät”, und damit als Zeit, die „kriecht“ oder „eilt“, die „vergeht“ oder gegen die man kämpft. Damit ähnelt sie der Gesundheit, die uns eigentümlich verborgen bleibt, solange wir nicht erkranken; oder dem Gleichgewicht, das wir erst in seinem Verlust, im Schwanken und im Schwindel kennenlernen. Aber es ist nicht „die Zeit“ als eine metaphysische Wesenheit, die wir dabei erfahren, sondern es sind Veränderungen in der Zeitigung unserer Existenz, die sich aus ihrem Verhältnis zu den Rhythmen und Prozessen ergeben, in die unser Leben von Beginn an eingebettet ist. Die Zeit, die uns äußerlich und scheinbar eigenständig gegenübertritt, wird tatsächlich nur in Relationen erfahren, und zwar primär in der Beziehung zu den Anderen, d.h. in Desynchronisierungen der intersubjektiven Zeitordnungen.

(aus: Psychopathologie der subjektiven und intersubjektiven Zeitlichkeit.
Erschienen in: In: Fuchs, T., Breyer, T., Micali, S., Wandruszka (Hrsg.) (2014): Das leidende Subjekt: Phänomenologie als Wissenschaft der Psyche. Alber, Freiburg.

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