systemagazin

Online-Journal für systemische Entwicklungen

systeme 2015

Heft 1

Lieb, Hans (2015): Was muss eine Systemtherapie im Gesundheitswesen bewältigen, um eine Systemtherapie im Gesundheitswesen zu bleiben? In: systeme 29 (1): 5-22.

abstract: Eine Systemtherapie im Gesundheitswesen muss das Aufeinander­ treffen zweier Leitunterscheidungen bewältigen: „gesund/krank“ hier – „System/Umwelt“ dort. Im Beitrag werden diese Leitunter­scheidungen dargestellt und aufgezeigt, welche Paradoxien entste­hen, wenn beide in einem Raum Berücksichtigung finden müssen. Das fordert zu spezifischen Formen der Paradoxiebewältigung heraus, die beschrieben werden. Im Mittelpunkt steht die Einnahme einer Metaperspektive durch die Selbstbeobachtung der Systemtherapie im Gesundheitswesen.

Vosberg, Sybille (2015): Die systemisch-lösungsorientierte Begutachtung in familiengerichtlichen Verfahren – Ein weitgehend unbestelltes Feld. In: systeme 29 (1): 23-40.

abstract: Familiengerichtlichen Sachverständigen ist es möglich, mittels systemischer Interventionen Familien zu begutachten. Das sogenannte lösungsorientierte Gutachten soll zur Einigung zwischen den Eltern beitragen. Der Aufsatz beschreibt die Anforderungen, die in rechtlicher und psychologischer Hinsicht an systemisch-lösungsorientierte Sachverständige gestellt werden, und setzt sich mit der systemischen Methodik der Begutachtung in Kindschaftssachen auseinander.

Springmann, Simon (2015): Nietzsche als Systemiker? Mögliche Anknüpfungspunkte zwischen Nietzsches perspektivischem Denken und dem systemlschen Ansatz. In: systeme 29 (1): 41-68.

abstract: Der vorliegende Essay untersucht theoretische Verbindungslinien zwischen der Philosophie Friedrich Nietzsches und dem systemischen Ansatz. Die Hauptthese ist, dass Nietzsche anschlussfähig an den systemischen Diskurs ist und wertvolle Impulse liefern kann für die systemische Theorie und Praxis. Dies wird beispielhaft am Thema des perspektivischen Denkens Nietzsches belegt. Hierfür wird in zwei Schritten vorgegangen. Zunächst wird Nietzsche als Denker des Perspektivismus skizziert. Sein Perspektivismus wird dabei auf das zentrale Philosophem des Willens zur Macht zurückgeführt. Eine Folge dieser Willen-zur-Macht-Konzeption besteht darin, sich von einem monolithischen Verständnis von Einheiten zu lösen und vielmehr die (innere) Vielheit und Vieldeutigkeit des Weltgeschehens und somit den Perspektivismus zum Programm zu erheben. Im zweiten Schritt wird ein Transfer zur systemischen Theorie und Praxis geleistet. Die Leitfrage ist hierbei, an welcher Stelle Nietzsches Überlegungen anschlussfähig an den systemischen Diskurs sind und bei welchen Methoden der praktischen systemischen Arbeit explizit oder implizit von einem ähnlichen Menschen- und Weltbild ausgegangen wird.

Brandl-Nebehay, Andrea (2015): Joachim Hinsch zum 70. In: systeme 29 (1): 69-72.

Stowasser-Hoffmann, Berit (2015): Rezension – Michael Grabbe, Jörn Borke & Cornelia Tsirigotis (Hrsg.)(2013): Autorität, Autonomie und Bindung. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht). In: systeme 29 (1): 73-74.

Loth, Wolfgang (2015): Rezension – Wolfgang Hantel-Quitmann (2015): Klinische Familienpsychologie. Familien verstehen und helfen. Stuttgart (Klett-Cotta). In: systeme 29 (1): 75-76.

Meyer-Legrand, Ingrid (2015): Rezension – Peter Heinl (2014): Licht In den Ozean des Unbewussten: Vom intuitiven Denken zur Intuitiven Diagnostik. Ein Leitfaden in den Denkraum. London (Thinkeon Verlag). In: systeme 29 (1): 76-78.

Graf, Michael (2015): Rezension – Andreas Kannicht & Bernd Schmid (2015): Einführung in systemische Konzepte der Selbststeuerung. Heidelberg (Carl-Auer). In: systeme 29 (1): 78-80.

Rufer, Martin (2015): Rezension – Isa Sammet, Gerhard Dammann & Günter Schiepek (Hrsg.) (2015): Der psychotherapeutische Prozess. Forschung für die Praxis. Stuttgart (Kohlhammer). In: systeme 29 (1): 80-82.

Loth, Wolfgang (2015): Rezension – Roland Schleiffer (2015): Fremdplatzierung und Bindungstheorie. Weinheim/Basel (Beltz Juventa). In: systeme 29 (1): 82-85.

Wedekind, Erhard (2015): Rezension – Jochen Schweitzer & Ulrike Bossmann (Hrsg.) (2013): Systemisches Demografiemanagement – Wie kommt Neues zum Älterwerden ins Unternehmen? Wiesbaden (Springer VS). In: systeme 29 (1): 85-88.

Lindner, Thomas (2015): Rezension – Krista Warnke & Berthild Lievenbrück (2015): Momente gelingender Beziehung. Was die Welt zusammenhält. Eine Spurensuche mit Jesper Juul, Gerald Hüther, Gesine Schwan u. a. Weinheim (Beltz). In: systeme 29 (1): 88-90.

