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Psychiatrie im Nationalsozialismus

Heute vor 80 Jahren fand die Machtergreifung der Nationalsozialisten In Deutschland statt. Ein Anlass, den zahllosen Opfern des nationalsozialistischen Terrors zu gedenken. In großer Zahl gehörten neben den Juden und Widerstandskämpfern, den Homosexuellen und den Sinti und Roma auch psychiatrisch Erkrankte und geistig Behinderte dazu. Die eugenisch begründete Vernichtung„lebensunwerten Lebens“ und zahllose Zwangssterilisierungen wären ohne die aktive Beteiligung der deutschen Ärzteschaft, vornehmlich der Psychiater, nicht möglich gewesen. Doch ähnlich wie in der Justiz ist nach dem Ende des Terrors niemand der Beteiligten zur Rechenschaft gezogen worden, ja schlimmer noch, viele agierten in der Nachkriegszeit als psychiatrische Gutachter und lehnten Schadensersatzansprüche von Betroffenen und Hinterbliebenen ab. Die psychiatrische Fachgesellschaft nahm diese Verbrechen und ihre eigene Beteiligung daran bis zum Ende des letzten Jahrhunderts offiziell nicht zur Kenntnis, von einer Entschuldigung ganz zu schweigen. Es dauerte bis zu einer Gedenkveranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde im November 2010, auf der der damalige Präsident der Gesellschaft, Frank Schneider, die passenden Worte fand und die Verantwortung der Psychiater für ihre Teilnahme am Massenmord an Unschuldigen eingestand.
Seine Rede kann hier im Wortlaut nachgelesen werden…

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