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Niklas Luhmann (1986): Die Selbstbeschreibung der Gesellschaft und die Soziologie

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In einem interessanten Vortrag aus dem Jahre 1986, der offenbar auch in einem Radio-Programm zu hören war und dessen Aufzeichnung jetzt unter Soundcloud gehört werden kann, setzt sich Niklas Luhmann mit der Frage der Aufgabe der Soziologie (und ihrer Verantwortung) für die Selbstbeschreibung der Gesellschaft auseinander. Dabei macht er deutlich, dass auch die Soziologie (wie auch jede andere Form der Beschreibung von Gesellschaft) Gesellschaft nie von außen beschreiben kann, sondern jede Gesellschaftsbeschreibung immer schon innerhalb des Beschriebenen stattfindet. Insofern wirkt Soziologie an der laufenden Selbstbeobachtung der Gesellschaft mit. Selbstbeschreibung ist dabei die textförmige Fixierung von Selbstbeobachtung zur Weiterverarbeitung in unterschiedlichen kommunikativen Kontexten. Die Soziologie konkurriert dabei mit anderen Formen der Selbstbeschreibung, insbesondere mit dem Wertediskurs, der einen fiktiven Wertekonsens für Gesellschaft unterstellt, den sozialen Bewegungen und den Massenmedien. Am Beispiel des Risiko- und Gefahrendiskurses verdeutlicht Luhmann diese Konkurrenz – und bescheinigt der Soziologie vergleichsweise wenig Einfluss in Bezug auf Veränderungsmöglichkeiten.

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