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Heft 2

Ottomeyer, Klaus (2015): Arbeiten, Lieben, Kämpfen – Identität und Krise im Neoliberalismus. In: systeme 29 (2): 101-124.

abstract: Arbeiten, Lieben und Kämpfen sind grundlegende Tätigkeiten und beeinflussen unser Wohlbefinden. Die entsprechenden TeilIdentitäten des Homo faber, des Homo oeconomicus und des Homo amans geraten im Kapitalismus und Neoliberalismus unter Stress und in eine Spannung zueinander. Der Sense of Coherence ist überfordert. Dazu kommt eine Wertekrise, die als komplexitätsreduzierende Antwort neopatriarchalische und neofundamentalistische Bewegungen auf den Plan ruft. Hilfreich für die Individuen ist es, wenn sie als Arbeitende, als Liebende und als Kämpfende eine je spezifische soziale Anerkennung erfahren.

Borst, Ulrike (2015): Nicht alles geht – Ethik In der Psychotherapie aus systemlscher Perspektive. In: systeme 29 (2): 125-143.

abstract: Die Leitunterscheidung der Ethik in „richtig“ und „falsch“ bzw. „gut“ und „schlecht“ sind nicht gerade das, was beim Nachdenken über Systemische Therapie im Vordergrund steht; den nahezu unbegrenzten Möglichkeitsraum einzugrenzen ist eine nicht sehr beliebte (Denk-) Figur. Dieser Beitrag versucht zu begründen, dass auch und gerade in der Systemischen Therapie das Nachdenken über Rahmung und Begrenzung seinen Platz hat, und zeigt an Beispielen, wie in Selbsterfahrung und Supervision die Reflexion über die Begrenzungen des eigenen Handelns gefördert werden kann.

Becker-Stoll, Fabienne (2015): Bildung, Erziehung und Betreuung von Kleinkindern in Kindertageseinrichtungen aus entwicklungspsychologischer Sicht. In: systeme 29 (2): 144-164.

abstract: Der vorliegende Beitrag geht der Frage nach, was Kinder brauchen, um sich gut zu entwickeln. Zunächst werden die Grundlagen der frühen kindlichen Entwicklung beschrieben, die Grundbedürfnisse dargestellt, die Entwicklung von Bindungsbeziehung und der Zusammenhang zwischen Bindung und Exploration. Anschließend wird darauf eingegangen, welche Entwicklungsbedingungen eine Kinderkrippe oder Kindertageseinrichtung bieten kann und sollte, welche Bedeutung der Eingewöhnung und der Bezugserzieherin zukommt, und was unter Qualität in der Lebenswelt Kindertageseinrichtung zu verstehen ist. Inwiefern Kinder in Deutschland eine entwicklungsförderliche Lebenswelt in Kinderkrippen und Kindertageseinrichtungen vorfinden, wird anhand der Ergebnisse aus der NUBBEK-Studie erläutert. Diese zeigen, dass Kinder nur zu selten gute pädagogische Qualität im Kitaalltag erleben. Explizit wird auf die Unvereinbarkeit von 24-Stunden-Kitas mit dem Kindeswohl eingegangen. Schließlich wird noch dargelegt, wie pädagogische Qualität in der Lebenswelt Kita gesichert und weiterentwickelt werden kann.

Meyer-Legrand, Ingrid (2015): Kriegsenkel in Therapie und Beratung – Vom Leid zur Ressource. Geschichtliche und gesellschaftliche Einflüsse berücksichtigen. In: systeme 29 (2): 165-183.

abstract: Die Kriegsenkel, die Kinder der Kriegs- und Flüchtlingskinder des 2. Weltkriegs, verhandeln verschiedene Themen in ihren Lebensläufen. Angefangen bei der Frage, wie mit der „Schuld von Opa“ umzugehen ist, beschäftigt die Kriegsenkel zunehmend ihre eigene Rolle, die ihnen die Geschichte als Nachkommen häufig schwer traumatisierter Eltern zugewiesen hat. In Therapie und Beratung kommen die Kriegsenkel zunächst wegen ihres Bemühens, in dieser Gesellschaft oder in ihrem Leben „anzukommen“. Sowohl beruflich als auch privat zeigen sie sich in einem Kreislauf von Rastlosigkeit und Stillstand gefangen. Eine Verbindung zwischen und eine Perspektive für die hier sichtbar gewordenen Themen – Aufwachsen mit traumatisierten Eltern und Hineinwachsen in eine Multioptionsgesellschaft – ergeben sich dann, wenn zeitgeschichtliche Einflüsse über die Genogrammarbeit (Mehrgenerationenperspektive) und über eine Zeitlinienarbeit – My Life Storyboard – in der therapeutischen Arbeit berücksichtigt werden.

Wiedemann, Florian (2015): Erfahrungsbericht zur SG-Jahrestagung 2015: Workshop-Tagung „Der ganz normale Wahnsinn“ am 17./18 April 2015 In München. In: systeme 29 (2): 184-189.

Kühl, Stefan (2015): Die blinden Flecken der Theorie U von Otto Scharmer. Die Rekonstruktion einer (Change-)Management-Mode. In: systeme 29 (2): 190-202.

Loth, Wolfgang (2015): Rezension – Ulrike Borst (2013): Systemische Therapie. Tübingen (Psychotherapieverlag). In: systeme 29 (2): 203-205.

Sommerhuber, Sabine (2015): Rezension – Arist von Schlippe (2014): Das kommt in den besten Familien vor … Systemische Konfliktbearbeitung in Familien und Familienunternehmen. Stuttgart (Concadora Verlag). In: systeme 29 (2): 206-207.

 

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