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Thomas Hettche über Literatur: Unersetzliche Muttersprache

„Der Psychologe Albert Costa von der Universität Barcelona hat jüngst untersucht, ob es einen Unterschied macht, Menschen das beschriebene moralische Dilemma in ihrer Muttersprache oder in einer Fremdsprache vorzulegen, und kam dabei zu einem höchst interessanten Ergebnis: Sollten seine spanischen Probanden urteilen, ob es richtig wäre, einen «hombre grande» zu opfern, waren sie dazu weniger bereit, als wenn es sich um einen «large man» handelte. Es sieht ganz danach aus, als hinge unsere Entscheidung wesentlich davon ab, ob wir über sie in unserer eigenen Sprache nachdenken oder nicht. Albert Costa macht dafür eine grössere emotionale Beteiligung in der Muttersprache verantwortlich. Da aber seiner Ansicht nach bei Fragen der Moral solche Emotionalität keine Rolle spielen dürfe, rät der Wissenschafter, bei derlei Fragen doch besser in eine Fremdsprache zu wechseln, um rationalere Entscheidungen treffen zu können. Solche, wie er schreibt, die «auf den Dingen beruhen, die wirklich zählen».“

via Thomas Hettche über Literatur: Unersetzliche Muttersprache – Bücher Nachrichten – NZZ.ch.

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