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systemagazin Adventskalender – Muss überall draufstehen, was drin ist?

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Peter Fuchs, Bad Sassendorf: Muss überall draufstehen, was drin ist?

Die  Frage, die im Titel formuliert ist, ist seltsam vieldeutig. Sie liefert sogar ein Exempel mit, denn in diesem‚Adventskalender‘ steht nicht drin, was er verspricht: Weihnachtliches, Besinnliches, gar Christliches. Vielleicht ließe sich ein passenderes Wort wie ‚systemlich‘ erfinden, das man mit ‚traulich‘ verknüpfen könnte, mit ‚behaglicher Behaustheit‘. Eine Tagung, an der ich teilnahm, verhieß (glaube ich) Schokoladisches: ‚Systemisch – praktisch – gut‘. Ein bisschen heimelig klingt aber auch die ‚Systemische Trauerfloristik‘. Was meines Wissens nur noch fehlt, ist systemisches Weihnachten.

Aber Spaß beiseite, tatsächlich habe ich eine Aversion gegen das Systemische, und das nicht nur, weil man ihm unterstellen kann, dass viele Leute ‚systemisch‘ haben wie andere Leute ‚Rücken‘ oder endlos schreiende Kleinstkinder ‚Baby‘. Der Grund für meine Abneigung ist einfach, nämlich, dass das Systemische kein Begriff und deshalb in gewisser Weise vogelfrei zu sein scheint. Vielleicht liegt die Ursache darin, dass man es mit einer konventionalisierten Metapher zu tun hat, die im Dienst von Reflexionsblockaden bzw.Kommunikationssperren steht – ebenso wie die lexikalisierte Metapher der Praxis.

Wenn ich das so sage, müsste ich aber auch ein Angebot unterbreiten, wie vielleicht der Unbegriff des Systemischen begrifflicher werden könnte. Für mich gibt es in diesemZusammenhang einen Weg, den ich selbst immer wieder begehe: die Referenz auf das, was in der Systemtheorie (jedoch nicht nur dort) Limitationalität genannt wird. Die Methode ist einfach. Man muss sich nur daran gewöhnen, die Frage nach dem Systemischen via negationis zustellen – etwa so:

Was ist das Systemische nicht?

Damit wird ein Negationshorizont aufgespannt. Trivial wäre eine Antwort wie: Es ist kein Lebkuchen, kein süßer Glockenklang, kein Christkind in ‚Präsepio‘. Nichttrivial ist dagegen:

Das Systemische ist kein System.

Weshalb nicht? Es findet sich keine Grenze, bezeichnender Weise auch nicht für Praxis. Was bleibt, sind Anmutungen und Eklektizismen, derenFunktion darin besteht, Vagheit aufrechtzuerhalten. Das ist nicht negativ gemeint. Jene Antwort formuliert nur eine deutlich undeutliche Paradoxie, die man auch als ‚Sprunggelegenheit‘ auffassen kann, die Limitationsfrage zu erweitern:

Was wäre das Systemische dann, wenn es nicht als System beobachtet werden könnte?

Na ja, so adventlich ist die Frage nicht. Aber vielleicht kommt sie an.

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